Neuendorf

Russische Seele und Temperament beim Auftritt in der Kirche

In seinem fast zweistündigen Auftritt in der Kirche Neuendorf zeigte der Don Kosaken Chor einen Ausschnitt aus seinem Repertoire an sakraler Musik und russischen Volksliedern.

Urs Amacher
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Männer in Schwarz mit reinen Stimmen: Der Don Kosaken Chor.

Männer in Schwarz mit reinen Stimmen: Der Don Kosaken Chor.

Remo Fröhlicher

Die Don Kosaken, der berühmte A-cappella-Chor unter der Leitung von Wanja Hlibka, stimmte das Publikum in der vollbesetzten Kirche mit einem Strauss von russisch-orthodoxem Kirchengesang ein und begann mit einem traditionellen «Credo».

Nach diesem Eingangslied intonierten die siebzehn Männerstimmen den Choral «Angel wopijasche» (Der Engel rief der Gebenedeiten zu) von Pavel Chernokov, eigentlich ein Ostergesang an Gottesmutter Maria.

Das dritte und vierte liturgische Werk, «Gott sei mit uns» und «Oh Herr, wir singen Dir» war ebenso langsam und getragen wie die vorhergehenden.

Die von Tenören schmetternd solistisch gesungenen Strophen waren unterlegt vom mehrstimmigen Chor, der durch die grosse stimmliche Bandbreite von tiefsten Bässen bis zu den höchsten glasklaren Tönen im Falsett den typischen Kosakenchorklang formte.

Weihnachtslieder nach ihrer Art

Mit «Die zwölf Räuber», einer Ballade über den legendären Räuberhauptmann Kundejar von Kiew, leitete das russische All-Star-Ensemble zu einem Satz von populären Stücken über. Hier sangen abwechselnd Bässe solistisch die Strophen und der Chor gemeinsam die Refrains.

Beim traditionellen «In Jerusalem ertönen die Glocken» hörte man das Geläute förmlich erklingen, bevor die siebzehn Sänger den ersten Teil mit zwei deutsch vorgetragenen Liedern «O du fröhliche» und «Leise rieselt der Schnee – freue Dich, Christkind kommt bald» abschlossen.

Der Don Kosaken Chor gab diesen wohl berühmtesten Weihnachtsmelodien eine persönliche Note, indem er sie mit den für ihn typischen Temposteigerungen interpretierte.

Den zweiten Teil des winterlichen Konzerts eröffnete die Gesangsgruppe mit dem «Schneegestöber». Nach diesem rassigen Beginn trugen die in schwarzen Pluderhosen mit roten Galons gekleideten Tenöre und Bässe eine Serie weiterer Folklorestück vor.

Bei mehreren klang die Melodie bekannt. Die «Abendglocken» sind ebenso unsterblich wie der «Alte Walzer» (oft als «Mit gö i d Schwümm» verballhornt). Der Ohrwurm «Moskauer Nächte», ursprünglich die Erkennungsmelodie der Spartakiade 1955, weckte romantische Erinnerungen, doch der Chor wechselte im Programm ab mit weniger berühmten Gesangsstücken.

Keine Show und doch fesselnd

Zwar waren weder die Stimmen verstärkt noch das Ensemble von einer Combo begleitet, und eine Show führten die Männer in Schwarz auch keine auf. Trotzdem war der Auftritt nie eintönig, obwohl selbst ein Liedtitel «Eintönig klingt hell das Glöcklein» lautete.

Nicht nur der Zusammenklang der tiefsten und höchsten Stimmen, auch der Wechsel von langsam oder romantisch über tänzerisch zu feurig schnell, von leisem Piano über russischen Schmelz zu schmetterndem Fortissimo sorgte für ein ebenso hochstehendes, wie im besten Sinn unterhaltsames Konzert.

Dabei schien selbst der Chor Spass an der Sache zu haben, wenn zum Beispiel ein Tenor mit langem Atem seinen Ton fast eine Minute lang aushielt.

Mit dem traurigen Liebeslied «Wo bist Du, Suliko?», dem bekannte russischen Volkslied über Stenka Rasin, den Atamanen (Anführer) der Don Kosaken im 17. Jahrhundert, und mit «Kalinka maya» beendeten die Sänger den Abend. Das mitgehende Publikum dankte mit langem Applaus.

«Wir möchten uns nicht verabschieden, ohne ihnen noch ein Lied zu singen», sagte schliesslich der moderierende Konzertmeister charmant. So klang das Gäuer Adventskonzert der Don Kosaken mit der als Zugabe gewährten «Ave Maria» ruhig aus.