Solothurn
Keine Fasnacht? Von wegen! Was sich die Narren ausgeheckt haben in 7 Punkten

Corona verhindert eine normale Fasnacht auch in der Stadt Solothurn. Dennoch wird es aber in einer Woche einiges zu sehen, hören und lesen geben. Der Überblick.

Fabio Vonarburg und Judith Frei
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Oberchessler Marco Lupi auf dem Balkon beim Altwyberhüüsli.

Oberchessler Marco Lupi auf dem Balkon beim Altwyberhüüsli.

Tom Ulrich

Der Fasnachtsvirus ist nicht auszumerzen. Den Beweis liefern die Solothurner Narren. Angesichts der Pandemie die Fahne zu streichen und ein Jahr auf Pause zu drücken, kam für die Fasnächtler nicht in Frage. Sie sehen sich als Hüter einer alten Tradition und nehmen ihre Aufgabe ernst. Und so wird es auch vom 11. bis 17. Februar 2021 eine Fasnacht geben. Eine, die ohne Menschenansammlungen auskommt, eine, die die Massnahmen des Bundes einhält, eine, die ganz anders wird, als alle vorangehenden und hoffentlich einzigartig bleibt. Eines bleibt jedoch wie gehabt: Es wird eine Fasnacht voller Schabernack und Lebensfreude. Und: Auch dieses Mal wird der Winter vertrieben.

1) Home-Chesslete

Trotz Corona - für die wahren Narren ist auch dieses Jahr am Schmutzigen Donnerstag nichts mit Ausschlafen. Wie gewohnt startet um 5 Uhr in der früh die Chesslete mit 11 Böllerschüssen, verteilt über die ganze Stadt. Danach ziehen die Narren für einmal nicht durch die Stadt, sondern machen alle bei sich Zuhause auf dem Balkon oder im Garten Lärm. Home-Chesslete nennt Oberchessler Marco Lupi das Konzept. Dessen Motto: «Zwar alleine zuhause aber vereint im Krach.»

2) Mählsuppe

Und wenn es schon eine Chesslete gibt, darf auch die traditionelle Mählsuppe nicht fehlen. «Damit die Mählsuppe auch sicher gelingt, gibt es sie in Portionen abgepackt im Restaurant zum Alten Stephan zu kaufen», schreibt der Oberchessler. Verkauft wird sie am kommenden Samstag von 10 bis 14 Uhr vor dem Restaurant zum Alten Stephan. Man kann sie aber auch bestellen mit einem Mail an mail@alterstephan.ch und sie dann am Dienstag oder Mittwoch vor der Chesslete zwischen 17 und 18 Uhr abholen.

So wird für die Mählsuppe geworben.

So wird für die Mählsuppe geworben.

zvg

3) Schnitzelbänke

Kein Höflisingen, keine Auftritte in den Restaurants und kein Schnibamu und trotzdem werden zwei Bänke ein aktuelles Programm aufstellen. Stefan Liechti von den «Stedtlischiiisser» erklärt, dass sie beschlossen haben, auch unter den widrigsten Bedingungen zu proben. Das hat sich auch eine Guerilla-Schnitzelbankgruppe gedacht, die bis jetzt noch namenlos ist. Die Herzblutfasnächtler dieser noch anonymen Gruppe werden dieses Jahr «einspringen», da sonst wenig Neues vorhanden gewesen wäre.

Am Sonntag gehen die zwei Gruppen mit ihrem neuen Programm in das Tonstudio und Videoclips werden in Zusammenarbeit mit Jump-TV aufgenommen. Das neue Programm wird bei Radio 32 und Jump-TV ausgestrahlt, auf der neuen Webseite der Stedtlischiiisser www.stedtlischiiisser.ch aufgeschalten und man kann es dann auch im Schaufenster der Leinenstube am Marktplatz sehen.

4) Fasnachtszeitungen

Die gute Kunde: Auch dieses Jahr erscheinen alle Fasnachtszeitungen. Die noch bessere Kunde: Wie man hört, sprudeln deren Macher auch dieses Jahr nur so über vor kreativen Ideen. Trotz Sitzungen per Videokonferenz. So schreibt die Redaktion der Gratis-Fasnachtszeitung in einer Medienmitteilung: «Es ist eine spezielle Ausgabe. Die Redaktion hat sich nur online getroffen.»

Speziell ist die Ausgabe auch, weil «11 Minuten» zu einem anderen Zeitpunkt erscheint als gewohnt. Man werde entgegen der Tradition nicht 11 Tage vor, sondern zeitgleich wie die anderen Produkte erscheinen. Dies sind das Amzblatt, der Hudibras und der Postheiri, der 1921 zum ersten Mal erschien. Alle Fasnachtszeitungen werden ab Donnerstagnachmittag, 11. Februar, erhältlich sein. Zum Beispiel am Kiosk und «11 Minuten» liegt beim Marronihäuschen auf.

Auch dieses Jahr gibt es viel Lesestoff. Alle Fasnachtszeitungen erscheinen trotz Corona.

Auch dieses Jahr gibt es viel Lesestoff. Alle Fasnachtszeitungen erscheinen trotz Corona.

Wolfgang Wagmann

5) Fart 2021

Für viele sind die beiden grossen Fasnachtsumzüge das eigentliche Highlight der Solothurner Fasnacht. Was in normalen Jahren die Umzüge sind, ist in diesem Jahr die Fart 2021. Der fasnächtliche Stadtrundgang ist eine Parodie auf die Kunstausstellung Zart vom vergangenen Jahr und funktioniert dementsprechend ähnlich. Über die ganze Stadt sind fasnächtliche Kunstwerke verteilt. Insgesamt werden 39 Schaufenster dekoriert, zudem findet man auf neun Plätzen der Stadt Installationen. Alle Werke der Gruppierungen sind sicher zwischen dem 11. und 17. Februar zu sehen. Weiter Infos dazu unter www.fasnacht-solothurn.ch.

Der Stadtplan der Fart 2021

Der Stadtplan der Fart 2021

zvg

6) Livestream-Party

Und zu guter Letzt gibt es noch eine Party anzukündigen. Richtig gelesen, eine Party. Jeder kostümiert zuhause, doch virtuell verbunden. Diese steigt am Samstag, 13. Februar, ab 20 Uhr. Organisator ist die Narrenzunft Honolulu. «Viele Leute haben uns angefragt, ob so etwas möglich wäre», erklärt Lulu-Bar-Chef Silvan Studer die Motivation. Die Livestream-Party wird professionell aufgezogen und in Fernsehstudio produziert. Speziell ist auch die Kooperation mit der Barockbar. So besteht die Möglichkeit, sich einen Cocktail nach Hause liefern zu lassen. Wie man sich einloggen kann, darüber informiert die Narrenzunft in ein paar Tagen über die Sozialen Medien.

7) Weitere Überraschungen

Ist die Liste vollständig? Keineswegs. Neben dem aufgezählten werden sicher weitere coronataugliche Ideen umgesetzt. So wie der Narrenweg beim Kapuzinerkloster, bei dem man entlang der Klostermauern närrische Sprüche lesen kann. Oder die Guggenmusig Ambassadonner, die die «Fasnacht in the Box» lanciert hat. Diese kann man bestellen und wird dann am Fasnachtssamstag nach Hause geliefert. Weiter Infos auf deren Facebook-Seite.

Diese Anlässe sind abgesagt

Die Vereinigte Fasnachtsgesellschaft UNO informiert in einer Medienmitteilung, welche Anlässe Stand heute abgesagt sind. Dies sind nebst den beiden grossen Umzügen vom Sonntag und Dienstag sowie sämtlichen Fasnachtsabenden (inkl. Ballzillus), die Chinderchesslete vom Mittwoch und der Chinderumzug, die Bööggliparty am Schmutzigen Donnerstag, die Fasnachtsabende im Stadttheater, die Monsterguggete, das Drumm-Gugu-Lala-Pfiff vom Montag, der Zwölfichlapf am Dienstag und das Bööggverbrönne vom Aschermittwoch. Einige Anlässe würden in einer coronatauglichen Variante durchgeführt, so die UNO weiter (siehe oben). (mgt)

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