Oensingen

Der Streit um die Ausbaupläne der Bell legt sich allmählich

Der VCS macht weiter Druck und fordert Oensingen und die Bell AG auf, das Parkhaus weiter zu verkleinern.

Yann Schlegel
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Die oberirdischen Parkplätze der Bell beanspruchen heute viel Land in der Industrie. (Archiv)

Die oberirdischen Parkplätze der Bell beanspruchen heute viel Land in der Industrie. (Archiv)

Bruno Kissling

Viel Arbeitsplätze bedeuten auch Mehrverkehr. Bis zu 1300 Angestellte sollen dereinst bei der Fleischverarbeiterin Bell in Oensingens Industrie tätig sein. Seit die Coop-Tochter ihre Ausbaupläne präsentierte, steht die Frage im Zentrum: Wie kommen die Menschen zur Arbeit. «Ich glaube, die Verkehrsthematik brennt den Menschen unter den Nägeln», sagt auch Gemeindepräsident Fabian Gloor.
Die kantonale Sektion des Verkehrsclubs der Schweiz (VCS) kämpft seit der ersten Stunde darum, dass Bell und die Gemeinde möglichst den Fuss- und Veloverkehr in ihrem Projekt fördern.

Primär lehnte sich der VCS gegen das grossdimensionierte Parkhaus auf, das kommen soll. Einen Teilerfolg konnte er in einem ersten Schritt verbuchen, als Bell die Parkplatzzahl von ursprünglich 1700 auf 1200 reduzierte. Für den VCS war dies noch nicht genug, wie aus dem neusten Mitwirkungsbericht hervorgeht. Wie VCS-Präsident Fabian Müller gegenüber dieser Zeitung angekündigt hatte, schrieb der Verkehrsclub in der Mitwirkung, er erwarte eine markante Reduktion der vorgesehenen Parkplatzzahl.

Gemeinde verspricht sich weniger Landverschleiss

«Wenn das Parkplatzangebot von Vornherein geschaffen wird, wirken die Massnahmen zur Förderung des Langsamverkehrs wenig», argumentiert der VCS. Und er folgert: Bell strebe nicht an, den Anteil von 80 Prozent Mitarbeitenden, die per motorisiertem Individualverkehr anreisen, zu ändern, sondern diesen zu halten. Die Gemeinde entgegnet in ihrer Stellungnahme, der VCS erkenne die tatsächliche Situation nicht. Bell sei darauf angewiesen, dass die Mitarbeitenden den Arbeitsplatz im Schichtbetrieb erreichen könnten. «Es macht aus baulichen Gründen keinen Sinn, zunächst ein kleineres Parkhaus zu bauen und dann bei Bedarf zusätzliche Plätze zu erstellen», sagt Fabian Gloor auf Anfrage. Zudem werde die Gemeinde für die Baubewilligung einen Nachweis zum Parkplatzbedarf verlangen.

Am Montag fand eine Aussprache der beiden Parteien statt. Dabei versicherte Gemeindepräsident Gloor gegenüber Heinz Flück als Vertreter des VCS, die Gemeinde werde über die Nutzung der rund 200 Parkplätze bestimmen, die Bell über den Eigenbedarf hinaus erstellen will. «Das finde ich beruhigend», sagt Flück. Der VCS hoffe, dass es somit keine zusätzliche Sogwirkung auf den motorisierten Individualverkehr gebe. «Wenn wir Drittmieter im gleichen Parkhaus zentralisieren können, haben wir weniger Landverschleiss, da wir oberirdische Parkplätze verlagern», sagt Gloor. Um den öffentlichen Verkehr attraktiver gestalten zu können, erhofft sich der VCS zudem, dass Bell eine Parkgebühr erhebt. «Schichtarbeiter können nicht beliebig mit dem ÖV kommen, das ist uns bewusst», sagt Flück. Der VCS werde auf jeden Fall weiterhin genau hinschauen.

Einigkeit, was die Veloabstellplätze betrifft

Unzufrieden war der VCS auch über die vorgesehene etappierte Erstellung der insgesamt 300 Abstellplätze für Zweiräder. In diesem Punkt gab die Gemeinde dem Verkehrsclub nun auch recht. Sie verpflichtet Bell dazu, 100 Abstellplätze am Bahnhof Oensingen Süd und 200 Abstellplätze auf dem Areal zu erstellen. Eine Massnahme, die den öffentlichen Verkehr und konkret den Bahnhof Oensingen als Anschlusspunkt aufwerten soll.

Ergänzend forderte der VCS, die Gemeinde solle eine direkte Fussverbindung zum Bahnhof schaffen. Diese läge jedoch ausserhalb des Gestaltungsperimeters. Dennoch habe die Gemeinde zugesichert, sie sei bestrebt, die Verbindung voranzutreiben. «Wir glauben ihr, denn es ist auch in ihrem Interesse», sagt Flück.