Solothurn
Kletterpflanzen an feinen Drähten: Emmentaler Firma schlägt für den Roten Platz ein grünes Blätterdach vor

Eine Firma aus dem Emmental macht einen Vorschlag, wie der Rote Platz vor der Baloise Bank SoBa schattiger und grüner gestaltet werden könnte.

Judith Frei
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So visualisiert ein Unternehmen den Roten Platz.

So visualisiert ein Unternehmen den Roten Platz.

Jakob AG

Im Emmentaler Unternehmen Jakob Rope System hat man grosse Augen gemacht, als letzten Oktober in dieser Zeitung im Artikel «Der Rote Platz soll grüner werden» über das Postulat der SP-Solothurn zu lesen war. Der Titel des Postulats macht auch gleich klar, was es von der Stadt geprüft haben will: Nämlich die «Umgestaltung und Aufwertung des ‹Roten Platzes› vor der Baloise Bank SoBa». Nötig sei dies, da der Platz unzeitgemäss ohne Schattenplatz und Sitzgelegenheiten sei, steht in der Begründung geschrieben.

«Der Rote Platz ist ideal für unsere schattenwerfende begrünte Seilstruktur», erklärt Rudolf Lehmann, Ingenieur und Mitglied der Geschäftsführung der Jakob AG, Trubschachen. Das Stichwort «Pergola» im Postulatstext hat ihn überzeugt, dass seine Firma den Platz schattiger und grüner gestalten kann. «Wir haben die Pergola nicht erfunden, unsere Stahlkonstruktionen sind aber im Prinzip Pergolas», sagt der Ingenieur.

Jakob AG

Er stellt sich vor, dass auf dem Roten Platz neben dem Amthausplatz neun Stahl Pfeiler zu stehen kommen, die mit einem feinen Stahlnetz verbunden sind. «Dies ist der gleiche Netztyp, welches wir auch bei einer Voliere in Singapur verwenden», erklärt Lehmann. Dadurch wirke das Dach leicht und es werde darunter nicht zu dunkel. Gleichzeitig sei es solid genug, dass es auch eine dicke Schneeschicht tragen könnte.

Roter Platz: Die Seitenansicht

(Bild: Jakob AG)

Unter dem Blätterdach soll ein Begegnungsraum entstehen

An den 10 Meter hohen Stahlkonstruktionen können diverse Kletterpflanzen wachsen. Deren Vorteil im Vergleich zu einem Baum sei, dass der Wurzelstock viel kleiner ist. Es könnten verschiedene Arten Kletterpflanzen gepflanzt werden, die an verschiedenen Jahreszeiten blühen. «An diesen Installationen ist es interessant zu beobachten, dass sie jeden Tag anders aussehen», schwärmt Lehmann.

Aber hier geht es nicht nur um die Ästhetik, sondern auch darum, die Temperaturen in einer Stadt zu senken. «Durch die Verdunstungskälte des Blätterdachs kann es im Schatten drei bis fünf Grad kühler sein als im Schatten eines Sonnenschirms», so Lehmann. Heute, wo die Städte immer heisser werden, solle man heisse Plätze vermeiden und aktiv kühlere Plätze gestalten.

So soll der Begegnungsraum aussehen.

So soll der Begegnungsraum aussehen.

Jakob AG

Unter dem kühlen Blätterdach kann so ein Begegnungsraum entstehen. Dort können mobile Teile aufgestellt werden, die an die Jahreszeit angepasst werden können. «Ich stelle mir eine Art Markthalle vor, wie sie in Frankreich gibt, wo das ganze Jahr verschieden Dinge los sind», sagt Lehmann.

Seines Erachtens sollte auch unbedingt ein Spielplatz errichtet werden. Als seine Kinder noch klein waren, hat es ihn stets geärgert, dass es wenig Schatten bei Spielplätzen gibt. «Da kam die ganze Familie immer mit einem roten Kopf nach Hause», meint er. Das soll nicht sein, besonders nicht heute, wo die Sommer immer heisser werden.

Stolpersteine sind schon bedacht

Schwere Stahlkonstruktionen auf den Platz zu stellen, ist schwierig, da sich unter dem Platz das Parkhaus Bieltor befindet. «Durch das gespannte Stahlnetz entsteht auch noch Zugkraft auf die Stahlkonstruktion», erklärt der Bauingenieur die zusätzliche Schwierigkeit. Er ist aber zuversichtlich, dass dies auf dem Platz machbar ist. Da er keine Einsicht in die Pläne hatte, konnte er das aber nicht abschliessend klären.

Die Kletterpflanzen, die auf dem Platz wachsen, müssen regelmässig gegossen werden. Das kann automatisch passieren: Ein Wassertank mit gespeichertem Regenwasser spendet automatisch Wasser, sobald ein Sensor im Wurzelstock das Signal gibt. Dennoch müssen die Pflanzen unterhalten werden, Lehmann erklärt, dass die ersten drei Jahren einigermassen aufwendig sind. Bei einer gewissen Grösse wachsen die Pflanzen dann innerhalb von fünf bis zehn Jahren bis zu 30 Meter. Mit der rostfreien Stahlkonstruktion soll es für 50 Jahre keine Probleme geben.

Roter Platz: Die Vogelperspektive

(Bild: Jakob AG)

Konkrete Pläne der Stadt vorgelegt

Lehmann und sein Team haben seit letzten Herbst diese Pläne erarbeitet, dies ohne Auftrag der Stadt. «Ich bin überzeugt, dass dies ein sinnvolles Projekt ist und es würde mich freuen, wenn die Jakob AG es umsetzen dürfte», erklärt Lehmann seine Motivation. Er wollte keinen Papiertiger produzieren und hat die Pläne deshalb dem Stadtpräsidium zugestellt.

Auf Anfrage erklärt die Leiterin des Stadtbauamtes, Andrea Lenggenhager, dass das Amt sich nicht zu Projektideen äussere. Für ein «Beurteilung wäre in einem offiziellen Studien- oder Wettbewerbsverfahren eine Fachjury (Städteplaner, Landschaftsarchitekten, Biologen) zuständig». Trotzdem bezweifelt sie, dass es dem Verfasser bewusst war, «in welchem städtebaulichen Kontext der Rote Platz steht und wie komplex sich die Aufgabenstellung darstellt». Weiter: «Wir gehen nicht davon aus, dass die Projekt-Idee von der Firma Jakob ein Ergebnis von Analysen und vertieften Abklärungen darstellt.»

Ausserdem seien Projekte in diesem Ausmass an das Submissionsrecht gebunden. «Dies bedeutet, dass wir ein Studien- oder ein Wettbewerbsverfahren (qualitatives Verfahren unter Konkurrenz) durchführen müssen. In ein Umgestaltungsprojekt ist auch die Baloise Bank SoBa miteinzubeziehen, da diese die heutige Gestaltung mit 30 Prozent mitfinanziert haben», erinnert Lenggenhager.

Ein Blick auf den Finanzplan der Stadt Solothurn zeige auch, dass die Prioritäten in den nächsten vier Jahren bei anderen Projekten liegen würden. «Das Projekt kann ohne klare Prioritätensetzung der Politik nicht zeitnah realisiert werden», meint Andrea Lenggenhager.

Wer ist die Jakob Rope System AG?

Ein Projekt mit Weltruf

Die Firma aus Trubschachen im Emmental beschäftigt insgesamt 700 Mitarbeitende auf der ganzen Welt. Das erste grosse Projekt, das sie in der Schweiz realisiert haben, war der 2002 eröffnete MFO-Park in Oerlikon auf dem Gelände der ehemaligen Maschinenfabrik Oerlikon. Geplant wurde der Park von den büros raderschallpartner ag und Burckhardt + Partner Architekten. Die Jakob AG hat das Rankgerüst entwickelt, die Seilstruktur mit den Endverbindungen und Klemmen, sowie die dazugehörende Montagetechnik. Das Stahlgerüst ist 100 m lang, 35 m breit und 17 m hoch – das sind die Dimensionen der ehemaligen Fabrikhalle. Das Gerüst wird von rankenden Pflanzen umgeben. Heute realisiert die Seilerei Projekte zur Begrünung von Fassaden, Zoo Gehege und Volieren oder vertikale Stadtgärten weltweit.

Der MFO-Park in Oerlikon.

Der MFO-Park in Oerlikon.

Jakob AG