Altersehrung

«Seniorinnen und Senioren sind farbiger, rüstiger und lebhafter»

Die von der Einwohnergemeinde Solothurn organisierte Altersehrung ist beliebt. An zwei Tagen treffen sich weit über 500 Einwohnerinnen und Einwohner ab 73 Jahren im Landhaussaal.

Katharina Arni-Howald
Drucken
Teilen
10 Bilder
Altersehrung der Einwohnergemeinde Solothurn

Hanspeter Bärtschi

40 Seniorinnen und Senioren mehr besuchten in diesem Jahr den Traditionsanlass. Erstmals dabei der Jahrgang 1938. Obwohl die mehrheitlich graue oder weisse Haartracht keine Zweifel offen liess, dass man nicht mehr zu den Jüngsten gehört, war im Landhaussaal nichts von Lebensverdruss oder Rückzug aus dem aktiven Leben zu spüren.

Urs Bentz, Leiter der Sozialen Dienste und selbst dem Rentenalter nahe, brachte es auf die Frage, was sich in den letzten Jahrzehnten verändert habe, auf den Punkt: «Die Seniorinnen und Senioren sind farbiger, rüstiger, lebhafter und interessierter geworden als vor 32 Jahren, als ich mich für die Altersehrung zu engagieren begann.» Um dies zu untermauern, hat sich Urs Bentz zum Abschied aus dem Berufsleben einen Traum erfüllt. Statt eines volkstümlichen oder klassisch geprägten Programms begeisterte vor dem traditionellen Mittagessen die Ambass Town Jazz Band in alter Frische ein Publikum, das in jungen Jahren auch anderes zu hören bekam als Volkslieder aus der engeren Heimat.

Die Leute gönnen sich heute etwas

Wenn früher noch die Meinung herrschte, die städtische Altersehrung sei etwas für Greise, besuchen heute immer mehr auch jüngere Seniorinnen und Senioren den Anlass. «Die Leute gönnen sich heute etwas. Sie sind dank den Sozialwerken unabhängiger und selbstsicherer als früher und nehmen länger am aktiven Leben teil», gab Urs Bentz zu bedenken. Dies bewiesen auch andere Zahlen: «Von den 80-jährigen Stadtbewohnern lebt nur gerade ein Fünftel in einem Heim.»

Auch Hugo Ackermann, soeben 73 Jahre alt geworden, geniesst das Leben und hat die Einladung mit Freude angenommen. «Ich hatte während 47 Jahren ein eigenes Coiffeurgeschäft. Danach entdeckte ich die Kunst und bin seither viel unterwegs.» Auch alte Menschen seien schön – man müsse sie schätzen und ihnen mit Respekt begegnen.

1940 Einladungen hatte das Stadtpräsidium auch in diesem Jahr verschickt und 530 Personen meldeten sich für den Doppelanlass von gestern und heute Mittwoch angemeldet. Stadtpräsident Kurt Fluri informierte über die neue Pflegefinanzierung und empfahl, die Zusatzversicherungen der Krankenkassen zu überprüfen. «Es gibt Leute, die monatlich 300 bis 600 Franken zusätzlich zur Grundversicherung bezahlen.» Zum letzten Mal griff Urs Bentz schliesslich zur Gitarre, um die Anwesenden mit einer Ballade zu beglücken, «es sei denn, man lade mich auch im nächsten Jahr wieder ein».

Dem Anlass einen würdigen Rahmen gab auch die Volkskundlerin Elisabeth Pfluger, die als 92-Jährige selbst zu den Geehrten gehörte. Daneben waren auch von Urs Scheidegger alte Geschichten über Solothurn zu hören.