Fasnacht Solothurn
«Wollen in dieser humorlosen Zeit für Spass sorgen»: Einige Schnitzelbänke planen coronakonforme Anlässe

Einige Solothurner Schnitzelbänke wollen nicht ganz auf die Fasnacht verzichten. Jetzt werden coronataugliche Alternativen erarbeitet.

Judith Frei
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Als noch alles in Ordnung war: Die Schüufrohrsänger beim Höfli-Singen im Februar.

Als noch alles in Ordnung war: Die Schüufrohrsänger beim Höfli-Singen im Februar.

Hansjörg Sahli (21. Februar 2020

«Die Fasnacht wird nicht organisiert, die Fasnacht bricht aus», so oder ähnlich wird über die fünfte Jahreszeit in Solothurn gesprochen. Doch in diesem Jahr haben sich die Umstände geändert. Das Zusammenkommen in Gruppen soll bedacht sein, um eine Verbreitung des Virus zu verhindern.

Die grossen Solothurner Umzüge wurden schon abgesagt, die Vereinigte Fasnachtsgesellschaft Solothurn UNO hat sich ein spezielles Rahmenprogramm ausgedacht: Fart 2021. Statt mit dekorierten Wagen durch die Strassen zu rollen, sollen die aktiven Fasnachtsgruppierungen die Möglichkeit haben, auf verschiedenen Plätzen in der Stadt ein Kunstwerk zu installieren – so wie das schon Künstler für die Ausstellung Zart dieses Jahr gemacht haben. Zudem sollen die Schaufenster der Solothurner Geschäfte dekoriert werden.

Möglichkeiten für Programm trotz Pandemie

Und was machen eigentlich die Schnitzelbänke? «Wir wollen in dieser humorlosen Zeit für etwas Spass sorgen», sagt Stefan Liechti von der Schnitzelbank Stedtlischiiisser. Er ist nicht der einzige Bänkler, der das gedacht hat und so wurden alle Schnitzelbanken zu einem Treffen eingeladen, um die kommende Fasnacht zu besprechen. Gekommen sind viele, nicht physisch, sondern an die Online-Besprechung. Es sollte besprochen werden, ob es eine Möglichkeit gibt, trotz Pandemie ein Programm auf die Beine zu stellen.

«Wir wollen trotz den widrigen Umständen versuchen, dass auch dieses Jahr ein wenig Fasnachtsfeeling aufkommt», erklärt Liechti seine Beweggründe. Dazu brauche es nicht unbedingt vollgestopfte Räume – das sei in Zeiten von Corona verantwortungslos. Aber einige Schnitzelbänkler sind überzeugt, dass es besser sei, etwas Kleines als gar nichts zu machen.

Einige Schnitzelbänke setzen nächstes Jahr aus

Diese Ansicht teilen nicht alle. Für einige Bänke ist jetzt schon klar, dass sie nächste Fasnacht aussetzen werden. So beispielsweise die Füuzlüüs. Sie vermelden, «dass auch einmal auf die ganze Fasnacht verzichtet werden kann». Ersatzmassnahmen seien möglich, aber nicht zwingend notwendig, schreiben sie weiter.

Auch die Gröögle und der Chor La Vocceria, werden nächstes Jahr keine Aufführung machen. Für La Vocceria stellen schon die Vorbereitungen ein Problem dar, da sie nicht unter normalen Bedingungen proben können. Daher haben sie beschlossen zu pausieren und keine Auftritte im Februar zu machen. Ganz auf Fasnacht verzichten möchten sie aber trotzdem nicht: Sie werden im Rahmen der Fart 2021 ein Schaufenster dekorieren.

Nur wenige haben schon definitiv zugesagt

Bislang ist es nur für die Stedtlischiiiser, den Ambassadore Bäse und die letztjährigen Newcomer Guerilla Tequila klar, dass sie etwas für nächsten Februar planen. Das heisst aber nicht, dass sie die Einzigen sein werden, die etwas machen werden. «Beim Treffen war gut zu spüren, dass sich auch die Schüufrohrsänger und die ­Näbuspalter begeistern lassen. Zudem haben sich die Elisi sehr engagiert in die Diskussion eingebracht», meint Liechti hoffnungsvoll.

Sobald ein Konzept ausgearbeitet sei, werden sie alle Schnitzbänke nochmals anschreiben, bis dann können sich diese noch entscheiden.

Was für Varianten werden besprochen?

Wegen der unsicheren Ausgangslage plane man momentan verschiedene Varianten: Machen es Mitte Februar die Rahmenbedingungen möglich, wolle man natürlich live auftreten. Deshalb werden die Schnitzelbänke in nächster Zeit die traditionellen Fasnachtsbeizen anfragen, ob ein Auftritt bei ihnen möglich sei. «Wir wollen keine definitive Zusage, sondern mehr eine Absichtserklärung», sagt Liechti.

Nicht nur die Möglichkeit Auftritte vor Publikum zu machen wird jetzt abgeklärt. Auch digitale Varianten werden bedacht. «Wir könnten beispielsweise mittels QR-Codes unser Programm mit einem ­Video zeigen», erklärt Liechti. Dieser Code könnte bei den dekorierten Schaufenstern oder bei den Kunstwerken angebracht werden. Mit der Handy-Kamera kann der Code gescannt werden und ein Video mit aktuellem Material der Bänke wird gezeigt.

Doch ist das dann überhaupt noch eine Fasnacht? «Das ist die Gretchenfrage», sagt Liechti. Natürlich sei die Fasnacht so nicht vergleichbar mit jener anderer Jahre, doch der Gedanke nichts zu machen, sei schwieriger zu ertragen, als bei einer coronakonformen Fasnacht Kompromisse einzugehen.

Diese Fasnachtszeitungen können Sie 2021 lesen

«Gott zum Gruss. Ich und meine tapferen Historicusen frohlocken Ihnen die frohe Kunde zu überbringen, dass an der kommenden fünften Jahreszeit dr’Hudibras trotzt der Pestilentia auf dem Markte erworben werden kann», verkündet die Fasnachtszunft Hudibras Chutzen, nicht per Brieftaube, was der Tonfall vermuten liesse, sondern per E-Mail.

Gute Nachrichten kommen auch vom Postheiri. Die Redaktion beabsichtigt nächstes Jahr, eine Ausgabe zu veröffentlichen. Gleichzeitig wird er im 2021 sein 100-jähriges Bestehen feiern.

Ob die Schreibergilden von 11 Minuten oder vom Amzblatt auch eine Ausgabe drucken werden, ist derzeit noch nicht bekannt. (jfr)