Klub der jungen Dichter
In die Enge getrieben

Nino Schnellmann aus Wangen schreibt im «Klub der jungen Dichter» über ein gruseliges Abenteuer. Und zeigt, wie fies gewisse Leute sein können.

Nino Schnellmann, Wangen SZ, 1. Sek.
Drucken
Nino Schnellmann, Wangen SZ.

Nino Schnellmann, Wangen SZ.

Das Haus sah verlottert aus, die Namen an den Klingelschildern waren unlesbar. Ich drückte gegen die Haustür, sie war unverschlossen. Zögernd betrat ich das Haus, in dem ich Schreie gehört hatte.

Ich blickte mich um und traute meinen Augen kaum. Innen war das Haus modern ausgestattet. Staunend betrachtete ich den grossen, ovalen Mahagonitisch und die aerodynamischen Stühle, die rundherum standen. Die Küche befand sich im Zimmer nebenan und das Wohnzimmer weiter hinten. Alles in allem wirkte das Haus ziemlich gemütlich. Das einzig Gruselige war: Es wirkte wie ausgestorben. Keine Geräusche waren zu hören, ausser das meiner leisen Schritte auf dem Vinylboden.

Ich blieb stehen und lauschte. Stille, gespenstische Stille. Doch dann hörte ich wieder einen schrillen Schrei. Ein eiskalter Schauer lief über meinen Rücken. Wer war das? Mit einem mulmigen Gefühl schlich ich in die Küche, von da kamen die Schreie vermutlich. Doch jetzt war alles wieder verstummt. In der Küche angekommen, verharrte ich für einen Moment und horchte noch einmal. Nichts. Wo kamen sie her? Ich spitzte die Ohren und was ich feststellte, liess mich erstarren. Die Schreie kamen aus dem Kühlschrank. Ich legte die Hand auf den Griff… und nahm sie wieder weg, atmete tief durch und öffnete den Kühlschrank dann doch. Dahinter war aber nicht etwa ein normales Kühlregal, nein, dahinter war eine Art Geheimgang. Ein dunkler Flur führte nach hinten. Ich konnte nur ein paar Meter weit sehen.

Illustration:
Tiemo Wydler

Meine Neugier war zu stark, ich musste da rein. Einen Lichtschalter gab es nicht. Egal, ein bisschen Licht fiel ja noch von aussen rein. Ich betrat den Flur, machte vorsichtig ein paar Schritte nach vorne – und hörte einen Rums, als jemand die Kühlschrank-Tür hinter mir zuschlug. Auf einen Schlag war es stockdunkel. Mein Puls schnellte hoch. Ich hämmerte gegen die Tür, doch sie war verriegelt. Panik erfasste mich, das einzige, was ich machen konnte, war den Geheimgang abzutasten und weiter hineinzulaufen. Das machte ich auch, bis ich spürte, dass die Wände sich auf mich zu bewegten. Sie würden mich erdrücken! Mit aller Kraft hielt ich dagegen, doch es brachte nichts. Meine Arme wurden schon gegen meinen Körper gepresst und die Wände drückten weiter. Ich würde sterben und niemand würde mich jemals hier drin finden. Ich schrie verzweifelt um Hilfe.

Und plötzlich, als hätte mein Hilfeschrei als Codewort funktioniert, hörten die Wände auf sich zu bewegen und Licht ging an. Eine Geheimtür am Ende des Flurs öffnete sich. War das eine Falle? Egal, ich musste die Chance nutzen. Schnell huschte ich zum Ausgang und sprang hinaus. Rund um den Eingang standen Leute, die Kameras in den Händen hielten. Sie erklärten mir, dass ich einem «Versteckte-Kamera-Team» auf den Leim gegangen und alles nur gespielt gewesen war. Fassungslos blickte ich sie an. Ich brauchte einen Moment, bis auch ich erleichtert auflachen konnte. Doch eine Frage hatte ich noch: «Wo kamen diese Schreie her?» Grinsend deutete ein Mitarbeiter auf eine Musikbox, die gut getarnt in einer Ecke des Geheimganges stand. Lächelnd machte ich mich auf den Heimweg und überlegte, wie ich mich revanchieren könnte…