«Klub der jungen Dichter»: Die Liebe zur Musik

zum Gabriel Schwegler erzählt im «Klub der jungen Dichter», wie ein Aussenseiter ein besonderen Weg zum Glück findet.

Gabriel Schwegler, Rothenburg, 2. Sek
Hören
Drucken
Teilen
Gabriel Schwegler.

Gabriel Schwegler.

Cannabis, das war Connors erster Gedanke, als er aufwachte. Er muss runterkommen nach all den Albträumen. Die Droge, die von der Gesellschaft ausgestossen wird, hilft ihm wie vielen anderen Menschen auf dieser Welt beim Abschalten. Er dreht sich also schnell einen kleinen Joint, steckt ihn in den Mund und zündet ihn an. Schnell raucht er ihn runter und macht sich bereit für die Schule.

Er läuft zehn Minuten bis zur Bushaltestelle und wartet noch zwei auf den Bus. Als der Bus ankommt, steigt er ein, setzt sich auf einen freien Platz, setzt seine Kopfhörer auf, nimmt sein Handy hervor und beginnt zu schreiben. Er schreibt Songtexte – über seine Probleme und die Ungerechtigkeit in dieser Welt. Die Musik ist die einzige Möglichkeit für ihn, die Probleme in seinem Alltag loszuwerden und zu verarbeiten. Und er hat durchaus viele Probleme. Mit seinen Eltern und mit seinen Mitschülern. Er war kein normaler Junge, der zur Schule geht, um zu lernen und eine grandiose Zukunft an einer Universität oder Ähnlichem zu haben, er wollte Musiker werden. Auf der Bühne stehen, seine eigenen Texte vortragen und von der Menge bewundert und bejubelt zu werden. Das sind seine Träume.

Er wird aus seiner Träumerei herausgerissen, als der Bus bei der Schule anhält. Er schnappt sich seinen Rucksack, steigt aus dem Bus und betritt den Pausenplatz. Er sucht jedoch nicht sofort nach Freunden auf dem Platz, wie es die meisten tun würden, sondern er macht sich bereits auf den Weg in die Schule rein und ins Klassenzimmer, Englisch stand an. Nicht wirklich sein Lieblingsfach, denn er war, obwohl er gerne Songtexte schreibt, nicht wirklich ein Genie. Er sitzt also meistens im Unterricht faul rum und träumt vor sich hin. Danach sind zwei Lektionen Sport an der Reihe, die Zeit beim Sport geht recht schnell um, und Connor macht sich auf den Weg in die Mittagspause. In der Mensa sitzt er meistens allein am Tisch, weil er ein ruhiger Junge ist, der anders ist als die anderen. Er ist nicht der Typ, der beliebt sein und mit den heissen Mädchen abhängen will. Er will sich selbst sein und sich nicht verstellen müssen, um von den anderen verstanden zu werden.

Als die letzte Lektion fertig ist und er zu Hause ankommt, startet er seinen Laptop und stellt sein Mikrofon auf. Er startet das Aufnahmeprogramm, spielt den Beat ab und rappt seine Lyrics in das Mikrofon. Als er alle Lines korrekt eingesungen hat, macht er sich ans Schneiden und ans Produzieren. Als er um halb eins in der Nacht endlich fertig wird, öffnet er Soundcloud und lädt den Track da hoch. Er hat vor acht Monaten mit der Musik angefangen und hat bereits über 90 Songs hochgeladen. Er hat auch schon über 1600 Follower und über 400 monatliche Hörer. Er lebt quasi für seine Musik und macht in seiner Freizeit fast nichts anderes mehr. Er entschied sich vor zirka einem Jahr dafür, Musik zu machen, als er einen Song von der Hip-Hop-Gruppe N.W.A hörte. Er war fasziniert von ihrer Musik.

Falls man jetzt etwa fünf oder sechs Jahre in die Zukunft schauen würde, könnte man sehen, dass sich Connors Wunsch erfüllt hat und er dank grossem Engagement ein Star in der Hip-Hop-Szene wurde.

Er war endlich glücklich mit seinem Leben, weil er sich seinen grössten Wunsch erfüllen konnte. Durch die Musik lernte er auch endlich Leute kennen, die wie er sind.

Bestimmen Sie den Siegertext mit!

Nicht weniger als 4926 Geschichten sind für den «Klub der jungen Dichter» 2019 eingegangen. Zur Auswahl standen das Thema «Liebe macht blind» sowie ein Textanfang. Wir publizieren täglich zwei der besten 40 Geschichten. Sobald sie in der Printausgabe unserer Zeitung erschienen sind, finden Sie die Texte auch unter www.luzernerzeitung.ch/dichter. Sie, liebe Leserinnen und Leser, können mitvoten: Wir vergeben einen Publikumspreis für den Text, der auf unserer Homepage am meisten angeklickt worden ist. Hat Ihnen also ein Text gefallen, wählen Sie diesen online an. Sie können ihn auch etwa via Facebook weiterempfehlen und so die Klickzahlen noch erhöhen. Die Preisträgerinnen und Preisträger geben wir Mitte Dezember bekannt. Wir danken allen Autoren, ihren Angehörigen und Lehrpersonen.