Solothurn

In der Stadt sind noch viele alte Mauern im Boden versteckt

Über Erkenntnisse und Vermutungen zur Solothurner Vorstadt referierte Archäologin Ylva Backman. Sie glaubt, dass es in der Stadt noch viele Mauern gibt, die noch nicht gefunden sind. Zum Beispiel zwischen Krummturm und Hürligturm.

Helmuth Zipperlen
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In der Stadt gibt es noch viele versteckte Mauern.

In der Stadt gibt es noch viele versteckte Mauern.

Vor Jahresfrist machte eine in zwei Meter Tiefe gefundene Mauer am südlichen Ende der Wengibrücke Schlagzeilen. Sicher war, dass das Gebäude auf dieser Mauer einem Brand zum Opfer gefallen war. Die Referentin, Ylva Backman von der Kantonsarchäologie, berichtet: «Weil alle Fundstücke aus der Römerzeit stammen, war eine Interpretation als römische Ufermauer naheliegend. Wir liessen drei Holzkohleproben bei der ETH Zürich mit der Radiokarbonmethode datieren. Und siehe da, der Brand fand zwischen dem 11. und dem 13. Jahrhundert statt.»

War es ein Brückentor?

Damit stamme die Mauer eher aus dem Mittelalter und nicht aus der Römerzeit. Obwohl auf keiner Illustration enthalten, neigt Backman dazu, die Mauer einem Brückentor zuzuschreiben. Denn zwischen dem Krummturm und dem Hürligturm klafft eigentlich eine Lücke in der Vorstadt-Befestigung. «Das ist eine der vielen Fragen in der Archäologie, die noch keine Antwort bekommen haben. Und es schlummern noch viele alte Mauern im Boden.»

Während der Krummturm heute noch steht, wurde der Hürligturm 1864 abgebrochen. Mit einer Lieferung von Tuffsteinen wurde er 1488/89 aktenkundig. Ob es sich dabei allerdings um einen Neubau oder um Reparaturen handelt, geht aus den Unterlagen nicht hervor. 200 Jahre später wurde er zum Pulverturm umfunktioniert, dann halb abgebrochen und wieder aufgebaut. Sein Platz ist heute leer. Doch an der Aaremauer ist seine Ostfront mit den Bossenquadern noch deutlich zu erkennen. Ebenso sind zwischen dem Prison und der Patriotengasse noch 50 bis 60 Meter der alten Stadtmauer zu sehen.

Das mittelalterliche Berntor

Ylva Backman skizzierte kurz die mittelalterliche Stadtbefestigung. Als erstes Tor wird das Bieltor 1230 aktenkundig. Der Bau der Stadtbefestigung dürfte in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts begonnen worden sein. Um 1280 dürfte die Stadt vollständig ummauert gewesen sein, worauf jedoch im 14. und 15. Jahrhundert Umbauten und Aufstockungen vorgenommen wurden. Die Brücke zwischen Stadt und Vorstadt wird 1252 erstmals genannt.

Die Referentin zum Berntor: «1296 wird ein Burthor erwähnt. Es könnte ein Tor gegen Büren gemeint sein. Vielleicht handelt es sich um das Berntor. Auf der Zeichnung von Urs Graf von 1508 ist das Berntor als gedrungener Torturm mit Zinnenkranz und Grabenbrücke deutlich zu sehen.»

Das Berntor wird zum Nadelöhr

Auch bei der Zeichnung von 1638 von Conrad Meyer sei das Berntor immer noch gleich dargestellt. Erst 1776 wurde der Turm mit einem Pyramidendach gedeckt.» Vorher, 1643, wurde die Schlaguhr vom Krummturm an die Südseite des Berntors versetzt. Bauliche Veränderungen erfuhr der Turm bis zu seinem Abbruch 1877 nicht mehr. Fotos dokumentieren das Tor. Auf ihnen ist deutlich das Stadt- und Reichswappen aus dem späten 15. Jahrhundert (die Kopie befindet sich auf der Innenseite des Bieltors) und der Füdlistein (heute im Hof des Schulhauses Kollegium) zu sehen. Der Abbruch hängt mit dem Bau der Eisenbahnlinie Herzogenbuchsee–Biel zusammen, sowie einem starken Verkehrsaufkommen im 19. Jahrhundert, wo das Berntor zum Nadelöhr wurde.

Ein von Paul L. Feser initiierter Verein zum Wiederaufbau des Tores, verfüge nicht über finanzielle Mittel, war auf eine Frage aus dem Publikum zu vernehmen. Zudem sei die Denkmalpflege an Rekonstruktionen wenig interessiert. Auch ohne diese Pläne bleibt es um das historische Erbe in der Vorstadt interessant. So sagte Backman: «Was gibt es denn in der Vorstadt noch zu entdecken? Haben wir nicht schon alles ausgegraben? Die Solothurner Kantonsarchäologie gibt es immerhin seit über 30 Jahren. Ja, so unglaublich es klingt, es gibt noch Stellen im Boden und in den Häusern, die seit dem Mittelalter erhalten geblieben sind.»