Palmsonntag

Für die Palme gibts wegen Coronavirus dieses Jahr keinen Segen der Kirche

Die Abstandsregeln des Bundesamts für Gesundheit verändern das traditionelle Palmenbinden im Gäu.

Fränzi Zwahlen-Saner
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«Das Zusammen Palmen binden ist dieses Jahr abgesagt», ist dem Kirchenblatt fürs Buchsgau unter der Gemeinde Niederbuchsiten zu lesen. Wer sich aber Hilfe und Tipps für seine Palme holen möchte, solle sich bei Edi Zeltner melden, heisst es weiter. Diesem Aufruf folgten wir und wollten wissen, ob denn Zeltner trotz Corona-Krise selber eine der für das Gäu so typischen Palmen bindet.

«Natürlich!», sagt er am Telefon. Er binde auf jeden Fall eine grosse Palme, welche man vor das Haus stelle und kleinere Büsche für seine Familienmitglieder. So, wie er das jedes Jahr mache. Und er habe auch nichts dagegen, wenn man ihn bei dieser Tätigkeit zusehen würde - mit zwei Meter Abstand, selbstverständlich.

Eine Gäuer Tradition im Auf und Ab

Edi Zeltner und seine Frau Rösly sind am frühen Freitagnachmittag schon heftig an der Arbeit. «Die verschiedenen sieben Baum und Straucharten haben wir vor zwei, drei Tagen im Wald geholt», erklärt Rösly Zeltner. «Sie sollen noch frisch verarbeitet werden.»

Edi Zeltner holt die gut vier Meter lange Metallstange, die zur Palme wird, jedes Jahr wieder hervor. «Früher hatte ich noch eine Holzstange; in der Regel waren das Tannenstämme. Doch einmal brach mir die Stange nach dem Schmücken entzwei. Seither verwende ich Stangen aus Metall.» Darin sind an den richtigen Stellen auch schon Drähte eingezogen. «Das Palmenbinden scheint eine Gäuer Tradition zu sein», sagt Zeltner. In Härkingen, Nieder- und Oberbuchsiten, in Neuendorf und Kestenholz ist sie am meisten verbreitet.

Er selbst habe den Brauch von seinem Grossvater übernommen. «Der wusste noch, wie es geht und anhand eines alten Fotos aus dem Jahr 1939 habe er die Art weiterentwickelt. «Der Brauch war etwas vergessen, aber so um 1968 haben wir wieder damit begonnen», erzählt Zeltner. «Vor einigen Jahren habe ich auch einen Kurs dafür gegeben und da haben einige - vor allem Frauen - mitgemacht, die heute noch Palmen binden. Es gab also etwas wie eine Renaissance der Tradition.

In die Gäuer Palme kommen die sieben Baum- und Straucharten: Weisstanne, Rottanne, Buchs, Föhre, Wachholder, Eibe, Stechpalme. Wer will, nimmt noch Weidenruten dazu. «Diese Sträucher platzieren wir in zwei runden Büschen verteilt an der Stange. Den Abschluss oben macht die Form eines Kreuzes vorwiegend aus Buchs. Zwischen den grünen Büschen werden Orangen, Äpfel und Eier an Metalldrähten aufgefädelt und in halbrunden Kreisen an der Stange festgemacht. «Früher gab es sicher noch keine Orangen», sagt Zeltner. «Man verwendete verschieden farbige Äpfel. Doch heute nehmen wir, aufgrund ihrer Farbe, sehr gerne Orangen.» Auch bei den Eiern habe eine Änderung im Gegensatz zu früher gegeben. «Wir haben zunächst ausgeblasene Eier verwendet; das war jeweils eine heikle Geschichte. Heute gibt es zum Glück Eier aus Plastik.»

Bei Edi und Rösly Zeltner sitzt jeder Handgriff, wenn die beiden ihre Palme binden. Am Schluss werden noch weisse und rote Schleifen zur Verzierung gebunden. Soweit läuft alles so ab, wie alle anderen Jahre auch; ausser dass man kein gemeinschaftliche Palmenbinden durchführt.

Was jedoch dieses Jahr nicht möglich ist, ist das gemeinschaftliche Segnen der Palmen während des Gottesdienstes am Sonntag in der Kirche. «Es wird nur ein Palme, und zwar ohne Publikum in der Kirche gesegnet. Diejenige, die dann vor der Kirche steht», so Zeltner. «Für alle anderen Palmen können ihre Besitzer in der Kirche Weihwasser holen und die Palmen dann zu Hause selbst segnen.»