Serie: Aus Alt wird Neu
110 Jahre, 2 Jahreszahlen, 1 Bild: Die Kirche St. Martin in Egerkingen ist eine der ältesten im Kanton

Teil elf unserer historischen Serie widmet sich Egerkingen. In mehr als Hundert Jahren hat sich das Gäuer Dorf markant weiterentwickelt. Das ist nicht nur an der Einwohnerzahl erkennbar.

Rahel Bühler
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Egerkingen alt und neu

Bruno Kissling

Zwischen diesen zwei Fotos aus dem Egerkinger Dorfkern liegen mehr als 100 Jahre. Das ist deutlich erkennbar: besser ausgebaute Infrastruktur, modernere Häuser, keine Schwarz-Weiss-Aufnahme.

Beide Fotos zeigen den Blick von der Martinsstrasse 10 (vorne rechts) auf die katholische Kirche St.Martin. Die Aufnahme von 1912 ist eine Postkarte. Feldpost und Poststempel 13.9.1912 steht in der Beschreibung der ETH-Bibliothek Zürich. Der Fotograf hingegen ist unbekannt. Die Kirche St.Martin gehört zu den ältesten des Kantons. Das geht aus dem Buch «Solothurnisches Gäu» von Jules und Elisabeth Pfluger von 1963 hervor. Um 1770 galt das Dorf als Pfarrei erster Klasse. Die reformierte Kirche beim Bahnhof entstand hingegen deutlich später: Die Einweihung fand 1898 statt.

Im Jahr 1900 wohnten in Egerkingen 983 Personen. Die Einwohnerinnen und Einwohner von Egerkingen tragen diverse Übernamen: «Chräje», «Chübelibinger» oder «Widlibysser». Einige davon seien allgemein bekannt. Andere wiederum seien nie ganz durchgedrungen oder wieder in Vergessenheit geraten, heisst es im Buch «Solothurnisches Gäu». Woher «Chräje» kommt, ist laut Jules und Elisabeth Pfluger nicht geklärt. Sie mutmassen, dass er vielleicht etwas mit der Dorfpolitik zu tun haben könnte. Die beiden anderen Übernamen – «Chübelibinger» und «Widlibysser» – seien wohl in der Elendszeit des 19. Jahrhunderts entstanden. Denn damals war die Armut in Egerkingen stark verbreitet.

Jetzt, 110 Jahre später, wohnen in Egerkingen deutlich mehr Menschen. Per 31. Dezember 2021 hatte die Gäuer Gemeinde 4215 Einwohnerinnen und Einwohner. Damit sei die Einwohnerzahl noch einmal gewachsen, ist in der Egerkinger Bevölkerungsstatistik, die vergangene Woche publiziert wurde, nachzulesen. Ende 2020 verzeichnete die Gemeinde 4085 Einwohnerinnen und Einwohner.

Serie: Aus Alt wird Neu

Wie haben sich die Ortschaften im Thal und Gäu in den vergangenen Jahrzehnten ihn ihren Erscheinungsbildern verändert? Welche Auswirkungen hatten der Bau der Autobahn, die boomende Industrie oder die steigende Nachfrage nach Einfamilienhäusern sowie Bauland? In der aktuellen Serie vergleichen wir jeweils zwei Aufnahmen, die ungefähr am gleichen Standort zu Stande kamen – aber in unterschiedlichen Jahrzehnten. Die alten Aufnahmen stammen aus dem Bildarchiv der ETH Zürich. Im elften Teil schauen wir auf Egerkingen. (rab)