Kreisschule Gäu

Schulklasse schafft Kunst: Die Egerkinger Fussgängerunterführung wird farbig

Wegen der Corona-Schutzmassnahmen führt eine Schulklasse aus Wolfwil ihre Projektwoche in der Region durch und schafft Kunst.

Rebecca Rutschi
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Kreisschule Gäu macht Kunst
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Kreisschule Gäu macht Kunst

Bruno Kissling

In der Fussgängerunterführung in der Nähe des Gasthofes von Arx in Egerkingen ging es vergangene Woche geschäftig zu und her. Beim Besuch dringen Musik und Stimmen gedämpft hoch zur Strasse, und der Geruch von frischer Farbe liegt in der Luft. Die Klasse 3cE aus Wolfwil bemalt dort die Wände der Fussgängerunterführung neu.

Das Projekt der Neuntklässlerinnen und Neuntklässler ist Teil einer alljährlichen Projektwoche. Diese soll im 9. Schuljahr im Zusammenhang mit der Berufswelt stattfinden. An der Kreisschule Gäu steht die Projektwoche seit dem Schuljahr 2013/2014 unter dem Namen «Projektwoche Natur». Die Schülerinnen und Schüler verbringen jedes Jahr in verschiedenen Regionen der Schweiz eine Woche und leisteten dort beispielsweise Hilfe bei Aufforstungsprojekten oder beim Bau von Trockenmauern.

Aus Projektwoche «Natur» wird «Kultur»

Als im Frühling der Lockdown ausgerufen wurde und auf Homeschooling umgestellt wurde, entschied die Schulleitung, dass die Projektwoche dieses Jahr nicht wie gewohnt werde stattfinden könne. Es mussten neue Lösungen her. Schnell stand die Idee im Raum, die «Projektwoche Natur» in der Region auf die Beine zu stellen. Der Schulleiter hat daraufhin mit den Mitgliedsgemeinden des Zweckverbandes Kreisschule Gäu Kontakt aufgenommen.

Gemäss Luca Solzi, Klassenlehrer der 3cE, haben Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi und der Werkhofleiter der Gemeinde Egerkingen, Heinz Fischer, sehr offen reagiert und der Klasse die Unterführung für ein aussergewöhnliches Projekt zur Verfügung gestellt. Bald einmal sei dann der Name «Projektwoche Kultur» entstanden. «Man hat uns beim Malen absolut freie Hand gelassen und uns sehr viel Vertrauen entgegengebracht», so Solzi.

Auf den ersten Blick zeigen die Wände der Fussgängerunterführung jetzt zwei farbenfrohe Bilder, welche die vorher düsteren Mauern in Vergessenheit geraten lassen. Doch nach einer genaueren Betrachtung ist viel mehr als nur eine optische Verschönerung zu sehen.

Eigene Entwürfe verfasst

Nach den Sommerferien hat jede Schülerin und jeder Schüler zunächst einen eigenen Entwurf verfasst. Davon hat die künstlerische Leiterin des Projekts, die Fachlehrperson für Technisches Gestalten Monika Oberson, die besten Ideen zusammengesetzt und ausgearbeitet. Besonders das Design von Jannat Afzal stiess bei ihren Mitschülerinnen und Mitschülern auf Zustimmung und wurde für die Ostseite der Unterführung fast 1:1 übernommen. Es zeigt ein futuristisches und industrielles, aber sehr fortschrittliches Egerkingen.

Sehr bezeichnend für die Gemeinde sind dabei die beiden Kirchtürme – einer im Süden und einer im Norden des Dorfes, was auch auf der Wandmalerei übernommen wurde. Die Turmuhr der katholischen Kirche im Norden zeigt die Zeit, zu welcher die Klasse am Montagmorgen mit dem Malen begonnen hat, die Zeiger der reformierten Kirche im Süden zeigen die Zeit am Donnerstag, zu welcher der letzte Pinselstrich gesetzt wurde. An der Westwand hingegen malte die Klasse die erholsame und natürliche Seite des Dorfes.

Eine grosse Sonne verschwindet soeben hinter einigen Tannen. Die Tannen sind ein direkt übernommenes Symbol des Wappens von Egerkingen. Auch die drei heraldischen Lilien, die über den Tannen schweben, sind im Wappen der Gemeinde zu finden. Ein Bildzeichen, das sich subtil durch die gesamte Unterführung zieht, sind die Egerkinger Krähen. An der Westseite hat sie die Schülerin Fiona Biedermann frei und beinahe anmutig gezeichnet – gegenüber wirken sie starr und tot und spielen so überdeutlich mit den Gegensätzen «lebendige Natur und unbelebte Industrie».

«Die Jugendlichen sind stolz auf ihre Arbeit!»

Luca Solzi ist sehr zufrieden mit der Aktion: «Wir haben die Schülerinnen und Schüler grösstenteils machen lassen. Das sei nicht ganz ohne Konflikte abgelaufen, berichtet er. «Aber das zeigt doch, wie leidenschaftlich sie bei der Sache sind. Ich denke, sie sind sehr stolz auf ihre Arbeit.»

Zum Abschluss des Projekts werden die Wände nun noch von Werkhofmitarbeitenden versiegelt, sodass die Werke der Jugendlichen vor Sprayereien geschützt sind.