Solothurn

Ist der Mauerrest in Solothurn ein römischer Sensationsfund?

Bei Grabungsarbeiten für die neue Fernwärmeleitung wurde in der Solothurner Vorstadt ein wahrscheinlich römischer Mauerrest entdeckt. Somit könnte auch die Südseite befestigt gewesen sein.

Wolfgang Wagmann
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Die mögliche befestigungsmauier aus spätrömischer Zeit bietet Raum für Spekulationen

Die mögliche befestigungsmauier aus spätrömischer Zeit bietet Raum für Spekulationen

Wolfgang Wagmann

«Das wäre ein Hit!» freut sich Kantonsarchäologe Pierre Harb angesichts des neuesten Fundes in der Vorstadt: Erst vor wenigen Wochen waren auf der Höhe des Kino Capitols Fundamentreste des mittelalterlichen Berntors zum Vorschein gekommen, nun stiess man an entlang der Westfassade des Bürgerhauses auf eine wahrscheinlich römische Mauer. «Erstens liegt die Mauer sehr tief, und zweitens haben wir ringsum römische Keramikreste gefunden», untermauert Harb seine Hypothese, es könnte sich gar um einen für die Solothurner Geschichtsschreibung historischen Beweis handeln - dass nämlich nicht nur die Nordseite der Aare in spätrömischer Zeit von ca. 300 bis 450 n. Chr. durch das hufeisenförmige Castrum befestigt war, sondern auch die südseitige, spätere Vorstadt.

Wieder begraben

Denn die Mauer ist gut einen Meter dick und verläuft einige Meter schnurgerade, aber schräg zum Graben, der für die Fernwärme-Leitung der Regio Energie Solothurn ausgehoben worden ist. Was auch gegen einen mittelalterlichen Befund spricht, denn die Mauer verlaufe «völlig scheps» zum mittelalterlichen Strassenzug gegen die Wengibrücke. «Leider setzt sie sich gegen Norden und Süden nicht mehr fort», die Mauer sei dort «gestört» worden, wie sich die Archäologen ausdrücken.

Und viele Möglichkeiten, noch weitere Erkenntnisse zu gewinnen, hat die Kantonsarchäologie in der engen Berntorstrasse mit ihrem Linienbusverkehr nicht. «Wir können noch einige Sonderlöcher machen und die Mauer zeichnen und fotografieren», meint die wissenschaftliche Mitarbeiterin Ylva Backman - so ist der Fund zwar wissenschaftlich gesichert, ansonsten wird er im Zuge der Bauarbeiten unter Magerbeton begraben.