«Klub der jungen Dichter»: Eine verflixt-verhexte Liebesgeschichte

Anja Christen erzählt im «Klub der jungen Dichter», wie Liebe unerwartete magische Folgen zeitigt.

Anja Christen Stans, 5. Primar
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Anja Christen.

Anja Christen.

«Liebe macht blind», das merkte ich, als ich mit einem lauten RUMMS! vom Stuhl fiel. Meine beste Freundin Sophie meinte, ich bräuchte bald eine Brille, wenn ich Maxi weiter so anschmachte und nicht sehen würde, wo ich hinlaufe… Aber zuerst mal: Hi, ich bin Juliane Hase, aber alle nennen mich Julie. Ich erzähle euch lieber mal alles von vorn.

Wie jeden Morgen lief ich mit Sophie, meiner besten Freundin, zur Schule. Als wir in der Schule ankamen, sagte unsere Lehrerin Frau Specht: «Hallo zusammen, heute bekommen wir einen neuen Schüler!» Ein Junge kam hinter ihr hervor und sagte: «Hi, ich bin Maximilian, aber ihr könnt mich Maxi nennen!» Gerade dann wurde ich wie vom Blitz getroffen, dann merkte ich, dass mir plötzlich eine Horde Elefanten durch den Bauch trampelte. Seitdem bin ich voll in Maxi verschossen! Ich wusste ja noch nicht, was mir diese ­Liebe noch alles bringen sollte…

Eine Woche später nahm ich meinen gesamten Mut zusammen und fragte ihn, ob wir mal was zusammen unternehmen wollen. Er willigte ein und ich war so glücklich, ich dachte, es gäbe kein glücklicheres Mädchen auf der Welt. Wie gesagt, ich dachte es, denn das, was danach passierte, haute mich komplett um. Wir betraten gerade gleichzeitig das Café «Regentropfen», in dem wir uns schüchtern gegenüber an einen der Tische setzten. Wir sprachen ein wenig über die Schule und ich erklärte ihm, wer in unserer Klasse nett oder eben nicht so nett war.

Genau dann passierte es. Es zischte und plötzlich stand eine hässliche und dicke Hexe mit einer grossen Warze auf der Nase auf unserem Tisch. Der Tisch brach augenblicklich zusammen und die Hexe lachte grausam! Danach murmelte sie etwas Unverständliches und wir fanden uns in einem dunklen, fensterlosen Raum wieder. Ich hatte Angst, ja wirklich, ich hatte Angst vor der Dunkelheit! Plötzlich schrie Maxi los: «Hilfe, zu Hilfe, wir stecken hier fest!» Ich stimmte mit ein: «Hilfe, Hilfe!» Dann merkten wir, dass es überhaupt keinen Zweck hatte. Deswegen waren wir still, zu still für meine Verhältnisse. Zu allem hin dachte ich auch noch die ganze Zeit dran, ob ich ihm jetzt meine Liebe zu ihm gestehen sollte oder nicht. Ich entschied mich dafür, seufze und krächzte: «Ich muss es dir jetzt sagen, ich habe es gemerkt, als du das erste Mal zu uns in die Klasse gekommen bist, ich glaube, ich habe mich in dich verliebt…» Er schaut mich lange an, lächelte und entgegnete dann: «Mir geht es genauso, möchtest du mit mir gehen?» Ich brachte kein Wort heraus, aber dann stotterte ich: «Ja, sicher.» Er beugte sich zu mir und hauchte mir einen Kuss auf den Mund, in diesem Moment zischte es und wir sassen wieder im Café ­«Regentropfen» und Maxi grinste mich an.

Am nächsten Tag in der Schule wussten es schon alle, sie jubelten, und Maxi zwinkerte mir verschwörerisch zu. In dem Moment kam Frau Specht mit einem anderen Jungen rein, und ich merkte, Sophie war verflixt-verhext verliebt.

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Nicht weniger als 4926 Geschichten sind für den «Klub der jungen Dichter» 2019 eingegangen. Zur Auswahl standen das Thema «Liebe macht blind» sowie ein Textanfang. Wir publizieren täglich zwei der besten 40 Geschichten. Sobald sie in der Printausgabe unserer Zeitung erschienen sind, finden Sie die Texte auch unter www.luzernerzeitung.ch/dichter. Sie, liebe Leserinnen und Leser, können mitvoten: Wir vergeben einen Publikumspreis für den Text, der auf unserer Homepage am meisten angeklickt worden ist. Hat Ihnen also ein Text gefallen, wählen Sie diesen online an. Sie können ihn auch etwa via Facebook weiterempfehlen und so die Klickzahlen noch erhöhen. Die Preisträgerinnen und Preisträger geben wir Mitte Dezember bekannt. Wir danken allen Autoren, ihren Angehörigen und Lehrpersonen.