Klub der jungen Dichter

Green Hell

Yannick Birrer, Kriens, schildert im «Klub der jungen Dichter» das aufwühlende Erlebnis eines Soldaten im Dschungel von Vietnam.

Yannick Birrer, Kriens, 3. Sek
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Yannick Birrer, Kriens, 3. Sek

Yannick Birrer, Kriens, 3. Sek

Die Nacht war kalt und stürmisch, als das Abenteuer begann. «Ein Abenteuer», so nannte zumindest der General das, was uns bevorstand. Wir sassen zu elft unter einer Militärplane, die man notdürftig zwischen drei grosse Palmen gespannt hatte. Rund um uns standen kleine Mauern aus Sandsäcken, die man mit Tarnnetzen abgedeckt hatte. Aus kleinen Einschusslöchern rieselte Sand. Ich schaute auf meine goldene Taschenuhr. Noch fünf Minuten… Wir schauten uns nervös an, in allen Augen lag Angst vor dem, was passieren würde.

Mir gegenüber sass Marcus, muskulös und einer der mutigsten von uns. Während dieses Albtraums waren wir Freunde geworden. Von allen anderen Soldaten kannte ich nur die Namen. Ein Schuss knallte laut durch den Dschungel, und ich erschrak. Da waren sie wieder, die Erinnerungen, welche mich nie mehr verlassen sollten. Verwesende Leichen, abgesprengte Arme und Beine, die Schreie der Fallenden. «Bereitmachen! », die harte Stimme des Generals riss mich zurück ins Jetzt.

Ein letztes Mal checkten wir unsere Sturmgewehre, und dann hörten wir auch schon dieses unglaubliche Dröhnen des riesigen Militärhelikopters, der auf einer kleinen Lichtung landete. Es war so weit. Der Regen peitschte uns um die Ohren, als wir zum Helikopter rannten. Begleitet von dem ohrenbetäubenden Lärm stiegen wir in den Helikopter, schnallten uns an und setzten Kopfhörer auf. Es knackte und die Stimme des Generals drang aus den Kopfhörern. «Wir fliegen in Richtung Westen an die Front. Wir werden die dort stationierten Soldaten im Kampf unterstützen.» Ich spürte mein Herz in meiner Brust wie wild schlagen. Das Adrenalin schoss mir durch die Adern. Wir hoben ab.

Ich sah den endlosen Dschungel Vietnams unter mir. An einigen Stellen stiegen Rauchsäulen in die Luft, ein Zeichen dafür, dass dort Bomben abgeworfen worden waren. «Feindkontakt!», schrie jemand. Keine Sekunde später krachte eine Lenkrakete in den Helikopter. Die Rakete erschütterte den Helikopter stark und er kippte nach rechts. Der Pilot verlor die Kontrolle und wir stürzten ab. Verzweifelt klammerten wir uns an unseren Sitzen fest. Der Helikopter überschlug sich mehrfach in der Luft und schlug schliesslich, durch die dichte Bepflanzung etwas abgebremst, auf dem Boden auf. Langsam kam ich wieder zu mir. Ich hörte ein hohes Pfeifen in meinen Ohren. Da sah ich Marcus. Eine Metallstange hatte sich quer durch seine Brust gebohrt, sein Gesicht war zu einem Schrei erstarrt. Scheisse! Mir stiegen die Tränen in die Augen, doch ich hielt sie zurück. Ich stieg aus dem Wrack des Helikopters. Schüsse knallten durch den Dschungel. Plötzlich sah ich etwas im Dickicht aufblitzen. Ein Scharfschütze! Seelenruhig sah er mich an und zielte sorgfältig. Ich fühlte, wie ich erstarrte.

«Essen!», rief meine Mutter. Enttäuscht schaute ich von dem Buch auf. Ich hätte gerne weitergelesen.