Klub der jungen Dichter
Der Weg des Ungläubigen

Leon Ottiger aus Luzern schreibt im «Klub der jungen Dichter» über eine unheimliche Erfahrung mit Magie. Ein ominöses Licht weist dem Protagonisten den Weg durch ein Haus über uralte Treppen.

Leon Ottiger, Luzern, 3. Sek
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Leon Ottiger, Luzern.

Leon Ottiger, Luzern.

Das Haus sah verlottert aus, die Namen an den Klingelschildern waren unlesbar. Ich drückte gegen die Haustür, sie war unverschlossen...

Jahr 2099, ein schicksalhaftes Jahr. Ich, John Hector Mc Farlayne, der berühmt berüchtigte Lokaljournalist, habe eine Story ins Leben gerufen, welche meines total veränderte. Alles begann mit einem Besuch eines ominösen und altmodisch gekleideten Mannes, welcher sich als August von Bernstein vorstellte und mir eine spannende Story versprach. Mein Interesse war geweckt. Ich sagte ihm er solle mir einmal erzählen, was er mir anbiete und was ich tun müsse, um eingeweiht zu werden. Er druckste ein bisschen rum, bis er dann mit der Sache herausrückte. Es ging um Magie, genauer gesagt wollte er mir beweisen, dass es Magie gibt. Wahrscheinlich war der schon wieder so ein Aktivist von dieser Organisation “For Magic”, oder so was. Auf jeden Fall stimmte mich das Thema Magie nicht besonders munter. Dennoch hörte ich ihm zu und erfuhr Folgendes:

Diese Organisation, bei welcher er Mitglied war, hiess tatsächlich “For Magic” und forschte schon über 50 Jahre an einem, von ihr entdeckten Fachgebiet namens Magie. Magie bedeutete so in etwa das Gegenteil von Logik und Elektrizität. Sie basierte auf Glauben und Bruderschaft. Man musste sie erlernen und mit, beziehungsweise für sie leben.

Seine Rede beeindruckte mich kein bisschen, doch ich liess mich trotzdem zu einem Besuch in einem sogenannten Hauptquartier lotsen. Dort wurde mir gesagt, dass ich warten sollte, was ich dann auch ganze zwei Stunden tat. Das Haus sah verlottert aus, die Namen an den Klingelschildern waren unlesbar. Ich drückte gegen die Haustür, sie war unverschlossen. Als ich eintrat, wollte ich laut rufen, doch es verschlug mir die Stimme. Ich konnte nichts sagen, denn ich war so verdutzt über die Wände, welche voller scheinbar spiritueller Zeichnungen waren. Alles war düster und sah sehr alt und modrig aus.

Illustration:
Tiemo Wydler

Weit und breit war niemand, im ganzen Haus nicht ein Mensch und doch gab es eine Lichtquelle, die ich nicht einordnen konnte. Es war totenstill. Mir wurde es zu bunt und ich rief laut in die Stille: “Ist hier jemand? Mister von Bernstein? Irgendjemand?” Von Bernsteins Stimme ertönte, vom Hall verzerrt, und sie rief mich zu ihm. Doch wo war er? Das ominöse Licht wies mir den Weg und hätte ich damals schon gewusst, wie lange und wie hart dieser Weg war, hätte ich ihn nicht eingeschlagen, sondern hätte mich umgedreht und wäre aus dem Haus gelaufen. Wie schon gesagt, die Lichtquelle führte mich durch die Dunkelheit. Treppen hinauf und hinunter. Uralte Treppen, welche bei jeder Stufe zu knarzen begannen. Das Knarzen wurde von komischen Lauten begleitet und bildete zusammen mit ihnen einen Chor des Grauens. Langsam wurde es mir zu bunt, ich hatte Angst, unglaubliche Angst, doch ich konnte nicht umkehren, denn der Vorhang der Dunkelheit schloss sich hinter mir. Der Angstschweiss lief mir in Bächen hinunter.

Langsam versagten mir die Knie und ich nahm den ganzen Rest meines Mutes zusammen und rief: “Mister von Bernstein, b..bitte h..helfen sie mir! Ich halte das nicht mehr aaauus! Sagen Sie mir, was ich machen muss! Biittee!” Seine raue, mit Hohn verzerrte und von Gelächter begleitete Stimme rief: ”Sie müssen glauben Mc Farlayne, GLAUBEN hahhahahahhahaaa!” Ich wusste, was er meinte, doch ich konnte seinen Rat trotzdem nicht umsetzen. Ich probierte es tausend Mal und plötzlich wurde es hell. So hell, dass es schon durch die geschlossenen Augen hindurch schmerzte, ja sogar brannte. Es wollte und wollte nicht aufhören, doch... Plötzlich haben auch mich die Arme der Magie umschlungen und mitgerissen. Ich war nun auch ein Teil von ihr. Der Magie.

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