Klub der Jungen Dichter

Das verschollene Glück

Sina Ambauen, Beckenried, erzählt im «Klub der jungen Dichter» von der Suche nach dem verschollenen Glück. Doch was ist damit gemeint? Der Auftritt einer Band steht auf dem Spiel.

Sina Ambauen, Beckenried, 3. Oberstufe
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Sina Ambauen, Beckenried, 3. Oberstufe

Sina Ambauen, Beckenried,
3. Oberstufe

Seit drei Wochen war sie nun verschwunden. Doch dann stiess ich auf eine neue Spur. Ein Faden! Er hatte genau die gleiche Farbe wie sie. Doch war das nun wirklich ein Hinweis, um sie aufzuspüren? Ich glaubte nicht. Doch ich hatte da so ein Ziehen im Magen, konnte das vielleicht etwas bedeuten? «Yuri, das Essen ist fertig! «Also doch kein Gefühl, ich hatte einfach nur Hunger. Doch bis in zwei Wochen musste ich sie wiedergefunden haben, sonst wäre ich am Arsch. Wie sollte ich das nur ohne sie schaffen? Es war so, als hätte mich mein Glück verlassen. Ich durfte bloss nicht verzweifeln, ich hatte ja noch Zeit. Und wenn es dann wirklich hart auf hart käme, könnte ich immer noch absagen.

Als dann der nächste Tag kam, ich nach der Schule zur Probe ging und ich immer noch nicht im Takt war, gab ich die Hoffnung auf. Seitdem ich sie verloren hatte, war einfach alles schiefgelaufen. Warum genau jetzt? Wo wir doch einen so wichtigen Auftritt vor uns hatten. Und ich als Hauptgitarrist durfte dort erst recht nicht fehlen. Meine Bandmitglieder wussten alle, dass es an ihr lag. Doch sie versuchten mir alle einzureden, dass ich auch ohne sie gut dran war.

Nach der Probe war ich fix und fertig. Doch ich konnte noch nicht schlafen. Ich musste sie finden. Also durchsuchte ich noch einmal das ganze Haus. Jedes Zimmer wurde noch einmal durchforstet, doch keine Spur von ihr. Ich war ein Einzelkind und hatte somit keine Geschwister, die ich verdächtigen konnte. Ich wohnte nur mit meiner Mutter und der Hündin, Tamara, in unserem kleinen Haus. Es gab also nur zwei Verdächtige. Doch meine Mutter wusste, wie viel sie mir bedeutete und hätte sie niemals versteckt oder entsorgt. Bei meinem Hund war ich eher skeptisch, doch ich wusste, dass Tamara sie nicht gerne hatte. Sie hatte mal eine Unterhose meiner Mutter gefressen und wäre fast daran erstickt. Seit je hatte Tamara Angst vor Kleidungsstücken, und ich konnte mir auch sicher sein, dass meine Hündin nichts mit dem Verschwinden von ihr zu tun hatte. Also schon wieder keine neue Spur.

Als mich dann nur noch ein Tag von unserem Auftritt trennte, geriet ich in Panik. Was sollte ich nur ohne sie machen? Ich würde versagen. Ich würde alles ruinieren, auf das wir so hart hingearbeitet hatten. Putzen war dann die einzige Option. Ich konnte mich schon immer gut beruhigen, wenn ich putzte und wenn ich Glück hatte, würde ich sie vielleicht sogar finden.

Die Zeit verging wie im Flug und es war Abend geworden. Morgen war der grosse Auftritt unserer Band. Nein, ich konnte nicht versagen! Ich musste mich aber auch noch ausruhen, damit ich morgen nicht komplett den Faden verlieren würde. So machte ich mich fertig, um ein Weilchen zu ruhen.

Am Morgen wollte ich nicht aufstehen. Nein, ich würde doch nicht hingehen. Sie waren ohne mich, in diesem Zustand, viel besser dran. So verbrachte ich den Morgen schmollend im Bett. Der Auftritt war erst am Abend, ich hatte noch Zeit, um mir das zu überlegen. Als meine Mutter keuchend in mein Zimmer kam und mir meine heiss geliebte Socke, die ich so lange vermisst hatte, ohne die ich nur eine halbe Portion war, die meine ganze Liebe beanspruchte, ins Gesicht warf, wusste ich, dass ich es konnte. Ich packte meine Gitarre und sprang in den nächsten Bus. Es war noch nicht zu spät. Und so trat ich mit meiner Band auf. Wir landeten nicht auf dem ersten, nicht auf dem zweiten, auch nicht auf dem dritten, sondern auf dem letzten Platz. Auch mit meiner Glückssocke war ich nur eine halbe Portion, das wurde mir dann bewusst.