Kunstmuseum Solothurn
In diesen Kunstwerken findet sich Gemeinsames

Das Kunstmuseum Solothurn gibt mit der Ausstellung «Zusammenhänge zusammen hängen» einen Einblick in den vielfältigen Fundus seines Sammlungsbestandes.

Anna Bürkli/Patricia Bieder*
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Eine Miniatur von Joseph Lack.

Eine Miniatur von Joseph Lack.

zvg

Zusammenhänge prägen diese Ausstellung, geht es doch darum, Zusammenhänge zwischen Werken aufzuzeigen und Zusammenhängendes zusammen zu hängen. Gemeinsame Nenner bieten die Möglichkeit, Werke unter bestimmten Aspekten zu betrachten und sie in Nachbarschaften zu setzen. Verwandtschaften können über die Epochen und zwischen verschiedenen Medien auftreten.

Dass Zusammenhänge relativ sind, ist selbstredend, und so wandelt sich die Ausstellung während der langen Gesamtdauer dreimal neu. Aber auch der partizipative Gedanke des «Zusammen-Hängens» bildet einen wichtigen Teil der Schau. Das Publikum an kann sich an einer Multimediastation an der Werkauswahl beteiligen. Die Favoriten werden dann in den dritten Teil der Ausstellung im Herbst integriert.

Bis 2. Sept; dritte Hängung vom 8.9. bis 21.10. 2018

Blau und geometrisch

Otto Tschumi

Otto Tschumi

zvg/Kunstmuseum Solothurn
John M. Armleder

John M. Armleder

zvg

Satte, in tiefem Königsblau gehaltene Flächen sind den Werken von Otto Tschumi (1904–1985) und John M. Armleder (*1948) (links) gemeinsam. Beide Arbeiten spielen zudem mit Farbkontrasten, grossen Flächen und filigranen Details. Die geometrische Komposition mit blauem Viereck und silbernem Kreis auf Packpapier von Armleder führt stimmungsvoll über zum kolorierten Pastell der Darstellung eines Mississippidampfers (1947) des Berner Surrealisten Tschumi. Der in vielen architektonischen Details gezeigte Schaufelraddampfer schneidet die Diagonale der Wasserfläche und scheint fast aus der Bildfläche hinauszugleiten.

Wolken

Eine Miniatur von Joseph Lack.
3 Bilder
Otto Frölicher
Rosa Wiggli

Eine Miniatur von Joseph Lack.

zvg

Wolken regen die Fantasie an. Feine rosafarbene Flämmchen durchziehen den Himmel auf der Miniatur von Joseph Lack, einem Künstler mit Solothurner Bezug, von dem wir leider nur das Todesjahr 1886 kennen. Eine Trouvaille sind die Ölstudien des Solothurner Landschaftsmalers Otto Frölicher 1840–1890. Während er den Himmel immer in Bezug zur Landschaft setzt, fokussiert Rosa Wiggli (1901–1991) nur das Spiel der Wolken.

1957

Roman Candio
3 Bilder
Meret Oppenheim
Max Brunner

Roman Candio

zvg

Alle drei Werke sind im Jahr 1957 entstanden und zeigen beispielhaft, wie damals sowohl die Abstraktion als auch die Figuration gepflegt wurde. Neben dem Entstehungsjahr ist allen drei Werken gemeinsam, dass sie der Farbe Rot eine grosse Wichtigkeit geben, und die Technik mit wasserlöslichen Farben. Roman Candio (*1935) benutzt bereits die Technik des Aquarells, was später ein Merkmal seines Werkes wird. Die Frau mit rotem Haar von Meret Oppenheim (1913–1985) lädt die Heumatte mit Sauerampfer von Max Brunner (1910–2007) dynamisch auf. Dies geschieht durch eine energiegeladene Gestik, die die Hand der Frau andeutet. Gleichzeitig entsteht der Eindruck, dass ihr Haar fast waagrecht vom Kopf wegflattert. Es wird deutlich, dass das Gestische auch im Werk von Max Brunner bildbestimmend ist. Die von der Künstlerhand energisch gesetzten Kringel deuten den Himmel mit Wolken an.

Bücher

Albert Anker

Albert Anker

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Peter Wüthrich

Peter Wüthrich

zvg

Zwischen zwei Buchdeckeln stecken Geschichten, öffnen sich Welten. Bedächtig liest der Bibelleser (1908) (oben) im meisterhaften Aquarell von Albert Anker (1831– 1910) in der Bibel, die Hände liegen gefaltet auf dem geöffneten Buch. Das Motiv des Buches in diesem Werk hat uns motiviert, einen Zusammenhang zum Tiegel (2000) von Peter Wüthrich (*1962) (unten) herzustellen. Der Berner Künstler arbeitet bevorzugt mit dem Buch als Objekt. Im Tiegel – gemeinhin ein Gefäss zum Erhitzen von Stoffen – fügt er den Erzählstoff verschiedener Bücher zu einem bildhaften Ganzen zusammen. Auch wenn uns die Bücher hier verschlossen bleiben, weckt der farbige Bücherblock unsere Imagination.

Pflanzenwelt

Oskar Tröndle

Oskar Tröndle

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Anselm Stalder

Anselm Stalder

zvg

Oskar Tröndle (1883–1945) (links) und Anselm Stalder (*1956) (oben) werden in ihren Darstellungen der Blumen- und Pflanzenwelt zu Geistesverwandten. Die beiden Künstler – zwei Generationen liegen zwischen ihnen – studieren die Natur und heben die Formen der Blüten, Blätter und Zweige mit Linien und Strichen hervor. Stalder transformiert in der Serie München (1995/1996) die Pflanzenwelt im botanischen Garten in München zu fast abstrakten Mustern und rhythmisiert das Liniengewächs mit einem Raster. Filigrane Linien betonen auch die elegante Form des Wiesenkerbels (undat.) im Linolschnitt von Oskar Tröndle. Der in Solothurn lebende Künstler Tröndle, dessen Werk sich zwischen Jugendstil und Moderne bewegt, war neben der Druckgraphik und Malerei auch in der angewandten Kunst tätig. Er wollte, alle Lebensbereiche mit gestalteter Form durchdringen.