Holderbank

Missverständnis macht ein grosses Ärgernis noch grösser

Die Tiefmattstrasse gleicht einem Bachbett. Das bleibt vorläufig auch so, denn der Posten für die Sanierung wurde schon im Anfang Jahr gestrichen. Der Entscheid beruhte aber auf einem Missverständnis.

Alois Winiger
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Raddeckel verloren auf der Tiefmattstrasse: Eine Folge des schlechten Strassenzustandes? H

Raddeckel verloren auf der Tiefmattstrasse: Eine Folge des schlechten Strassenzustandes? H

HR Aeschbacher

Dabei hatten es die Frauen und Männer aus Holderbank nur gut gemeint: Um zu sparen, hatten sie an der Gemeindeversammlung vom vergangenen Februar 103 000 Franken aus dem Budget gestrichen, die für die lang ersehnte Sanierung der Tiefmattstrasse vorgesehen waren.

Ein Missverständnis, wie sich im Nachhinein herausstellte. Die Mehrheit in der Versammlung glaubte wohl, es handle sich um einen Posten in der laufenden Rechnung, jener Rechnung, in der quasi die Haushaltsausgaben aufgeführt sind. Doch bei den 103 000 Franken handelte es sich um einen Bruttokredit in der Investitionsrechnung.

Der Betrag ist subventionsberechtigt, das heisst, ein beachtlicher Teil würde durch Subventionen von Kanton und Bund gedeckt. Es wäre ein Nettoaufwand von rund 52 000 Franken geblieben, davon wiederum hätten 8 Prozent Abschreibung (4160 Franken) die laufende Rechnung belastet. Und nur dieser Betrag liess sich effektiv einsparen.

Seit Jahren ein Ärgernis

Nicht gespart wurde dafür mit Unmutsäusserungen, nachdem man sich dieses Missverständnisses bewusst geworden war. Denn der Zustand der Tiefmattstrasse, konkret die Strecke ab Reservoir bis zur Gemeindegrenze Oberbuchsiten, ist seit Jahren ein Ärgernis. Die Strasse gleiche teilweise einem Bachbett, heisst es. Mehrere Anträge für eine Sanierung wurden verschoben, und nun vergehen weitere Monate, in denen nichts geschieht. «Ausser, dass die gröbsten Löcher notdürftig geflickt werden», sagt der zuständige Gemeinderat Otto Baumli. «Aber da können wir Kies auftragen, so viel wir wollen. Nach dem nächsten grösseren Regen ist er wieder ausgeschwemmt.»

Vielleicht doch noch früher

Das Dossier mit Plänen und Kreditantrag für die Sanierung Tiefmattstrasse ist im Prinzip fertig vorhanden. Warum kann man es nicht einfach wieder hervornehmen und an der Gemeindeversammlung vom kommenden 16. Dezember zur Verabschiedung vorlegen? «Theoretisch wäre das möglich, die Praxis sieht anders aus», antwortet Otto Baumli. Weil der Kredit von der Gemeindeversammlung abgelehnt worden ist, ist er folglich auch nicht im Budget 2015 enthalten. «Ohne bewilligten Kredit können wir kein Projekt einreichen.» So gesehen, rückt die Sanierung der Tiefmattstrasse wieder weit in die Ferne, allenfalls bis ins Jahr 2016.

Nun steht aber eine Lösung in Aussicht, dass die Sanierung eventuell doch schon früher angegangen werden könnte, wie Gemeindepräsident Urs Hubler berichtet. «Wir werden ein Gesamtkonzept erstellen, in dem nicht nur die Tiefmattstrasse, sondern auch weitere sanierungsbedürftige Wald- und Flurstrassen eingeschlossen sind.» Der Kanton habe die Idee des Konzepts in einer Vorabklärung positiv beurteilt. «Wir werden dieses Geschäft nun so vorbereiten, dass es an der Rechnungsgemeinde von Mitte nächstem Jahr zur Verabschiedung vorliegt. Eventuell schalten wir vorher eine ausserordentliche Gemeindeversammlung ein.»

Sehr, sehr viele Abklärungen

Vorsicht ist also angebracht. Denn die Finanzen sind das eine, die Baubewilligung das andere. Für diese sind viele Abklärungen zu treffen – sehr viele sogar. Weil die Tiefmattstrasse durch Landwirtschaftszone und durch Wald führt, sind die beiden entsprechenden kantonalen Ämter involviert. Dort will man sehr genau wissen, was vorgesehen ist. Handelt es sich um eine Sanierung oder, wenn der Strassenunterbau betroffen ist, um einen Ausbau? Wo ist der Einbau einer bituminösen oder zementgebundenen Deckschicht erlaubt? Bekannt ist, dass der Kanton gerade in Bezug auf derartige Deckschichten mit Bewilligungen äusserst zurückhaltend ist.

Denn die Beläge sollen so natürlich wie möglich sein, also Mergel zum Beispiel. Wie gross sind die Chancen, dass die Tiefmattstrasse auf der von Holderbank gewünschten Strecke so gebaut werden kann, dass sie nach dem nächsten starken Regen nicht schon wieder so aussieht wie jetzt? Eine konkrete Antwort sei erst möglich, wenn das Dossier vorliege und genau geprüft sei, heisst es beim Kanton. Der Ball liege in Holderbank.