Historisch

Ein Jahrbuch voller Guldentaler Originale: Eine Geschichte ist der 100-jährigen «Bammert’s Trudi» gewidmet

Der Historische Verein Guldental legt das zweite «Guldentaler Geschichten»-Buch vor. Eine Geschichte ist «Bammert’s Trudi» gewidmet.

Fränzi Zwahlen-Saner
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«Bammert's Trudi», die 100jährige Gertrud Häfeli erzählt im neuen Guldentaler Geschichte-Buch aus ihrem Leben.

«Bammert's Trudi», die 100jährige Gertrud Häfeli erzählt im neuen Guldentaler Geschichte-Buch aus ihrem Leben.

Solothurner Zeitung

Acht unterschiedliche Autoren und drei Gastautoren zeichnen verantwortlich für die 14 Texte, die im zweiten «Guldentaler Geschichen»-Buch nachzulesen sind. Nach den «Guldentaler Kalender», die einige Jahre erfolgreich publiziert wurden, hat der Historische Verein Guldental sich im vergangenen Jahr einem neuen Publikationskonzept verschrieben und ist jetzt mit den «Guldentaler Geschichten» erfolgreich. So erfolgreich, dass von der ersten Ausgabe im letzten Jahr ein Nachdruck in Druck gegangen sei, schreiben die Verantwortlichen im Vorwort des neuen Buches.

Die 14 Texte behandeln wiederum eine grosse Bandbreite von Geschichten aus dem Dorf und von den Bewohnern. Da geht es um die Entwicklung der Hinteren Gasse in den vergangenen Jahren, um interessante Mümliswiler Sportlerpersönlichkeiten wie den Skispringer Hans Schmid oder die Turner Hermann Hänggi und Franz und Josef Walter. Oder um ganze Familiendynastien wie die Scacchi und wie sie in Mümliswil heimisch geworden sind. Der erst vor wenigen Wochen verstorbene Scacchi-Sepp ist beim Kochen von Mümliswiler Gerichten mit seinen Urenkeln zu sehen und ein Beitrag aus der Jetztzeit behandelt das Thema Coronamassnahmen im Dorf.

Grosseltern hatten 14, Eltern 11 Kinder

Einen schönen und sehr lebendigen Einblick ins Dorfleben gibt die 100-jährige Gertrud Häfeli, die bei einem Gespräch mit Mitgliedern des Historischen Vereins aus ihrem Leben erzählt. «Mein Grossvater war Posamenter und Schuhmacher», berichtet sie und da es im Dorf mehrere Familien Haefely, Haefeli und Häfeli gibt, nannte man diese Familie «s’Wolfe», nach Grossvaters Vornamen Wolfgang. Fünf Brüder ihres Vaters wanderten zwischen 1883 und 1900 nach Amerika aus.

Ihr Vater Titus, der jüngste der Familie, heiratete 1905 eine Bauerntochter aus dem Ramiswil und arbeitete nach einem Ausbildungskurs – fortan als Bannwart. Ab da änderte sich der Dorfname wieder und die Familie – ebenfalls mit 11 Kindern reich bestückt – wurde «s’Bammerts» genannt. «S’ Trudi», 1920 geboren, war die drittjüngste der Kinderschar und wuchs im elterlichen Bauernhaus, in der Hinteren Gasse auf. Sie erinnert sich: «Wir hatten nur eine Kuh im Stall. Mein Vater arbeitete zunächst auch noch als Posamenter, bis er dann aber Bannwart wurde und nebenbei auch noch die Agentur der Basler Versicherung führte.»

Die Dorfpolitik, der Kampf zwischen den Freisinnigen und den «Schwarzen» sorgte damals oft für rote Köpfe. Umso mehr der damalige Dorfpfarrer, der konservative Pfarrer Mäder, von der Kanzel herab die Freisinnigen verteufelte. Trudis Vater war stramm freisinnig und vertrat seine Meinung bei einem Disput in einem Wirtshaus so heftig, dass er mittels Glaswurf am Kopf schwer verletzt wurde, sodass er zehn Tage später starb.

Gertrud Häfeli arbeitete später als Näherin in der Kleiderfabrik Obrecht, zuerst in Mümliswil und ab 1962 in Balsthal. 1982 wurde sie pensioniert. Sie war eine Gründerin des Damenturn- und des Trachtenvereins Mümliswil.

Hinweis:

Das «Guldentaler Geschichten»-Buch ist ab 23. November im Handel erhältlich.