Klub der jungen Dichter
Der Museumsbesuch

Ida Wieders aus Zug schreibt im Klub der jungen Dichter über eine Exkursion, die bald aus dem Ruder läuft. Die Mumien sind los ...

Ida Wieders, Zug, 3. Kanti
Drucken
Ida Wieders, Zug.

Ida Wieders, Zug.

Es war schon mutig, ausgerechnet mit unserer Klasse die Museumsführung
zu buchen. Aber was dann geschah, hätte wohl niemand gedacht. Ich will mal ganz von vorne beginnen: Es war ein Mittwochnachmittag und wir, die Klasse 4b, überredeten unsere Lehrerin, unsere Exkursion ins Ägyptische Museum zu machen. Ihr fragt euch, wieso überredeten? Ganz einfach, unsere Lehrerin kannte uns ganz genau! Na ja, ich kann es nicht leugnen, wir waren nicht die einfachste Klasse. Zurück zur Geschichte: Wir alle freuten uns riesig auf den Ausflug und ich insbesondere, da ich mich sehr für die alten Ägypter interessierte. Als es endlich Freitag war, fuhren wir mit dem Bus los. Als wir noch das letzte Stückchen zum Museumseingang gingen, fiel Tobias ein, dass er seinen Rucksack im Bus liegen gelassen hat. Unsere Lehrerin beschloss, uns beim Museum abzuladen, um danach nach dem Rucksack zu suchen. Das war der Beginn allen Übels!

Als wir in die grosse Eingangshalle liefen, blieben meine Augen an einem Poster einer Mumie mit goldenen Ketten hängen. Die war wirklich angsteinflössend und doch konnte ich es kaum erwarten, sie in echt zu sehen. Wir begannen unsere Führung ohne unsere Lehrerin, zum Bedauern der jungen Führerin, denn nur fünf Minuten nach Führungsbeginn hatte sie uns komplett aus den Augen verloren: Karlchen und Tobias machten Selfies mit einer Mumie im dritten Stock. Pauline, Katarina und Sabrina verschanzten sich in der Toilette im Erdgeschoss und gingen ihrer Lieblingsbeschäftigung nach: lästern! Bettina und Lasse versuchten Bruno wie einen Ägypter einzukleiden, wobei sie die Nicht-berühren-Schilder einfach ignorierten.

Ich bin mehr so der Einzelgänger, daher schaute mir das Museum alleine an. Als ich gerade im selben Raum war wie Bettina, Lasse und Bruno, der irgendwie nicht mehr so aussah wie Bruno, passierte es: Bruno konnte mit all den Sachen, die er anhatte, sein Gleichgewicht nicht mehr halten und stürzte direkt auf den Glaskasten, in dem sich die Mumie vom Poster der Eingangshalle befand! Es klirrte und krachte und durch den Dampf, der von der Vitrine kam, konnte ich nichts mehr erkennen. Als der Dampf sich legte, konnte ich erkennen, wie Bruno sich mühsam aufrappelte und anfing zu grinsen, so, als wäre das, was gerade passiert war, zum Totlachen. Ich machte mir nichts draus, denn was hätte ich anderes erwarten können, wir waren schliesslich die 4b!

Als ich gerade in den nächsten Raum ging, fing Bettina an zu schreien, als ob ihr Leben davon abhinge! Ich drehte mich also um und konnte meinen Augen nicht trauen. Die Mumie war ebenfalls dabei, sich aufzurichten und gab dabei seltsame Geräusche von sich. Als die Mumie sich komplett aufgerichtet hatte, fing sie an, in unsere Richtung zu gehen, worauf ich laut zu Lasse sagte: Schlag mich mal! Dies bereute ich wenige Sekunden später, denn Lasse schlug voll zu. Noch halb benommen, schaute ich wieder in Richtung der Mumie, die immer noch geradewegs auf uns zulief! Wir fingen an zu rennen. Mein erster Gedanke: Einfach so weit und schnell es geht weg von hier!

Illustration:
Tiemo Wydler

Dadurch, dass wir durch das gesamte Museum rannten, um zum Ausgang zu gelangen, lösten wir eine Massenpanik aus. Doch als wir am Ausgang standen, machten wir eine böse Entdeckung: Die Tür war verschlossen! Und anscheinend hatte die Kettenmumie Anhänger gefunden, denn es wurden immer mehr Mumien zum Leben erweckt. Und plötzlich waren da auch noch so Zombies mit Masken, die uns einer nach dem anderen eine grüne Chemikalie spritzten! Ich versuchte zu rennen, doch vergeblich. Ich wachte im Krankenhaus auf und war komplett neben der Spur. Ein Polizist erklärte mir schnell, was geschehen war, denn ansonsten wäre ich einfach aufgestanden und hätte mich in ein Irrenhaus begeben.

Es war so, dass in der Vitrine ein Gas war, welches sich im ganzen Museum verbreitet hatte und uns allen Halluzinationen hervorgerufen hatte. Zum Glück hatte das unsere Lehrerin, die gerade mit Tobias’ Rucksack zurück kam, gemerkt und uns im Museum eingesperrt. Und die Zombies, die eigentlich keine Zombies waren, haben uns so eine Art «Gegengift» gespritzt. Wenn das mal kein Erlebnis war, dann weiss ich auch nicht. Auf jeden Fall war es unsere erste und letzte Exkursion.