Dok-Film

Musiker dreht Film über einen Grossen des tschechischen Kinos

Robert Kolinsky hat mit seiner Musik eigentlich schon so einiges zu tun hat. Trotzdem drehte er einen Dokumentarfilm. Wieso? Wie? Und warum über Jiří Menzel? Wir haben ihm diese und weitere Fragen gestellt.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Der Musiker und Leiter der Martinů-Festtage Robert Kolinsky gab mit einem Dok-Film über Jiří Menzel sein Film-Debüt.

Der Musiker und Leiter der Martinů-Festtage Robert Kolinsky gab mit einem Dok-Film über Jiří Menzel sein Film-Debüt.

ZVG

Robert Kolinsky, wie kamen Sie als vielbeschäftigter Musiker dazu, einen Dokumentarfilm zu drehen – und wieso über Jiří Menzel?

Als Leiter der Martinů-Festtage in Basel konnte ich 2005 Jiří Menzel für einen unserer Kinoabende gewinnen. Es wurde zu einem der schönsten und warmherzigsten Anlässe, die wir hatten. Dabei hat mich eine Freundin auf die Idee zu einem Film gebracht. Zunächst suchte ich einen Regisseur dafür, doch dann habe ich es selber übernommen.

Einen Film zu drehen, braucht doch Zeit, Geld, ganz zu schweigen vom technischen Know-how? Wie konnten Sie dies realisieren?

Ich habe neben meinen beruflichen Aktivitäten und meiner Familie so viel gelesen und studiert, wie ich nur konnte. Und ich liess mich beraten. An unseren Wänden klebten Karteikärtchen mit Ideen und dramaturgischen Abläufen. Schliesslich überliess ich das Ganze einem gewissen Instinkt.

Was verbindet Sie mit dem Filmer Jiří Menzel?

Jiří Menzel war mir, so wie vieles aus der tschechischen Kultur, durch meine Eltern, welche 1968 nach der Niederschlagung des Prager Frühlings geflohen sind, ein wichtiger Begriff. Nach der Wende 1989 war ich zwar für zwei Semester an der Musik-Akademie in Prag eingeschrieben, verbrachte aber mehr Zeit in der Film-Akademie. Hier begegnete ich kurz Jiří Menzel. Er hat mich immer berührt, doch als Jugendlicher konnte ich nicht erklären, warum. Später schon. Der erste Film, den ich gesehen habe, war vermutlich «Meine schöne Heimat». Ich erinnere mich auch noch, wie meine Eltern in den 80er-Jahren bei der Fernsehübertragung der Oscarverleihung mitfieberten, wo dieser Film nominiert wurde.

Wie viel Zeit konnten Sie für die Dreharbeiten mit Menzel verbringen?

Seit 2005 an den Martinů-Festtagen bis zu den ersten Dreharbeiten hin waren wir eng befreundet. Wir verbrachten sehr viel Zeit zusammen.

Wie haben Sie es geschafft, grosse Regisseure wie Ken Loach, Miloš Forman, István Szabó und Emir Kusturica für den Film vor die Kamera zu bekommen?

Es hätten eigentlich viel mehr sein können ... An die Leute heranzukommen und ihr Vertrauen zu erhalten, war in der Tat jeweils eine Herausforderung für sich. Bei jedem war der Weg oder Umweg ein anderer. Ich hatte Glück.

Was haben Sie während der Dreharbeiten über Jiří Menzels Charakter gelernt?

Jiří Menzel blieb sich immer treu. Er ist ein Mensch, der seine differenzierte Weltanschauung konsequent gelebt hat. Nach seinem Arbeitsverbot drehte er während der «Normalisierung» Filme, die er meiner Meinung nach auch in einem anderen politischen Umfeld gedreht hätte.

Wie war die Filmpremiere in Solothurn für Sie und den anwesenden Jiří Menzel?

Jiří sass neben mir. Wir beide wurden vor Beginn des Filmes plötzlich sehr nervös. Für mich war besonders, dass ich in meinem Geburts- und Heimatort, und ausgerechnet in dem Kino sass, wo ich als 7-Jähriger zum ersten Mal überhaupt ein Kino besucht hatte. Der Film war damals «Superman»! «Ich kann es gar nicht glauben, dass ich das bin, der da in diesem wunderschönen Film ist», sagte Menzel nach dem Film auf der Bühne. Wir sind Freunde geblieben.

Mitarbeit: Barbara Simpson