«Klub der jungen Dichter»: Abenteuer in Mexiko

Kay Geringer erzählt im «Klub der jungen Dichter», wie eine überraschende Reise ziemlich gewinnbringend endet.

Kay Geringer, Malters, 6. Primar
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Kay Geringer.

Kay Geringer.

Ich öffnete die Zimmertür. Und traute meinen Augen nicht. Vor der Tür standen meine Eltern und riefen glücklich: «Alles Gute zum Geburtstag!» Auch mein kleiner brauner Hund namens Wuffi bellte wie verrückt, als ob er mir auch gratulieren wollte. Aber was mich wirklich überraschte war, dass meine Mutter vier Flugtickets nach Mexiko in der Hand hatte und ein breites Grinsen erschien auf meinem Gesicht. Ich wollte schon immer mal nach Mexiko fliegen, um mir die Tempel und Pyramiden der Mayas anzuschauen.

«Das ist unser Geburtstagsgeschenk an dich», sagte meine Mutter überglücklich und mir wurde klar, dass ich strahlen musste wie die hell scheinende Sonne am Himmel. Auch meine Mutter strahlte. Plötzlich fiel mir auf, dass meine Mutter vier Tickets in der Hand hatte, aber unsere Familie besteht nur aus drei Personen und ich fragte: «Warum hast du vier Tickets in der Hand?» «Ich dachte, dir wird es vielleicht langweilig nur mit uns und du könntest einen Freund mitneh...» Sie brach ihren Satz ab, als ich überglücklich meine Arme um sie schlang.

«Noch einmal vielen Dank Leo, dass du mich mitgenommen hast!», sagte mein Freund Tim zum gefühlt tausendsten Mal im Wagen, mit dem wir zu einem der alten Maya-Tempel fuhren. Ich antwortete nur mit einem genervten: «Gern geschehen.» Als wir endlich bei dem aus Stein gebauten Tempel ankamen, gingen wir gleich rein. Unser Führer erklärte uns viele von den eingeritzten Symbolen und Tim musste natürlich jedes Symbol, an dem wir vorbeikamen, anfassen. «Hör bitte auf damit!», sagte ich, aber es war zu spät, denn Tim rief: «Hey Leo! Hier lässt sich was reindrücken.» Es machte Klick und der Boden verschwand unter meinen Wanderschuhen. Als ob das nicht reichen würde, landete ich hart auf meinem Po und über mir schloss sich die Falltür.

Zum Glück hatte ich wie immer eine Taschenlampe in meinem Rucksack. Als ich sie einschaltete, sah ich einen Jungen im weissen T-Shirt und schrie: «Ahhhh!!! Ein Geist!» «Krieg dich wieder ein, Leo! Ich bin’s nur!», sagte Tim ängstlich, «Weisst du, wie wir hier wieder rauskommen?» «Nein, aber jetzt können wir nur vorwärts gehen», antwortete ich. Als wir den dunklen Gang entlangliefen, trat ich auf einen hervorragenden Stein, der unter meinem Gewicht nachgab. Unter lautem Zischen schossen mehrere Pfeile an uns vorbei. Wir rannten in Windeseile weiter, bis der Pfeilregen plötzlich aufhörte. «Wir müssen aufpassen, dass wir keine Fallen mehr auslösen!», keuchte ich. «Vielleicht finden wir am Ende den Ausgang und einen alten Mayaschatz», sagte Tim hoffnungsvoll. «Ach, sei doch nicht albern! Gehen wir lieber weiter, aber diesmal ganz vorsichtig», entgegnete ich.

Langsam bekam ich ein mulmiges Gefühl. Als wir im Licht der Taschenlampe eine Kurve sahen, erzählte ich Tim von meinen Befürchtungen: «Was ist, wenn wir hier nie wieder rauskommen?» «Ach, wir kommen hier sicher wieder rauuuuuus!» Diesen kurzen Moment, als Tim sich nicht konzentrierte, stolperte er über einen Strick aus Lianen. «Weg hier!», schrie ich, als plötzlich ein riesiger grauer Felsbrocken von der Decke fiel. Wir rannten um unser Leben. Vor uns tauchte plötzlich ein riesiger Graben auf und wir sprangen. Zum Glück schafften wir den Sprung und der Felsbrocken versank in der Grube. Als wir uns den Gang dahinter genauer ansahen, sagte Tim: «Ich hab’s gewusst, da ist ein Schatz.» Aber ich hatte nur Augen für die Lianen, die den Ausgang versperrten.

Als wir den Schatz mitgenommen und uns durch die Lianen gezwängt hatten, gingen wir zum Eingang und zu unserer Reisegruppe. Meine Eltern waren froh, dass wir wieder da waren. Der Schatz wurde später in ein Museum in Mexiko gebracht und ich hatte das beste Abenteuer erlebt, das es gibt.

Bestimmen Sie den Siegertext mit!

Nicht weniger als 4926 Geschichten sind für den «Klub der jungen Dichter» 2019 eingegangen. Zur Auswahl standen das Thema «Liebe macht blind» sowie ein Textanfang. Wir publizieren täglich zwei der besten 40 Geschichten. Sobald sie in der Printausgabe unserer Zeitung erschienen sind, finden Sie die Texte auch unter www.luzernerzeitung.ch/dichter. Sie, liebe Leserinnen und Leser, können mitvoten: Wir vergeben einen Publikumspreis für den Text, der auf unserer Homepage am meisten angeklickt worden ist. Hat Ihnen also ein Text gefallen, wählen Sie diesen online an. Sie können ihn auch etwa via Facebook weiterempfehlen und so die Klickzahlen noch erhöhen. Die Preisträgerinnen und Preisträger geben wir Mitte Dezember bekannt. Wir danken allen Autoren, ihren Angehörigen und Lehrpersonen.