Solothurn
Inspiriert vom Jubiläum des Frauenstimmrechts: Opernsängerin und Stadtführerin spannen zusammen

«Frauen singen, spielen und erzählen von Frauen», heisst das gemeinsame Projekte von Marie Christine Egger und Marion Ammann in Solothurn.

Judith Frei
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Marie-Christine Egger und Marion Ammann (von links) in der St.-Peters-Kapelle in Solothurn.

Marie-Christine Egger und Marion Ammann (von links) in der St.-Peters-Kapelle in Solothurn.

André Scheidegger

Ende letzten Jahres herrschte Funkstille bei Marion Ammann. Pandemiebedingt gab es keine Veranstaltungen, bei denen die Opern- und Konzertsängerin auftreten konnte. Im Dezember beschloss sie, nicht auf Aufträge zu warten, sondern selbst aktiv zu werden. Obwohl sie Sängerin sei und das Organisieren von Anlässen nicht ihre Kernkompetenz, war das Bedürfnis, wieder auftreten zu können, so stark, dass sie diesen Schritt gewagt hat.

Über Facebook nahm die Dornacherin Kontakt mit der Stadtführerin Marie-Christine Egger auf und fragt sie, ob sie ­Interesse habe, ein Projekt mit ihr zu gestalten. «Mir schwebte aufgrund der damals wieder drohenden Verbote von Kulturanlässen ein Konzert in einem grossen Raum und wegen der Abstandsregel mit wenigen Leuten vor», erklärt Ammann. Dabei dachte die Sängerin, die sich an internationale Bühnen gewohnt ist, an eine Kirche.

Eine musikalische Führung von Kirche zu Kirche

So entstand die Stadtführung «Frauen singen, spielen und erzählen von Frauen». Das ist eine musikalische Führung durch vier Kirchen in Solothurn. Angefangen wird in der Franziskanerkirche, wo Egger über die Beginen berichten und Ammann verschiedene «Ave Maria» singen wird. Weiter geht es in die St. Ursenkathedrale. Dort erzählt Egger über die zurückgelassenen Söldner-Frauen, die die Geschäfte zu Hause im Griff behalten haben, während ihre Männer in der Ferne Krieg führten. Dort wird Ammann Vertonungen von Schumann und Beethoven zum Krieg singen. Weiter geht es in die Peterskapelle und abschliessend in die Spitalkirche. Auch dort werden Geschichten um Frauen erzählt, die Ammann musikalisch mit Schweizern Volksliedern und in der Spitalkirche von Hildegard von Bingen begleitet.

Marion Ammann bei einem Auftritt.

Youtube: Burgal Befri

Dass bei ihrer Führung die Frauen im Vordergrund stehen, kommt nicht von ungefähr. «Wir haben uns vom 50-Jahre-Jubiläum des Frauenstimmrechts inspirieren lassen», erklärt die Sängerin. Sie sei schon immer ein politisch interessiert Mensch gewesen und auch mit ihren Freundinnen sei die Gleichstellung stets ein Diskussionspunkt. Aber Ammann:

«Für mich ist die berufliche Gleichberechtigung nicht ein vordergründiges Thema, denn mein Beruf kann kein Mann ausüben.»

Am Donnerstag, 3. Juni, ist es dann so weit: Da werden die drei Frauen zum ersten Mal Interessierte durch die Kirchen führen. «Mit einem sich durch verschiedene Kirchen bewegenden sozusagen «laufenden» Konzert hat man sofort eine unmittelbare Verbindung mit dem Publikum», sagt Ammann. Auf diesen Aspekt freue sie sich besonders, denn «Kultur geht, um Begegnung und um den Himmel aufzumachen».

Dass die Führung in Solothurn stattfindet, ist für die Dornacherin eine besondere Freude: «Solothurn ist eine wahnsinnig schöne Stadt und es kommen auch viel Leute von ‹ennet em Berg›.» Sie selbst hat eine besondere Beziehung zur Barockstadt: Ihr erstes Engagement hat sie im Theater Biel/ Solothurn bekommen und sie hat immer wieder Auftritte im Schloss Waldegg.

Hinweis
Die Führungen finden am 3. und 13. Juni um 15 Uhr, am 4. Juni um 19 Uhr, 10. Juli um 17 Uhr statt. Sie dauern 2 Stunden, kosten 30 Franken. Anmeldung unter: 079 298 78 22 von 8 Uhr bis 23 Uhr.

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