Einsiedelei

«Schluchtmüde» ist Schwester Benedikta keineswegs

Auch wenn die Bürgergemeinde Solothurn ihre Einsiedlerin, Schwester Benedikta, wegen körperlicher Beschwerden unterstützen muss, schenkt dieser das Leben in der Verenaschlucht viel Erfüllung. Wie sie lebt, verrät sie auch bald in einem Buch.

Wolfgang Wagmann
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Hielt es nicht lang aus in Solothurn: Die Berner Einsiedlerin Benedikta hat die Verenaschlucht bereits wieder verlassen. Felix Gerber

Hielt es nicht lang aus in Solothurn: Die Berner Einsiedlerin Benedikta hat die Verenaschlucht bereits wieder verlassen. Felix Gerber

Felix Gerber

Die Nachricht, dass Schwester Benedikta aufgrund ihrer Arbeitsbelastung in der Einsiedelei mit körperlichen Beschwerden kämpft und die Bürgergemeinde Solothurn Entlastung anbietet, hat aufgeschreckt. Doch «schluchtmüde», wie in unserem Kommentar betitelt, sei sie keineswegs. Schwester Benedikta: «Nein, schluchtmüde bin ich nicht – nach wie vor weiss ich mich hier am richtigen Ort und begegne den vielen unterschiedlichsten Menschen mit Freude und Interesse.»

Wie sie als Eremitin lebe und ihre Spiritualität aussehe, sei für Aussenstehende oft schwierig zu verstehen. «Viel ist Klischee oder einfach falsch.» Eine Einsiedlerin müsse nicht gezwungenermassen abgelegen hausen, deshalb sei der im angesprochenen Kommentar gebrauchte Begriff einer «Scheinsiedelei» für sie «zwar witzig, aber irreführend», betont die Schwester. «Mir ist viel daran gelegen, dass die Einsiedelei als «gehüteter» und heiliger Ort Zukunft hat und wir vermehrt kommunizieren, was Menschen hier finden können.»

Strenger Tagesablauf

Sich selbst hat Schwester Benedikta einen strengen Tagesablauf auferlegt, der nur im Januar und Februar anders aussieht, wenn die Kapellen geschlossen bleiben. Um 5 Uhr ist Tagwache mit dem Frühgebet in der Klause, eine Stunde später Arbeiten im Schweigen angesagt. Ein Morgengebet steht um 8 Uhr in der Klause an, eine halb Stunde danach das Öffnen der Verenakapelle, die für Besucher vorbereitet wird. Dazu arbeitet die Schwester auf dem Gelände. Ab 9.30 Uhr nimmt sie sich Zeit für Anlässe in der Martinskapelle, seelsorgerliche Gespräche, Telefone und Schreibarbeiten.

Die Schwester gibts bald in Buchform

Am 21. August plant der Verlag Orell Füssli die Herausgabe einer Autobiografie zu Schwester Benedikta. Sie trägt den Titel «Licht auf meinem Pfad – Autobiografie einer Einsiedlerin. Das Werk mit 224 Seiten soll Fr. 26.90 kosten. Der Verlag wirbt mit den Slogans «eine unorthodoxe und unkonventionelle Geschichte» oder «ein Frauenleben, das alles infrage stellt und Wesentliches beantwortet» sowie «Mit Lebensweisheiten für die Seele». Weiter angekündigt wird von Orell Füssli eine «grosse Marketingkampagne zur Weihnachtszeit» und weiter, dass Schwester Benedikta für Veranstaltungen zur Verfügung stehe. (ww)

Mittags um 12 Uhr findet ein nächstes, diesmal öffentliches Gebet in der Martinskapelle statt, danach das Mittagessen mit Stille und Schweigen nach Möglichkeit. Ab 14 Uhr besteht wiederum Zeit für Anlässe in der Kapelle, seelsorgerliche Gespräche und Kartenmalen, ehe um 16 Uhr das Vesper- Gebet in der Klause ruft. Die früher öffentlichen Morgen- und Vespergebete in der Kapelle musste die Schwester aufgrund der Belastung aufgeben. Eine halbe Stunde später werden beide Kapellen geschlossen; ab 17 Uhr gibts eine halbstündige Schweigepause. Die Zeit bis zur Vorbereitung auf das nächtliche Schweigen um 19.30 Uhr nutzt Schwester Benedikta nochmals für Telefonate, Schreibarbeiten und Kartenmalen. Um 20 Uhr herrscht nach dem Nachtgebet nächtliches Stillschweigen in der Klause.

«Da ich bei dieser Arbeitsbelastung nicht ganztägig fasten kann, verzichte ich auf ein Abendbrot», so die Schwester. Und weiter: «Ich ziehe mich nach Möglichkeit ins Schweigen und die Stille zurück – Menschen mit Anliegen haben Vorrang, Jesus sei mir ein Vorbild in allem.»

Franziskanische Regeln

Als «St. Verena – das franziskanische Einfrau-Kloster» bezeichnet Schwester Benedikta leicht neckisch auch ihre Klause, wo aber nicht nur «Christo-zentriertes» Schweigen, Einkehr und Einsamkeit als Selbstzweck herrschen sollen. «Die Pflege der Gastfreundschaft als Teil der eremitischen Spiritualität erscheint mir zentral.» Armut durch den Verzicht auf Bildungs- und Kulturangebote, ja viele Bücher, schlichte Kleidung und das Versprechen von Keuschheit und Gehorsam gehören zu Regeln, denen die Schwester nachlebt.

Der Respekt vor den Geschöpfen Gottes schlägt sich aber auch im Satz nieder: «Ich übe keine Macht und Kontrolle aus und manipuliere sie nicht.» Wie das Vorbild, die Heilige Verena, versteht sich die Schwester als «Brückenbauerin» zwischen verschiedenen Glaubensrichtungen, die ihr am Kraftort der Einsiedelei begegnen. «Meine Aufgabe ist es, die Menschen dort abzuholen, wo sie sind, in Akzeptanz ihres Glaubens und Gewissens. Und doch immer wieder davon zu erzählen, was Christus in seiner Liebe und Barmherzigkeit in meinem und anderen Leben tut.»