Oensingen

Die Ravellenfluh als Gefahr: Wenn verjüngt, soll der Wald vor Steinschlag schützen

Der Wald unterhalb der Ravellenfluh in Oensingen wird verjüngt und soll so Steinschläge verhindern, die bis in die Siedlungen gelangen.

Patrik Lützelschwab
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Die imposante Ravellenfluh thront über der bis an die Flanken hingewachsenen Gemeinde.

Die imposante Ravellenfluh thront über der bis an die Flanken hingewachsenen Gemeinde.

Bruno Kissling

In den vergangenen elf Jahren wurde im Gebiet unterhalb der Ravellenfluh in Oensingen festgestellt, dass das Siedlungsgebiet durch Steinschlag gefährdet ist. Um die Gemeinde auch in Zukunft zu schützen, wurde ein Schutzwald-Projekt ausgearbeitet. Dieses umfasst den Wald am Fuss der Ravellenfluh.

Schutzwälder werden schweizweit bewirtschaftet, um Naturgefahren wie Lawinen, Erosion oder Steinschläge zu verhindern oder abzubremsen. «In der Schweiz ist die bebaubare Fläche begrenzt», schreibt Joshua Huber. Der 22-jährige Thaler ist erst seit kurzem Kreisförster beim Amt für Wald, Jagd und Fischerei (AWJF) des Forstkreises Thal-Gäu. «Dadurch wurden vor allem in Vergangenheit viele Gebiete mit Strassen und Gebäuden erschlossen, welche durch natürliche Prozesse gefährdet werden», so Huber.

Mit baulichen Massnahmen wie Steinschlagschutznetzen, Dämmen oder Felsreinigungen können betroffene Gebiete zwar sicherer gemacht werden, doch sie sind auch sehr kostenintensiv. Deshalb wurden in einem schweizweiten Rahmen sogenannte Schutzwälder ins Leben gerufen. «In diesem Fall wirken die Bäume zwischen der Felswand und dem Siedlungsgebiet wie Prallböcke. Sie verringern also die Wahrscheinlichkeit, dass grössere Steine bis nach unten gelangen», erklärt der Kreisförster.

Der Wald am Fuss der Ravellenfluh wurde in den letzten Jahrzehnten kaum gepflegt, und besitzt daher über eine sehr geringe Schutzwirkung, wie Huber sagt. Dies zeigte sich unter anderem 2005, als mehrere Steine ihren Weg bis zu den Häusern fanden. «Deshalb ist momentan ein Schutzwaldprojekt in Planung, für welches der Wald unterhalb der Ravellen aufgelichtet werden soll, um jungen Bäumen Platz zu schaffen», so Huber. Ganz ohne Schutzbauten geht es dann aber doch nicht. Weil die Distanz zwischen den Felswänden und den Infrastrukturen sehr kurz ist, sollen Schutznetze den Wald an diesen Stellen zusätzlich unterstützen. Obwohl der Perimeter der Schutzzone gut neun Hektaren umfasst, beschränken sich die Massnahmen auf den unteren Bereich Nahe der Siedlung.

Schutzwälder befinden sich rundum Oensingen

Gegliedert ist das Projekt in drei Etappen. «In allen drei Etappen werden Bäume gefällt. Dadurch wird mehr Platz für die Jungbäume geschaffen, welche in Zukunft die Schutzfunktion erfüllen werden», schildert der Kreisförster. Ausserdem wird ein Teil der Bäume quer zum Hang gefällt und liegengelassen, um einige Steine auf dem Weg nach unten zu stoppen.

Der Schutzwald «Ravellen» ist einer von 13 Schutzwäldern rund um Oensingen, deren totale Fläche ungefähr 50 Hektaren beträgt, was umgerechnet 70 Fussballfeldern entspricht. «Mit der Revision des Eidgenössischen Waldgesetzes im Jahre 1991 wurden die Kantone dazu verpflichtet Schutzwälder auszuscheiden. Dies erfolgte dann Mitte der 2000er-Jahre», so Huber. Im Kanton konnten bereits viele Erfahrungen gesammelt werden, wie Schutzwälder kosteneffizient gepflegt werden können. Dennoch stellt sich die Frage nach den Kosten eines Schutzwaldes wie jenem unterhalb der Ravellenfluh. «Es muss zwischen dem Schutzwaldprojekt und dem Schutzbautenprojekt unterschieden werden. Für die Behandlung des Schutzwaldes im Rahmen des Projekts wird mit Kosten von zirka 73'000 Franken gerechnet», so Huber.

Der Kanton übernimmt dabei knapp 59'000 Franken der Projektkosten, was 80 Prozent entspricht. Die Gemeinde Oensingen hat Restkosten von 14'000 Franken zu tragen. Noch nicht bekannt sind die Kosten des Schutzbautenprojekts, da diese vorher noch in einem Vorprojekt ermittelt werden müssen. Aber auch hier soll der Kanton 80 Prozent der Kosten übernehmen. Die Projektherrschaft obliegt dem Forstbetrieb der Bürgergemeinde, die auch Waldeigentümerin ist.

Ein Teil der Arbeiten wurde bereits Anfang April ausgeführt. Weitere Teile des Schutzwaldprojekts sollen im Herbst oder Winter behandelt werden. Der letzte Teil der Schutzwaldeingriffe hängt laut Huber stark vom Ergebnis des Schutzbauten-Vorprojekts ab. Gemeinde als auch Anwohner stehen hinter dem Projekt.