«Klub der der jungen Dichter»: Fuchs spielt Videospiele

Ben Frank erzählt im «Klub der jungen Dichter», wie eine Suche absurde Züge annimmt und eine Lehrerin ungeahnte Qualitäten offenbart.

Ben Frank, Stans, 6. Primar
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Ben Frank, Stans, 6. Primar.

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Tom ist zwölf Jahre alt, sportlich und charmant, doch ein Regelbruch ist ihm ziemlich gleichgültig. Tom ist mit seinen Mitschülern, allesamt 6.-Klässler, und den Lehrerinnen Frau Fuchs und Frau Korn, die sich General nennen lässt, im Klassenlager. Am Montagabend schickte der General die Kinder ins Bett. Dazu befahl sie: «Umziehen, Decke weg und im Gleichschritt hinlegen, gute Nacht!» «Gute Nacht, Gene- ral!», riefen die Kinder. Am Dienstagmorgen schritt Frau Fuchs zu den Schlafräumen und wollte die Kinder wecken.

«Ich öffnete die Zimmertür und traute meinen Augen nicht!», erzählte Frau Fuchs dem General. «Was war denn los?», fragte der General. «Alle Kinder waren hellwach und zählten sich eifrig. Doch jemand fehlt», stotterte Frau Fuchs. Sie war kreidebleich im Gesicht. «Wer ist verschwunden? Frau Fuchs, geben sie Antwort», schrie der General. «Tom», schniefte Frau Fuchs. Der General eilte zum Schlafraum. «Achtung! In Zweierreihe aufstellen!», befahl sie den Kindern. «Wie ihr mitbekommen habt, ist einer eurer Mitschüler verschwunden. Frau Fuchs macht sich Sorgen, dass er von der Klippe fallen könnte. Also, suchen wir ihn», trötete der General. Die Kinder und der General gingen aus dem Haus und machten sich auf die Suche nach Tom. Nur wussten die Kinder nicht, wen sie suchen mussten, weil vier Kinder mit einem Überraschungsauftrag fortgeschickt wurden, jetzt aber fünf Kinder fehlten. Der General ging aber davon aus, dass Frau Fuchs den Kindern gesagt hatte, wer zusätzlich verschwunden war. Nach einiger Zeit meldete sich der Schüler Lu. «Wir suchen jetzt schon eine halbe Stunde, General. Wen suchen wir denn überhaupt?» «Hat Frau Fuchs euch das nicht gesagt? Wir suchen Tom.» «Dann rufe ich ihn doch mal an», murmelte Lu.

«Biiip, Biiip, Biiip», hörten es alle weiter hinten klingeln. «Hi Lu, was ist? Warum rufst du mich an?» – «Hi, Tom. Wir suchen dich seit einer halben Stunde.» – «Wirklich? Ich suche seit 20 Minuten mit. Wusste nur nicht, wen wir ­suchen», erklärte Tom.

Am Abend im Schlafraum erzählte Tom seinen Klassenkameraden, was geschehen war. «Also, es war so. Ganz früh am Morgen, als alle noch schliefen, bin ich rausgeschlichen und habe Videospiele gespielt.» – «Was? Der General bemerkt nicht, wenn sich ein Kind herausschleicht?», fragte Lu mit einem breiten Grinsen im Gesicht. «Anscheinend nicht», bemerkte Tom. «Und es kommt noch besser. Ich habe Frau Fuchs im Onlinemode beim Videospiel spielen gesehen.» «Nö, ist nicht wahr», schüttelte Lu den Kopf. «Doch, und ich sag euch, sie spielt nicht mal schlecht», sagte Tom in die Runde. «Okay, aber das nächste Mal musst uns melden, dass du dich selber suchst, verstanden?», befahl Lu Tom, begleitet vom Gelächter aller Schüler.

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Nicht weniger als 4926 Geschichten sind für den «Klub der jungen Dichter» 2019 eingegangen. Zur Auswahl standen das Thema «Liebe macht blind» sowie ein Textanfang. Wir publizieren täglich zwei der besten 40 Geschichten. Sobald sie in der Printausgabe unserer Zeitung erschienen sind, finden Sie die Texte auch unter www.luzernerzeitung.ch/dichter. Sie, liebe Leserinnen und Leser, können mitvoten: Wir vergeben einen Publikumspreis für den Text, der auf unserer Homepage am meisten angeklickt worden ist. Hat Ihnen also ein Text gefallen, wählen Sie diesen online an. Sie können ihn auch etwa via Facebook weiterempfehlen und so die Klickzahlen noch erhöhen. Die Preisträgerinnen und Preisträger geben wir Mitte Dezember bekannt. Wir danken allen Autoren, ihren Angehörigen und Lehrpersonen.