Wolfwil

Nach 124 Jahren ist Schluss: Die Chäsi im Dorf verschwindet endgültig

Die Milchannahmestelle im Dorfzentrum von Wolfwil stellt den Betrieb ein, die örtliche Milchgenossenschaft verkauft ihre Liegenschaft.

Beat Nützi
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Letzte Milchannahme in der Chäsi Wolfwil nach rund 125 Jahren
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 Das Gebäude soll nun verkauft werden.
 Künftig holt das Milchhandelsunternehmen mooh (früher Miba) die Milch nicht mehr alle zwei Tage zentral bei der Chäsi, sondern direkt bei den Bauern ab.
 Weitere Impressionen von der letzten Milchannahme.

Letzte Milchannahme in der Chäsi Wolfwil nach rund 125 Jahren

Bruno Kissling

In Wolfwil geht ein Stück Dorfgeschichte zu Ende: 124 Jahre nach der Gründung der ehemaligen Käsereigenossenschaft und heutigen Milchgenossenschaft fand am Donnerstag früh zwischen 6.30 und 6.45 Uhr auf dem Areal der einstigen Chäsi die letzte zentrale Milchannahme statt. Und bald kommt auch das im Dorfzentrum vis-à-vis des Restaurants Post liegende Chäsi-Areal, das zum Verkauf steht, in neue Hände.

Veränderungsprozess

Künftig holt das Milchhandelsunternehmen mooh (früher Miba) die Milch nicht mehr alle zwei Tage zentral bei der Chäsi, sondern direkt bei den Bauern ab. Diese sammeln die Milch bereits heute zunehmend in eigenen Tanks und liefern teilweise bereits ab Hof, erklärt Karl Nützi jun., Präsident der Milchgenossenschaft Wolfwil, gegenüber dieser Zeitung. Die Liquidation der Milchannahmestelle und Chäsi sei nötig geworden, weil sich in der Land- und Milchwirtschaft viel verändert habe. Selbst er als Präsident der Milchgenossenschaft produziere seit geraumer Zeit keine Milch mehr. Und die Milchgenossenschaft, die bei ihrer Gründung 1895 von 27 Mitgliedern gegründet wurde, zähle heute nur noch deren zehn. Nach der Liquidation werde die Genossenschaft dann aufgelöst. «Nächstes Jahr hätten wir das 125-jährige Bestehen feiern können», sinniert Karl Nützi mit einer gewissen Wehmut.

Als Verkaufsladen zu klein

Zum jetzigen Chäsi-Gebäude, das nach dem Brand der alten Käserei erstellt und 1984 eröffnet wurde, stellt Nützi fest, dass es Interessenten für den Erwerb gebe und der Verkauf demnächst vorgenommen werden könne. Es werde kaum mehr einen Verkaufsladen geben, meint der Milchgenossenschafts-Präsident. Denn es habe sich schon in der Vergangenheit gezeigt, dass die Ladenfläche zu klein sei und nicht mehr den Kundenbedürfnissen entspreche. Es sei deshalb wohl eher damit zu rechnen, dass das Gebäude künftig vollumfänglich als Wohnraum genutzt werde, zum Beispiel mit dem Einbau einer zweiten Wohnung im Erdgeschoss.

Dank für Verlässlichkeit

Zurück zur gestrigen Milchannahme, die in den letzten 28 Jahren durch das Ehepaar Theres und Hugo Nussbaumer getätigt wurde. Karl Nützi würdigte deren Pflichtbewusstsein: «Auf sie war jederzeit Verlass.» Die Milchgenossenschaft Wolfwil sei ihnen zu grossem Dank verpflichtet. Nützi gab seiner Freude darüber Ausdruck, dass Theres und Hugo, die inzwischen die Wohnung in der Chäsi verlassen haben, in Wolfwil eine neue gute Wohnsituation gefunden hätten. Auch dem Milchhandelsunternehmen mooh, vor allem der früheren Miba, wand Nützi ein Kränzchen: «Alles hat immer bestens geklappt.»