Solothurn

Kontakt- und Anlaufstelle für Drogensüchtige zieht ins nächste Provisorium um

Wegen Corona können die Drogenkonsumationsräume im Adler nicht genutzt werden. Von der Wiese an der Obachstrasse geht es nun in Container an die Dornacherstrasse. Dort hat kürzlich noch ein Haus gestanden.

Fabio Vonarburg
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Wo vor kurzem noch ein Haus stand, sind jetzt Container der Perspektive Region Solothurn-Grenchen aufgestellt.

Wo vor kurzem noch ein Haus stand, sind jetzt Container der Perspektive Region Solothurn-Grenchen aufgestellt.

Fabio Vonarburg

Vor drei Wochen wusste die Organisation Perspektive Region Solothurn-Grenchen noch nicht, wie es weitergehen soll. «Wir führten zwar Gespräche mit der Stadt Solothurn, aber langsam stieg die Nervosität, ob wir noch rechtzeitig eine neue Lösung finden», sagt Karin Stoop, Geschäftsleiterin der Organisation. Denn das Ende der jetzigen Lösung, das Übergangsprovisorium mit der Kontakt- und Anlaufstelle für Drogensüchtige an der Obachstrasse, rückte näher.

Ende September endet das Mietverhältnis für die Wiese eines lokalen Unternehmens, auf der die Perspektive Zelte aufstellen durfte. Und die einstige Hoffnung, rechtzeitig zurück in die gewohnten Drogenkonsumationsräume im Adler zurückkehren zu können, hatte sich auch bereits zerschlagen. Damit dies möglich gewesen wäre, hätten die Coronamassnahmen gelockert werden müssen.

Der Grund: Im Adler beim Alten Spital können weder die nötigen Abstände eingehalten werden, noch ist eine Maskenpflicht umsetzbar. Es drohte im schlimmsten Fall die Rückkehr zu einer offenen Drogenszene. Ein Szenario, das die Organisation unbedingt verhindern wollte, und das jetzt in Zusammenarbeit mit der Stadt abgewendet werden konnte – dank einer neuerlichen Übergangslösung.

Zelt wäre für den Winter keine Option gewesen

Ab Anfang Oktober ist die Kontakt- und Anlaufstelle in extra dazu aufgestellten Containern an der Dornacherstrasse untergebracht. An dem Platz, wo vor kurzem ein Haus abgerissen wurde. Hier kann die Kontakt- und Anlaufstelle für die nächsten sechs Monate, somit bis Ende März 2021, bleiben. Danach, so zumindest die erneute Hoffnung von Karin Stoop, geht es dann tatsächlich zurück in den Adler, wo auch die Gassenküche zu finden ist. Seit Anfang Juni kann diese wieder fast wie gewohnt betrieben werden.

Bis zur Rückkehr in die Vor-Corona-Normalität ist die Perspektive mit der jetzt gefundenen Zwischenlösung zufrieden. «Die Container bieten einen guten Schutz für die kalte Jahreszeit und auch genügend Platz, damit die Abstandsregeln eingehalten werden können», sagt Stoop. Zum Vergleich: Die Container an der Dornacherstrasse bieten zehn Mal so viel Platz wie der Raum im Adler.

Allerdings kommen mit der neuerlichen Zwischenlösung weitere Zusatzkosten auf die Perspektive zu, die sowieso bereits mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Die Geschäftsleiterin Karin Stoop spricht von 120'000 Franken für die sechs Monate in den Containern. Um etwas Kosten einzusparen, bleibt die Kontakt- und Anlaufstelle ab Oktober am Sonntag geschlossen. Stattdessen wird die Perspektive Region Solothurn-Grenchen an den anderen Tagen mit drei statt wie gewohnt zwei Mitarbeitenden vor Ort sein, um am ungewohnten Platz zusätzliche Präsenz zu zeigen.