«Klub der jungen Dichter»

Das Problem mit dem Doppelgänger

Livio Bieri
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Livio Bieri

Livio Bieri

Die Nacht war kalt und stürmisch, als das Abenteuer begann. Am Morgen um 07:30 Uhr klingelte mein Wecker. Ich machte die Augen auf und glaubte nicht, was ich da sah. Ich sah mich vor meiner Nase! Mit mich meine ich ein Doppelgänger! Ich staunte, mein Atem stand still und es fühlte sich an, als fiel mein Herz in die Hose! Ich meine, er sah 1:1 gleich aus wie ich. Ich fragte ihn stotternd: «Wer bist du?» Er antwortete: «Ich bin du!» Ah, wenn ihr es noch nicht wisst: «Ich bin Silas Müller, 13 Jahre alt, mein Hobby ist Handball, mein Lieblingsessen ist Kebab und ich wohne in Köln. Aber jetzt zur Geschichte. Dann fragte ich noch, was sein Hobby und Lieblingsessen ist? Er sagte: «Handball und Kebab!» Stotternd fragte ich ihn, wie alt er ist? Er sagte normal: «Ich bin 13 Jahre alt!» Ich verstand die Welt nicht mehr! Diese Nacht konnte ich nicht mehr schlafen, ich hatte kein Auge zugemacht. Der andere Silas schlief neben mir auf dem Boden. Es war Mitternacht. Um 01:30 Uhr hatte ich eine geniale, aber nicht sinnvolle Idee. Ich bin der Beste in der Schule, also der Beste der Klasse 6A. Im Handball spiele bei den Besseren. Ich muss also regelmässig zum Training. Beides zusammen geht ja nicht. Ich will in der Schule, aber auch nicht im Handball schlechter werden. Das heisst, ich kann in die Schule gehen und mein Doppelgänger kann ins Handball-Training. Ich wecke ihn auf, erzählte ihm von der Idee. Zuerst gefiel ihm die Idee nicht. Zwei Minuten später sagte er: «Okay, ich mache es! Dafür darf ich hier wohnen, sonst mache ich nicht mit!» Ich war sprachlos! Ich hatte keine Ahnung, was ich da sagen sollte! Nach einer Weile sagte ich: «Ok, du darfst hier wohnen, wenn meine Eltern davon nichts mitkriegen, ok?» Er sagte: «Ok, ich werde nichts sagen!»

Am nächsten Tag ging ich in die Schule und der Doppelgänger ins Handball-Training. Am Abend erzählte der Doppelgänger vom Handball-Training: «Das ist der coolste Sport der Welt. Die letzten 30 Minuten vom Training spielten wir ein Match, wir gewannen 29:19! Ich hatte 11 Tore geschossen!» Ich und der Doppelgänger waren inzwischen beste Freunde geworden. Einmal ging ich ins Handball-Training und der Doppelgänger in die Schule. Der Doppelgänger schrieb sogar ein Test, Resultat eine 5,75 in Mathe. In «Natur, Mensch, Gesellschaft» schrieb er sogar eine 6,00!

Die Zeit verging immer schneller und schneller. Inzwischen war ich 15 Jahre alt und 30 cm gewachsen. Der Doppelgänger aber war noch 13 Jahre alt und kein bisschen gewachsen. Unser Plan ging nicht mehr auf. Jeder würde sofort bemerken, dass der Doppelgänger kein bisschen gewachsen ist. Wir waren beide traurig, dabei waren doch Sommerferien, da sollte man doch nicht traurig sein. Doch in der Nacht hörte ich eine Stimme: «Das mit dem Doppelgänger hast du geträumt, alles ist nicht echt. Also wach auf!» Als ich die Augen öffnete, waren seine Eltern neben mir und sagten: «Du hast drei Tage geschlafen und geträumt!» Dann sagte ich: «Wo sind wir überhaupt?» Dann sagte der Vater: «Im Krankenhaus, wir hatten so Angst um dich!» Mir kamen die Tränen, und ich sagte: «Meinen besten Freund habe ich nur geträumt!» In dem Moment machte es auf meinem Handy «Ding!». Ich las: «Hallo Silas. Wie geht es dir? Mir geht es gut! War toll mit dir! Ich wünsche dir alles Gute, auch ohne mich! Bleib Gesund! Dein bester Freund Silas.»