Klub der jungen Dichter
Der Ausflug

Pauline Mogwitz aus Altendorf schreibt im Klub der jungen Dichter über eine wilde Schulklasse, die ins Mayamuseum geht. Kaum dort angekommen, ertönt ein gellender Schrei...

Pauline Mogwitz, Altendorf, 6. Primar
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Pauline Mogwitz, Altendorf.

Pauline Mogwitz, Altendorf.

Es war schon mutig, ausgerechnet mit unserer Klasse die Museumsführung zu buchen. Aber was dann geschah, hätte wohl niemand gedacht.

Alles begann, dass Frau Sauermund uns nahelegte, mit unserer Klasse an einem Quizwettbewerb teilzunehmen. Nichts Besonderes, schliesslich hatten wir Nora das Mathe-Ass, Emilian die Geometrie-Maschine und Anna-Lena die Geschichts-Streberin unserer Schule in der Klasse. Wir freuten uns sehr auf einen tollen Preis wie beispielsweise Kinotickets, Jokertage oder einen Besuch im Europa Park. Ihr fragt euch sicher, warum ich so ein Riesendrama daraus mache. Antwort: Wie bei so vielem im Leben war es den höheren Mächten ziemlich egal, was wir niederen Würmer uns wünschten. So gewannen wir, Trommelwirbel: einen Ausflug ins Mayamuseum.

Mit unserer Klasse hatte sich noch kein Lehrer getraut, auch nur annähernd etwas Ausflugmässiges zu unternehmen, da die meisten unserer Klasse so gut wie immer randvoll mit angestauter Energie waren und kein einziger Schüler unserer Klasse bereit war, sich in irgendeiner Weise auf dieses Mayathema einzulassen. Aber Frau Sauermund blieb hart. Vermutlich lag es daran, dass sie unsere Klasse erst seit einem Monat unterrichtete. Und so fuhren wir ständig nörgelnd per Bus ins Museum. Als wir dort ankamen, sank die Laune zehn weitere Prozent. Das Museum war für ziemlich wenig Geld mit einer Art Kunststoffschlamm bedeckt und mit Steinen beklebt worden, so dass das bräunliche Gebilde am Schluss wahrscheinlich an einen Mayatempel erinnern sollte. Zu unserer Verwunderung gingen wir trotzdem hinein, die Lehrer zielstrebig vorneweg. Eine füllige Frau mit dünnem, schulterlangem blondem Haar empfing uns in einer grossen Halle, vollgestellt mit Holzschnitzereien. Als meine beste Freundin Felicia mir zuflüsterte, sie müsse aufs Klo, nickte ich nur und versuchte mich weiterhin, auf eine Po-ähnliche Schale zu konzentrieren. Plötzlich hörten wir einen gellenden Schrei aus der Gästetoilette.

Ich erinnerte mich nicht daran, wie ich zur Toilette gelangt war. Jedenfalls stand ich plötzlich dort. Zuerst sah ich nichts, doch dann spähte ich in die hintere Ecke des engen, mit Neonlicht beleuchteten Raums. Die Decke war heruntergebrochen. Im ganzen Raum breitete sich in Sekundenschnelle eine dichte Staubwolke aus. Die linke Ecke des Raums lag in Trümmern. Riesige Gesteinsbrocken lagen aufeinander getürmt da. Noch zwei Meter weiter bröckelte der Putz unablässig von den Wänden.

Hektisch suchten meine Augen den Raum nochmals ab, während die anderen laut keuchend hinter mir auftauchten. "Ruft einen Krankenwagen", kreischte Frau Sauermund schrill, dabei hatte die Klasse längst damit begonnen, Schutt und Staub wegzutragen. „Ich habe sie!", rief Klara plötzlich. Sofort rannte ich zu ihr und kniete mich in den Staub. Tatsächlich sah Felicia, abgesehen von ihrer Blässe, ziemlich unbeschadet aus. Ihre Augen waren geschlossen und ihre langen Haare lagen wie ein dreckiger Fächer um ihren Kopf herum. Frau Sauermund schickte jetzt alle in die Empfangshalle, während der Krankenwagen eintraf und meine arme Freundin mitnahm. Wir sassen während dieser Zeit still in einem Kreis und kneteten bedrückt unsere Hände bis Frau Sauermund verkündete, wir würden nach Hause fahren.

Illustration:
Tiemo Wydler

Zum Glück ging es Felicia tags darauf schon viel besser. Sie hatte eine leichte Gehirnerschütterung erlitten und unzählige Beulen und Prellungen davongetragen. Deswegen musste sie noch fünf Tage zu Hause bleiben, bis sie wieder zur Schule durfte. Diese klagte das Mayamuseum an, welches daraufhin schliessen musste. Und weil wir armen Kinder unseren Preis nicht bekamen, wurde aus der Führung durchs Mayamuseum: Ein Kinobesuch mit der ganzen Klasse und als Wiedergutmachung eine Woche länger Ferien. So etwas lässt sich sehen, finde ich.

Felicia prahlte noch ein paar Tage damit, dass wir das nur ihr zu verdanken hätten. Aber wir liessen es ihr durch gehen. Denn insgeheim waren wir alle froh, dass ihr nichts Schlimmeres passiert war.