Palmsonntag
Die Jubla zeigt, wie Palmenbinden zu Pandemie-Zeiten funktioniert

Die Jubla Kestenholz zeigt, wie das Gemeinschaftswerk zum Palmsonntag trotz Einschränkungen geht.

Rahel Bühler
Drucken
Teilen
Die Jubla Kestenholz beim Palmbinden.

Die Jubla Kestenholz beim Palmbinden.

Zvg

Grüne Palmbäume und Palmsträusse gehören an Palmsonntag zur Messe wie das Amen in der Kirche. Auch in Pandemiezeiten. Im Gäu, und vor allem in Kestenholz ist das Binden von Palmstraussen verankert: Die Mitglieder vom Jungwacht-Blauring binden in den Tagen vor dem katholischen Feiertag jeweils Buchs, Tannenäste, Stechpalmen und Hasenwideli zu kleinen Bündeln zusammen. Am Palmsonntag werden sie gesegnet und die Jubla-Mitglieder verteilen die Bündel im Dorf. Dahinter steckt eine Menge Arbeit: «Rein von der Optik her sind unsere Palmen eher Bündel», sagt Joel Ackermann. Er ist einer der drei Scharleiter der Kestenholzer Jubla.

Normalerweise trifft er sich eine Woche vor Palmsonntag mit seinen Leitungskolleginnen und -kollegen, um die Sträucher im Wald abzusägen, einzusammeln, zusammenzustellen.

Gelagert wird das Material dann im Pfarreiheim. In der darauffolgenden Woche hilft ein Teil der 80 Kinder beim Zusammenbinden der verschiedenen Sträucher mit.

Die Jubla Kestenholz im Pfarreiheim beim Palmbinden.

Die Jubla Kestenholz im Pfarreiheim beim Palmbinden.

Zvg

Die Jubla stellt jedes Jahr um die 400 Palmbündel zusammen. Damit sehen sie nicht so aus, wie beispielsweise jene in der Nachbargemeinde Egerkingen: Dort bestehen die Palmbäume aus dünnen, abgeasteten Baumstämmen. Sie werden mit Bändern und Drahtringen aus Stechpalmen und Früchten geschmückt.

Heuer ist das etwas anders. Zwar haben sich die Leitenden auch am vergangenen Samstag zum Schneiden der Äste getroffen. «Weil wir dabei draussen im Wald waren, konnten wir auch die Abstände problemlos einhalten», sagt Ackermann.

Aus dem Wald werden Tannenzweige geholt.

Aus dem Wald werden Tannenzweige geholt.

Zvg

Beim Binden in der Pfarrscheune sind die Kinder hingegen in fixe Gruppen eingeteilt worden. An jedem Abend in der aktuellen Woche ist eine andere Gruppe am Palmen binden. Die Gruppen entsprechen jenen, in denen die Jubla-Kinder auch sonst unterteilt sind. Pro Team ist es eine Handvoll Kinder, dazu die Leiter. Letztere tragen Masken. «Wir halten uns natürlich auch ans Händewaschen, die Abstände und die Anwesenheitslisten.» Besuch ist ebenfalls nicht erlaubt.

Aus diesem Grund hat das Interview für diesen Artikel per Telefon und mit Emails stattgefunden. Das Schutzkonzept stammt nicht allein vom Kestenholzer Verein selbst: Die Jubla Schweiz hat ein Konzept für ihre Untervereine erstellt. Bisher habe man damit gute Erfahrungen gemacht, meint Ackermann: «Das hängt aber sicherlich damit zusammen, dass die wichtigsten Schutzmassnahmen seit einem Jahr omnipräsent sind.» Man müsse sich ja schliesslich nicht nur in der Jubla schützen, sondern auch in der Schule oder im öffentlichen Verkehr.

«Es hed Palme, solang ‘s hed»

Am Palmsonntag werden die 400 Palmsträusse wie gewohnt in der Messe gesegnet. Im Anschluss verteilt die Jubla die Palmen im Dorf. «Wir bilden bereits vorgängig Gruppen und diese vermischen sich beim Austeilen nicht», sagt Ackermann. Auch dabei werde man Masken tragen. Die Gruppen gehen von Haus zu Haus und bieten der Bevölkerung Palmen an. Nach dem Prinzip «Es hed, solangs hed.» In Kestenholz besagt das die Tradition.

So sehen die fertigen Palmsträusse aus.

So sehen die fertigen Palmsträusse aus.

Zvg

Neu ist das Palmbinden für die Kestenholzer Jubla nicht: «Seit wir von der Scharleitung uns erinnern können, unterstützt die Jubla die Kirche beim Durchführen des Palmsonntags», sagt Ackermann. Ursprünglich wurde die Jungwacht 1943 gegründet. 2003 schloss sie sich mit dem Blauring Kestenholz zur Jubla zusammen. Heute umfasst sie 80 Kinder ab der dritten Primarklasse und 45 Leitende.

Wie machen es andere Gemeinden?

Weitere fünf Beispiele, wie der Brauch des Palmbindens in Corona-Zeiten in der Region zelebriert wird: Auch die Jubla Matzendorf und die Ministranten Mümliswil stellen Palmsträusse zusammen, die sie am Palmsonntag nach dem Gottesdienst verteilen werden. Etwas anderes überlegt hat sich die Chlausezunft Egerkingen: Sie stellt den Einwohnern sogenannte Palm-Sets zur Verfügung. Das besteht aus Holzstab und Draht. Daraus können Interessierte ihren eigenen Palmbaum zu Hause anfertigen. Im Anschluss können die Bäume für die Segnung am Samstag in die St. Martinskirche gestellt werden. Die Palmsegnung erfolgt im Gottesdienst vom Samstag, 27. März. Am Sonntag kann man seine Palme wieder in der Kirche abholen. In Welschenrohr-Gänsbrunnen kann man seinen eigenen, kleinen Palmstrauss in den Gottesdienst mitbringen, wo er gesegnet wird. In Härkingen gibt es kein öffentliches Palmbinden. Die Chlausenzunft wird jedoch mit den Erstkommunikanten Bäume binden. Die Palmsonntagsgottesdienste finden ohne Prozessionen statt.

Aktuelle Nachrichten