«Klub der jungen Dichter»

Der Baum

Pascal Oberer, Ennetbürgen, schreibt im «Klub der jungen Dichter», wie er im Auto unterwegs durch einen Baum aufgehalten wird und so seinen geplanten Flug verpasst - zum Glück.

Pascal Oberer, Ennetbürgen,
3. Oberstufe
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Pascal Oberer, Ennetbürgen, 3. Oberstufe

Pascal Oberer, Ennetbürgen,
3. Oberstufe

Die Nacht war kalt und stürmisch, als das Abenteuer begann ... Ich war mit meinem Auto auf dem Weg zum Flughafen. Es schneite und stürmte fürchterlich, aber ich war sehr aufgeregt. Ich schaute auf meine Uhr, es war 3.00 Uhr morgens, und um 6.00 Uhr ging mein Flug. Ich hatte also noch genügend Zeit. Ich arbeite nun seit fünf Jahren für unsere Firma und endlich kriege ich die Chance für eine Geschäftsreise.

Entspannt fuhr ich die dunkle Waldstrasse entlang, während das Radio mich in weihnächtliche Stimmung versetze. Gedanklich war ich schon in Los Angeles, an einem Pool am Entspannen. Da wurde ich aus meinen Gedanken gerissen – ein grosser breiter Baum krachte vor mir auf die Strasse. Ich trat mit voller Wucht auf die Bremse … Mein Auto blieb einige Zentimeter vor dem Baum stehen. Es herrschte Stille. Meine Hände umklammerten noch immer zitternd das Steuerrad. Ein paar Meter weiter, und ich wäre unter dem Stamm begraben. Ich stieg aus und merkte erst, wie gross der Baum war. Auf dieser Strasse weiterzufahren, war absolut unmöglich.

Langsam geriet ich in Panik, dass ich es nicht mehr rechtzeitig zum Flughafen schaffen würde. Gestresst stieg ich in mein Auto und drehte um. Auf meinem Navigationsgerät suchte ich vergeblich nach einer anderen Route. Die Feuerwehr zu rufen, um den Baum wegzuräumen, würde zu lange dauern. Also fuhr ich die Strasse zurück, bis ich eine kleine Nebenstrasse sah, die zwar in den Wald führte, aber immerhin schien die Richtung zu stimmen. Ich bog ab, ohne lange nachzudenken.

Die Strasse war holprig und schlammig, und ich hatte ein mulmiges Gefühl. Trotzdem fuhr ich weiter. «Ich werde jetzt alles dafür tun, dass ich es rechtzeitig schaffe!», dachte ich mir. Mittlerweile war es 4.50 Uhr, mir lief die Zeit davon. Nach einer weiteren halben Stunde Fahrt durch den gruseligen Wald erreichte ich endlich wieder eine normale Strasse. Auch mein Navi zeigte glücklicherweise wieder die richtige Route an.

Der Flughafen befand sich etwas ausserhalb der Stadt. Ich ignorierte mehrere rote Ampeln, streifte ein anderes Auto und wurde zweimal geblitzt. Ich stellte mir meinen Chef vor, dem der Kragen platzen würde, wenn ich den Flug verpasste. Und der mir nie mehr die Chance geben würde, so eine tolle Geschäftsreise zu machen.

Endlich am Flughafen angekommen, packte ich meinen Koffer und rannte los. Nur noch zwölf Minuten bis zum Abflug, ich hetzte durch den ganzen Flughafen. Noch etwa eine Minute! Ich sah, wie die letzten Leute durch das Gate von Flug 526 gingen und… Ich wurde bei einem Sicherheitscheck aufgehalten. Panisch fragte ich den Angestellten, ob er mich nicht noch durchlassen lassen könnte, sonst würde ich meinen Flug verpassen. Aber er verneinte und machte weiter. Ich war am Boden zerstört, verliess langsam den Flughafen. So lange hatte ich mich auf diese Reise gefreut und es jetzt vermasselt. Betrübt stieg ich in mein Auto, fuhr nach Hause. Auf dem Rückweg fiel mir auf, dass der verdammte Baum, der an allem Schuld war, bereits wieder weggeräumt war. Müde und verärgert zu Hause angekommen, warf ich mich vor den Fernseher und versuchte mich mit einem Krimi abzulenken.

Plötzlich wurde der Film von einer Durchsage unterbrochen. Man sah einen brennenden Wald mit unzähligen zerstörten Flugzeugteilen. Ein Reporter berichtete über ein katastrophales Unglück mit vielen Toten. Als ich genauer hinschaute, erstarrte ich: Es war «mein» verpasstes Flugzeug! Flug 526 auf dem Weg nach Amerika…