Stadtbummel
Der Sultan hat sein Säbel verloren, Solothurn die Wälchli-Wurst

Fabio Vonarburg
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Die Figuren stehen mit leeren Händen da.

Die Figuren stehen mit leeren Händen da.

zvg / Kapo Solothurn

Was haben ein Säbel und eine Wurst gemeinsam? Was nach dem Anfang eines Witzes klingt, ist jener einer Tragödie. Respektive dessen zwei.

Der Sultan, dessen Säbel aus seiner Hand geklaut wurde und bereut, dass er der Gerechtigkeit den Rücken gekehrt hat. Und der Wurstkönig, der seinen Laden Ende August schliesst und damit das Schicksal der Stadt Solothurn als Metzgerei-Wüste besiegelt.

Und damit wäre die Frage aufgelöst: Der Säbel wie die Wurst waren zuletzt Stadtgespräch Nummer eins.

Doch blicken wir noch tiefer in die Tragödien. Beginnen wir bei dem, das zwei Anfänge hat, bei der Wurst. Der Wälchli-Wurst, um konkret zu werden.

Dorfcharakter habe Solothurn, schwärmte ich vor einigen Monaten in einem Stadtbummel, sprach von Solodorf. Ab September ist es etwas weniger dörflich in Solothurn. Undiskutabel scheint es, dass ein wahres Dorf eine Bäckerei, eine Chäsi und eine Metzg haben muss.

Bäckereien haben wir noch genug, auch wenn die glücklichste zu machen musste. Im Februar zog sich der Happy Beck zurück. Zweiteres ist mit der Stadt-Chäsi auch sichergestellt. Nur die Stadtmetzg sucht man künftig vergeblich. Also doch kein Solodorf? Entwickeln wir uns zur Metropole? Mit Casino und so weiter?

Zumindest einer Metropole würdigen Kunstraub gibt es bereits. Ein vergoldeter Säbel und ein vergoldetes Zepter wurden gestohlen. Und dann erst noch vom Gerechtigkeitsbrunnen. Man wähnt sich in einem Film, fragt sich, ob es etwa Meisterdieb Arsen Lupin war, der hier zuschlug? Wie im Louvre? Vermutlich war es aber eher ein Narr.

Damit meine ich kein fasnächtlicher. Denn die sind entlastet. Dank der Polizei, die den Zeitpunkt des Diebstahls auf 11 Tage – wie könnte es anders sein – eingrenzen konnte. Irgendwann zwischen dem 1. und 11. April wurden der Schultheiss und der türkische Sultan beraubt, die offenbar nicht selber auf die Idee kamen, die Polizei zu rufen. Die Fasnacht war also am Tatzeitpunkt längst vorbei.

Was ich stattdessen mit Narr meine: Offensichtlich ist jemand unreif, ja töricht, der vier Meter auf einen Brunnen klettert, und ein Kulturdenkmal beschädigt. Aber vielleicht kommt sie oder er zur Vernunft – und wiederholt die Torheit.

Steigt vier Meter in die Höhe, um neben der Justitia auf die Stadt zu blicken und danach dem Schultheiss und dem Sultan ihr Eigentum zurückzugeben. «Der Gerechtigkeit ist Genüge getan», wird die Person der Justitia vor dem Runtersteigen noch ins Ohr flüstern. So stelle ich es mir jedenfalls vor.

Und dann, einige Tage später, kommt die Polizeimeldung. «Zwischen dem 25. April und dem 5. Mai 2022 wurden die Objekte zurückgegeben.» Zuletzt sei der türkische Sultan am 25. April ohne seinen Säbel gesehen worden.

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