Stadtbummel
Post-traumatische Abgründe

Urs Mathys
Urs Mathys
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So schön sah das Postgebäude beim Postplatz aus, bis es 1975 abgerissen wurde.

So schön sah das Postgebäude beim Postplatz aus, bis es 1975 abgerissen wurde.

zvg / Bibliothek Solothurn

Die Geschichte hat in Solothurn viele Spuren hinterlassen. Auch jene der Post. Solothurnerinnen und Solothurner älteren Semesters erinnern sich mit Wehmut an die prächtige alte Hauptpost, von der heute bloss noch die Bezeichnung «Postplatz» zeugt. Der Beton- und Stahlklotz, der nun dort steht, ist ein schlechter Ersatz. Zumindest in den ersten Jahrzehnten vereinte er aber immerhin noch sämtliche Dienstleistungen des Gelben Riesen unter einem Dach – vom Brief- und Paketschalter über die Postfachanlage und den Geldautomaten bis zum längst abgespalteten Bereich Telefonie/Telegrafie.

Inzwischen ging in Solothurn die Post nur insofern ab, als Poststellen zugingen. Zuletzt jene beim Hauptbahnhof und am Chronestutz. Und die Hauptpost? An deren «Zwischenstation» im ehemaligen «Loeb»-Gebäude beim Westbahnhof erinnert heute nur noch der dort buchstäblich zurückgebliebene Postomat. Wer aber einen Brief aufgeben oder das Postfach leeren will, der oder die muss längst ein paar Häuser weiter gehen, an die Wengistrasse. Aber bitte ins richtige Gebäude: In die Nr. 26, wenn’s um Briefpost, in die Nr. 29, wenn’s ums Postfach geht.

Die Briefpoststelle ist auch für Ortsunkundige ganz einfach zu finden: Dank der seit der Coronapandemie noch längeren Kundenschlangen, die oft weit bis aufs Trottoir hinausreichen. Wer dann weiter zur Postfachanlage, im Haus schräg vis-à-vis, gelangen will, dem wird seit Wochen und Monaten ein regelrechter Abenteuerparcours geboten: über die aufgerissene Wengistrasse, zwischen Baumaschinen, Abschrankungen und den im Einbahnverfahren rollenden Verkehr hindurch – und das alles gebührenfrei!

Doch kehren wir nach all diesen post-traumatischen Abgründen wieder zurück dorthin, wo unser Stadtbummel angefangen hat: zum Postplatz. Der zeigt sich immer noch gähnend leer – und hässlich. Zumindest dafür kann die Post nichts. «Belebt» wird der Platz aktuell einzig von den BSU-Bussen und jenen Autos, die ihn der Aare entlang weiterhin überqueren: die einen, weil sie es dürfen und es fahrplantechnisch zwingend ist – die anderen, obwohl es verboten ist.

Stellt sich die Frage, ob man es nicht besser dabei belassen und aus dem Postplatz wieder einen Parkplatz machen sollte. Quasi als «Ersatz» für die Parkplätze, die nun (endlich) auf dem Klosterplatz eliminiert werden sollen. Dafür spricht zweierlei: Den Klosterplatz muss man nicht erst noch mit viel Aufwand künstlich attraktiver machen – und auf dem Postplatz könnte dann wenigstens verkehrsmässig wieder so richtig die Post abgehen.