Klub der jungen Dichter

Der sechste Pharao

Nino Schnellmann, Wangen, schreibt im «Klub der jungen Dichter» über eine mysteriöse Schatzsuche im kalten Norwegen. Das Spiel heisst Katz und Maus.

Nino Schnellmann, Wangen, 6. Primar
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Nino Schnellmann, Wangen, 6. Primar

Nino Schnellmann, Wangen,
6. Primar

Die Nacht war kalt und stürmisch, als das Abenteuer begann. Ich erwachte abrupt aus einem unruhigen Schlaf. Schweissgebadet schaute ich auf den Wecker. 3.34 Uhr. Ich stieg aus dem Bett und schlich leise die Treppe runter. In der Küche füllte ich ein Glas mit Leitungswasser.

Da sah ich es. Ein Mann, ganz schwarz gekleidet, lief im Licht der Strassenlampe zu unserem Briefkasten und warf etwas hinein. Dann eilte er davon. Rasch zog ich mich um und ging aus dem Haus. Adrenalin pumpte durch meinen Körper. Mit zitternder Hand öffnete ich den Briefkasten. Als ich sah, was darin lag, stockte mir der Atem. Ein Umschlag und ein Messer. Das Messer sah alt aus und in der Klinge war eine Gravur eingeritzt. Ich war überzeugt, dass im Umschlag eine Erklärung für das Messer war. Aber darin war eine Art Schatzkarte.

Gehe 15 Kilometer nach Osten.

Schlag die Mitte raus.

Es geht auf deine Kosten.

Das Spiel heisst Katz und Maus.

Mehr nicht. Was sollte das bedeuten?

Ich sollte 15 Kilometer nach Osten gehen, das war klar. Aber ich wusste, das war mitten im Wald. «Schlag die Mitte raus», wahrscheinlich verstand ich erst, was das bedeutete, wenn ich das Erste erledigt hatte. Also 15 Kilometer nach Osten.

40 Minuten später war ich im Wald und hatte laut dem Navi den Punkt erreicht, wo ich sein sollte. Ich war mit dem Fahrrad hingefahren, über eine kleine Strasse. Aber da war nichts. Ich war irgendwo allein zwischen Tausenden Bäumen, weil ein Unbekannter einen Umschlag in meinen Briefkasten geworfen hatte. Erst jetzt war mir der Irrsinn meiner Situation klar. Was war überhaupt auf dem Messer eingraviert? Das hatte ich noch gar nicht nachgeschaut. Ich nahm das Messer aus meiner Jackentasche und stellte die Taschenlampe meines Handys an. Im schummrigen Licht sah ich, dass ein Wort eingeritzt war. GRABEN. Bedeutete das, dass ich graben sollte?

Ich versuchte es einfach mal. Und tatsächlich: Nach zirka fünf Zentimeter Waldboden war ich durch. Ich fiel etwa einen Meter weit nach unten. Vor mir waren 49 Steine in 7 Reihen übereinandergestapelt. «Schlag die Mitte raus.» Sollte ich den mittleren Stein rausschlagen? Wahrscheinlich schon. Also schlug ich ihn nach hinten. Er fiel mit einem lauten Knall auf den Boden. Und aus dem entstandenen Loch sprang ein grosser, silberner Wolf. Knurrend warf er sich auf mich und ich konnte ihn gerade noch mit meinem Messer abwehren. Der Wolf hatte jetzt eine Stichwunde an der Flanke. «Es geht auf deine Kosten. Das Spiel heisst Katz und Maus.» Aber jetzt hatte sich der Wolf zurückgezogen. Eine Blutspur zeigte seinen Weg. Ich kletterte durch das Loch, und als ich sah, was vor mir war, stockte mir der Atem. Nichts als Gold. Vergoldete Bilder, vergoldete Vasen, vergoldete Kleider und sogar ein vergoldetes Bett. Und an der Wand stand mit roter Farbe ein Wort: Megocheon.

Ich rief die Polizei. 20 Minuten später wurde ich nach Hause gebracht und ein Team vom Untersuchungsinstitut nahm das Grab unter die Lupe. Eine Stunde später wussten sie Bescheid und riefen mich an. Ich hatte angeblich eine neue ägyptische Dynastie mit sechs Pharaonen entdeckt, wovon Megocheon der Letzte war. Die Ägypter fuhren mit dem Schiff und dem Gold um Europa, gruben Höhlen und versteckten das Gold und die Särge hier im kalten Norwegen. Als Belohnung bekam ich eine Million Kronen. Aber wer den Umschlag in meinen Briefkasten geworfen hatte, wird wohl immer ein Rätsel bleiben.