Stadtbummel
Wann beginnt aus solothurnischer Sicht der Frühling?

Wer mit offenen Augen durch die Stadt läuft, der merkt, wann der Frühling begonnen hat. Der ganz persönliche Kriterienkatalog.

Fabio Vonarburg
Fabio Vonarburg
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Stadtbummel Frühling: Krokusse bei der Berufsschule.

Stadtbummel Frühling: Krokusse bei der Berufsschule.

Hanspeter Bärtschi

Wann beginnt der Frühling? Eine Frage, unterschiedliche Antworten. Aus meteorologischer Sicht hat dieser bereits begonnen, und zwar am 1. März, wie jedes Jahr. Aus astronomischer Sicht beginnt dieser am 21. März, somit an jenem Datum, an dem der Tag und die Nacht genau gleich lang sind. Die Christen wiederum haben den Frühlingsbeginn im Jahr 325 auf den 21. März fixiert, dies im Rahmen der Festlegung des Osterdatums.

Die Phänologie verfolgt einen anderen Ansatz – sie befasst sich mit den periodisch wiederkehrenden Entwicklungserscheinungen in der Natur und legt den Beginn der jeweiligen Jahreszeit danach fest. Beispiel: Der sogenannte Vorfrühling startet dann, wenn die Schneeglöckchen und der Hasel zu blühen beginnen, und endet, sobald die Salweidenkätzchen pollengelb sind.

Das bringt mich auf folgende Frage: Wann beginnt aus solothurnischer Sicht der Frühling? Mein Vorschlag: Wenn mindestens fünf der folgenden Erscheinungen zutreffen:

  • Die Narrenzeit ist vorbei. Ist doch klar, bevor die Fasnacht vorüber ist, kann der Frühling gar nicht beginnen. Anders wäre dies gar nicht möglich, da es die Narren sind, die den Winter austreiben. Wohlbekannt unter dem Begriff Narrenkausalität.
  • Am Stalden werden wieder Glaces verkauft – zur Freude der Kinder. Und es bilden sich dementsprechend lange Schlangen (zu Coronazeiten noch etwas längere).
  • Was raschelt dort oben im Geäst? Ach so, die Bäume werden wieder zugeschnitten.
  • Das Aaremürli ist der Treffpunkt schlechthin in der Stadt. Zu Coronazeiten sieht man zudem Polizisten, die die Passanten mahnen, die Abstände einzuhalten.
  • Das Skigebiet auf der Treppe der St.Ursen-Kathedrale ist wieder geschlossen. Kein Witz, dort wurde dieses Jahr Ski gefahren. Doch jetzt wird dort wieder gelernt, gequatscht und einen Take-away-Kaffee genossen. 
  • Beim Marronihäuschen werden keine Marroni mehr verkauft. 
  • Sie sind zurück! Die Störche, die sich so gerne auf dem Fegetz-Kamin und jenen des Konzertsaals niederlassen.
  • Statt lange Wintermäntel trifft man in der Stadt die Ersten an, die im T-Shirt «sünnele». Oder in kurzen Hosen über die Fussgängerbrücke laufen – wenn es windet, ist dies der sibirisch anmutende Hotspot der Stadt.
  • Statt grau wieder wow – die Farbenpracht in der Stadt nimmt zu. Blumen beginnen zu blühen, wie etwa die Krokusse beim Schulhaus der Berufsschule.
  • Das erste Cabriolet mit offenem Dach düst an einem vorbei.
  • Draussen vor der Suteria an der Hauptgasse sitzen mehr Leute als drinnen. Ein Kriterium, das derzeit leider wegen der Pandemie noch wegfällt.
  • Beim Einkaufen trifft man ihn wieder und möchte ihn am liebsten sofort essen. Jetzt und nicht erst in Wochen. Der Schoggi-Osterhase.

Somit halte ich fest: Liebe Leute von Soly, wir haben Frühling!