Bettina Sartorius

Violinistin in Coronazeiten: Ans Auftreten nicht zu denken, aber auch ein wenig geschenkte Zeit

Die Violinistin Bettina Sartorius erzählt von ihrem Leben in Berlin während der Coronazeit. Ans Auftreten ist derzeit nicht zu denken.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Die Musikerin Bettina Sartorius schickt ein Selfie und erzählt von ihrem derzeitigen Leben in Berlin.

Die Musikerin Bettina Sartorius schickt ein Selfie und erzählt von ihrem derzeitigen Leben in Berlin.

Solothurner Zeitung

Die gebürtige Balsthalerin Bettina Sartorius lebt und arbeitet als Musikerin in Berlin. Als freischaffende Violinistin und Mitglied der Berliner Philharmoniker ist sie auch stark von der Coronakrise betroffen. Am 16. April hätte sie mit ihrem Mann Hendrik Heilmann in Solothurn ein Konzert bestritten, das nun aber abgesagt wurde. Wir befragten sie per E-Mail-Interview wie es ihr und ihrer Familie derzeit geht.

Bettina Sartorius, seit wann dürfen Sie nicht mehr öffentlich auftreten respektive sind die Konzertsäle in Deutschland geschlossen?

Wir haben am 12. März unser letztes Konzert in der Philharmonie gegeben und das war ohne Publikum, live in der Digital Concert Hall. Es war etwas skurril, so schön zu spielen wie es nur geht, in Konzertkleidung und mit der inneren Spannung, die es für ein Konzert braucht, aber eben in einem leeren Saal.

Seither ist alles abgesagt, auch natürlich die Osterfestspiele in Baden-Baden, wo wir die Oper «Fidelio» von Ludwig van Beethoven und auch viele Sinfoniekonzerte aufgeführt hätten. Bis zum 19. April haben wir Spielpause aufgrund des Coronavirus, dafür wird aber die Digital Concert Hall als kleine Entschädigung kostenlos für jeden zur Verfügung gestellt und man kann das ganze Archiv durchstöbern.

Viele arbeiten derzeit im Homeoffice. Ich stelle mir vor, als Musikerin ist das für Sie nichts Neues.

Für meinen Mann und mich geht ja das Üben am Instrument auch zu Hause jeden Tag ganz normal weiter. Leider ist unser Beethoven-Abend im Konzertsaal Solothurn für den 26. April auch abgesagt worden, trotzdem üben wir natürlich jeden Tag mit Freude daran und hoffen, dass der Abend am 7. Juni stattfinden kann. Für den 26. April wird noch ein Ersatztermin gesucht.

Wie halten Sie den Kontakt zu Euren Familien?

Täglich telefonieren wir mit unseren Eltern und sind jedes Mal froh, wenn sie sagen, dass es ihnen gut gehen darf. Auch hätten wir Ostern mit meinen Eltern verbracht, das geht nun auch nicht, was wirklich traurig ist.

Wie sind Ihre Erfahrungen als Mutter von Zwillingen?

Einerseits ist es für uns fast ein wenig eine geschenkte Zeit, die wir in der Familie verbringen können, aber andererseits ist das alles sehr beunruhigend. Ich frage mich mehrmals täglich, wie das danach wirtschaftlich aussieht und wie es weitergehen wird. Auch bin ich viel in Gedanken mit den Menschen, die krank werden und sterben müssen.

Wie beschäftigen sich ihre Kinder?

Meine Kinder vermissen es auch sehr, dass sie nicht mal zum Spielplatz gehen können. Ansonsten spielen sie viel im Garten und machen ihre Hausaufgaben für die Schule. Da sie Zwillinge sind, können sie sehr gut zusammen spielen.

Wie lange wohnen Sie jetzt eigentlich schon in Berlin und wie lebt man momentan in dieser Stadt?

Ich lebe jetzt 23 Jahre in Berlin und habe hier noch nicht erlebt, dass man im Supermarkt teilweise vor leeren Regalen steht und überlegen muss, doch noch ein paar Vorräte einzukaufen. Aufgrund der vorgeschriebenen Massnahmen steht man unter Umständen längere Zeit an, zum Beispiel vor Apotheken. Sonst sehr befahrene Strassen sind fast menschenleer. Aktuell ist die Versorgungslage gut, man muss sehen, wie es in den nächsten Tagen und Wochen weitergeht.

Und wie hat sich die Stadt in diesen 23 Jahren verändert?

Berlin hat sich in diesen Jahren sehr verändert, vieles wurde neu aufgebaut, komplett neu umstrukturiert. Das kulturelle Leben in Berlin ist enorm vielfältig, das ist schon beeindruckend. Überhaupt hat sich Berlin zu einer lebendigen und offenen Stadt entwickelt, jeder kann eigentlich so sein, wie er möchte. Seit wir Kinder haben, wohnen wir nun etwas ausserhalb im Grünen und geniessen hier die Ruhe und Natur.