Lotzwil

Mit dem Traum vom Gold im Gepäck nach Brasilien

An den Schweizer Berufsmeisterschaften SwissSkills hat er die Goldmedaille gewonnen. Nun bereitet sich Tobias Blum, Lernender Automatiker EFZ bei der Firma Ammann Schweiz AG in Langenthal, auf die Weltmeisterschaften in Brasilien vor.

Irmgard Bayard (Text und Bild)
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Tobias Blum (links) und Daniel Christen erklären anhand eines Automatendie möglichen Aufgaben der Meisterschaftsteilnehmenden.

Tobias Blum (links) und Daniel Christen erklären anhand eines Automatendie möglichen Aufgaben der Meisterschaftsteilnehmenden.

Irmgard Bayard

«Natürlich wäre die Goldmedaille schön», gibt Tobias Blum zu, «aber ich bin nicht traurig, wenn wir nicht Erste werden.» Denn der 19-Jährige gehört schon jetzt zu den Gewinnern. Nicht nur, weil er an der Schweizer Berufsmeisterschaft im Team mit Silvano Mani, Lernender bei der zb Zentralbahn AG in Stansstad, ganz an der Spitze stand, sondern, weil er alleine durch die intensiven Vorbereitungen dazu und zur Weltmeisterschaft wertvolle Erfahrungen sammeln konnte und kann. «Tobias ist reifer geworden», attestiert ihm auch Daniel Christen, seit 2012 Leiter des Ausbildungs- und Lernzentrums ALZ in der Ammann Schweiz AG. Denn der Weg ganz an die Spitze ist kein Zuckerschlecken.

«Unser Berufschullehrer hat gefragt, wer an der Teilnahme an den Schweizer Meisterschaften interessiert sei», erklärt Tobias Blum den Anfang. Als Voraussetzung mussten die Lernenden die erste Teilprüfung im zweiten Lehrjahr absolviert haben und eine Mindestnote von 5,3 vorweisen. An einem Samstag erhielten die Interessierten Einblick in den Ablauf. «Aus der Langenthaler Berufsschule haben sechs Automatiker-Lernende diesen Kurs absolviert», so Blum. Diese wurden in einer Vorselektion von Experten des Berufsverbandes Swissmem getestet, wobei noch zwei sich qualifizierten. Schweizweit waren es rund 40 Lernende. Bei den Automatikern platzierten sich Tobias Blum und sein Kollege – die Teams werden jeweils von den Swisskills-Experten anhand von Leistungen und Charaktereigenschaften zusammengestellt – an der Spitze. Der zweite Ammann-Lernende, Stefan Aeschimann aus Schwarzenbach, gewann mit seinem Berufskollegen an den SwissSkills 2014 in Bern die Silbermedaille. In einer verbandsinternen Ausmarchung wurde schliesslich der Goldmedaillengewinner als Teilnehmer an den Weltmeisterschaften in São Paulo 2015 im August erkoren. Seither besucht Tobias Blum Trainingslager, Mental- und Medientrainings sowie Live-Anlässe wie den Vorbereitungstest von Ende Februar im Gäupark in Egerkingen. «Dort ging es vor allem darum, die Arbeitskonzentration mit Publikum zu testen», erklärt Tobias Blum. Nervös sei er nicht gewesen. «Wegen der fehlenden Konkurrenz ging es ja um nichts.» Anders sind dann die Voraussetzungen am Dreiländer-Wettkampf zwischen der Schweiz, Österreich und Gastgeber Deutschland im Frühling. «Dort erfahren wir auch erstmals, wo wir eigentlich stehen», freut sich der aufgestellte Berufsmann. Neben dem Berufstraining stehen noch weitere Punkte auf dem Vorbereitungsprogramm, wie zum Beispiel die Kleideranprobe. Denn wie beim Sport tritt auch die Berufsnationalmannschaft im einheitlichen Tenue auf.

Der Branchenverband Swissmem vereint die schweizerische Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie sowie verwandte technologieorientierte Branchen. www.swissmem.ch.
Ammann ist ein weltweit führender Lieferant von Mischanlagen, Maschinen und Dienstleistungen für die Bauindustrie mit Kernkompetenzen im Strassenbau und der Verkehrsinfrastruktur. Die Ammann Unternehmungen beschäftigen aktuell 121 Lernende, was einem Anteil von rund 10 Prozent der Mitarbeitenden entspricht. (iba)

Die SwissSkills 2014 wurden vom gleichnamigen Verein durchgeführt. Dieser ist aus der Stiftung SwissSkills hervorgegangen, die auf eine sehr breit abgestützte Trägerschaft zählen kann. (iba)

Als Gegenzug für den Aufwand der Firma erhofft sich diese einen positiven Effekt bei den jüngeren Lernenden. «Einige von ihnen strengen sich mehr an, um ebenso weit zu kommen». Die Erfahrung gibt ihm Recht, haben doch die Ammann-Lernenden in den letzten Jahren mehrmals Spitzenränge erreicht.

Auf die Frage nach seinen Chancen an der Berufsmeisterschaft gibt sich Tobias Blum eher bedeckt. Er hofft vor allem, dass er das Gelernte zum richtigen Zeitpunkt abrufen kann. Christen will ebenfalls keine Prognose abgeben. Zwar mischten die Schweizer Teilnehmenden oft vorne mit, «aber die Konkurrenz aus Asien und natürlich dem Gastgeberland Brasilien ist gross», gibt der 45-Jährige zu bedenken. «Und die Wettkämpfe geniessen dort noch einen viel höheren Stellenwert als hierzulande.»