Klub der jungen Dichter
Das Haus der drei Türen

Johanna Wolf aus Udligenswil schreibt im «Klub der jungen Dichter» über drei sonderbare Türen, die zu einer Fee und fliegenden Wesen führen. Ist alles nur ein Traum?

Johanna Wolf, Udligenswil, 5. Primar
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Johanna Wolf, Udligenswil.

Johanna Wolf, Udligenswil.

Das Haus sah verlottert aus, die Namen auf den Klingelschildern waren unlesbar. Ich stemmte mich gegen die Haustüre, sie war unverschlossen.

Ein leichter Windhauch durchwehte mein Haar. Aber erst einmal, wie es dazu kam. Eines Tages begab ich mich in die Bibliothek. Irgendwo fiel ein Buch herunter. Ich hob es auf und stellte es ins Regal. Als ich zu Hause im Bett war, sah ich das Buch wieder! Es lag offen auf meinem Bett. Die Seiten waren vergilbt und der Geruch von vermoderten Büchern stieg in meine Nase. Ich schloss meine Augen. Als ich sie öffnete, war ich vor einem Haus und trat ein. Es war stockdunkel. Das Licht ging an. Im Zimmer waren Sessel, sie waren rot und gebraucht. Die Vorhänge waren golden und der Stoff von Motten zerfressen. Der Boden war staubig und morsch.

Mein Blick fiel auf eine Tür. Sie war unverschlossen. Ich sah in einen Gang. Ich trat ein. Aber als ich zurückblickte, war die Tür verschwunden. Ich schaute nach vorne in einen hellen Gang mit drei Türen. Eine war aus Holz, eine war flüssig, die dritte strahlte Wärme aus.

Ich ging mit geschlossenen Augen durch eine der Türen. Plötzlich spürte ich etwas wässrig Kaltes an meinen Füssen. Ich öffnete meine Augen und bemerkte, dass ich keine Schuhe anhatte. Ich stand auf einer Wiese, sie hatte kleine Bäche und Seen. Aber irgendetwas war komisch. Warum war das Wasser lila? Ich hörte ein Wimmern. Ich trat näher und sah ein wunderschönes Geschöpf. Es war blau und hatte kleine Flügelchen, die aussahen wie Wassertropfen. Es erklärte mir, dass sein Dorf die Wasserperle verloren hatte und ohne diese gibt es kein Wasser. Es bat mich, die Perle zu suchen, und das tat ich. Wir suchten ohne Erfolg.

Plötzlich hatte ich eine Idee. Ich tauchte und merkte, dass da etwas vor mir war. Da sah sie vor mir – die Perle des Wassers. Ich nahm sie und gab sie der Fee, sie führte mich zu einer Tür und sagte, dies sei die nächste Türe. «Aber du musst nach der vierten Tür suchen.» Ich ging durch die Türe, es wurde hell und warm. Die Sonne brannte mir im Nacken. Da war ein Weg, darauf sass ein kleines rotes Monster. Es schrie mich an. Es hörte sich an wie: «Schwabelspeck Bananen im Haus!» Dann zeigte es in eine Richtung. Dort war wieder eine Tür. Ich dachte mir: Sind dort etwa Bananen dahinter? Ich ging rein und es roch nach frischem Moos und Erde. Ich konnte es kaum glauben. Ich war in einem Wald! Kleine Wesen flogen hektisch um mich herum. Ich folgte ihnen, sie führten mich zu einem riesigen Baum mit langen, verknorrten Ästen. Plötzlich wurden ihre Gesichter traurig. Eines der Wesen sagte: «In letzter Zeit hat es zu viel geregnet. So können wir nicht überleben.» Lange stand ich da und überlegte. Was könnte ich tun? Plötzlich hatte ich eine Idee. Ob sie klappen würde?

Ich ging in die trockene Welt und nahm einen Stein mit in den Wald mit den vielen Bächlein. Als ich ihn unter den Baum legte, zog sich das Wasser zusammen und der Baum richtete sich wieder auf. Im Stamm erschien eine vierte Tür! Sie sah aus wie ein Buch. Ich ging rein und war in einem Schlafzimmer.

Illustration:
Tiemo Wydler

Auf einem Stuhl sass eine alte Frau mit weissen Haaren und furchigem, runzligem Gesicht. Sie sagte zu mir: «Gut gemacht, du hast meine Welten gerettet. Nun kannst du nach Hause zurückkehren. Du hast Mut bewiesen.»

Plötzlich lag ich im Bett. Ich dachte: «Zum Glück war es nur ein Traum.» Aber dann bemerkte ich das Buch unter dem Kopfkissen. Auf der ersten Seite im ersten Kapitel stand: «Das Haus sah verlottert aus, die Namen an den Klingelschildern waren unlesbar. Ich drückte gegen die Haustür. Sie war unverschlossen ...»

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