Klub der jungen Dichter
Die Museumsführung

Alexa Fischer aus Oberkirch schreibt im Klub der jungen Dichter über die unverhoffte Begegnung mit einem lebenden Dinosaurier. Wie kann dieser gebändigt werden?

Alexa Fischer, Oberkirch, 5. Primar
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Alexa Fischer, Oberkirch.

Alexa Fischer, Oberkirch.

Es war schon mutig, ausgerechnet mit unserer Klasse die Museumsführung zu buchen. Aber was dann geschah, hätte wohl niemand gedacht…

Ich freute mich schon seit Wochen auf diesen Tag. Denn heute hatte unsere Lehrerin einen Ausflug ins Naturhistorische Museum geplant. Wir trafen uns alle vor dem Eingang des Museums und schlüpften dann gespannt hinein. Plötzlich hörte ich einen Schrei! Ich schaute mich erschrocken im Raum um, um selber für einen Moment zu erstarren: ca. zehn Totenköpfe, die auf der Fensterbank standen, glotzten mich an! Zu meiner Erleichterung, hörte ich unsere Lehrerin sagen: «Keine Sorge, das sind «nur» Eichhörnchenschädel.» Wir gingen vorsichtig weiter in den dunklen Raum hinein.

Zehn Minuten später bekamen wir schon den nächsten Schreck. Unsere Lehrerin hatte uns nämlich mit dem Museumsführer Professor Lebensgefährlich verabredet. Dieser sah aus wie eine Kreuzung aus Nacktkatze und Kröte; er war klein, sein Körperbau kräftig und seine Beine kurz. Sein Kopf hingegen war spitz und eckig, sein Kinn ausgeprägt und sein Kopf kahl. In seiner linken Hosentasche steckte irgendetwas Blaues... Prompt fragte Ben neugierig: «Was ist das?» Er deutete auf das Fläschchen. ,»Das, daass  geht euch nichts an!», stotterte die Nacktkrötkatze.

«Och, bitte, bitte!», flötete nun unsere Überredungskünstlerin Laura. «Na gut, aber es muss unter uns bleiben. Das ist ein Lebendigkeitstrank. Ich bin nämlich auch noch Alchimist. Wenn man nur schon einen Tropfen davon auf beispielsweise einen ausgestopften Leoparden gibt, wird er lebendig.» «Wie cool!», rief Ben. Schon schnappte er sich geschickt die Flasche und rannte zu einem Allosaurus-Skelett(!). «Nein, nein, mach das nicht! Das ist gefährlich!» Aber es war zu spät, er hatte sie schon über dem Schädel ausgeschüttet! Plötzlich bewegte sich der Armknochen des Dinos. Er hob den Kopf und peitschte mit seinem Schwanz! «Hilfe!!, rennt um euer Leben!», brüllte Professor Lebensgefährlich. Wir versammelten uns im Keller des Museums. Der Museumsführer raufte sich die Haare, äh, die Glatze: «Das Problem ist, dass der ,,Gegenzauber” ziemlich gefährlich ist.»

Illustration:
Tiemo Wydler

«Was muss man denn machen, um den Dino wieder in den Normalzustand zu zaubern?!», fragte unsere Lehrerin nervös. «Nun ja, man muss mit dem sagenumwobenen Drachenstein das zum Leben erweckte Wesen berühren…» «Und sonst gibt es keine Lösung?!», rief unsere Lehrerin verzweifelt. «Nein, tut mir leid.» «Aber wir können doch nicht einfach hier sitzen und nichts tun», warf ich ein. Nach längerer Diskussion entschieden wir, dass Professor Lebensgefährlich versuchen würde, den Drachenstein aus der Vitrine zu nehmen, während ich den Allosaurus ablenken würde. Auffressen konnte er mich ja schliesslich gar nicht, denn er bestand nur aus Knochen. Na ja, und spitzen Zähnen... Ich versteckte mich also mutig hinter einem ausgestopften, schielenden Jaguar und schlich mich dann leise an das Knochenmonstrum heran. Ich suchte fieberhaft einen Gegenstand, den ich dem Dino vor seine Füsse schmeissen konnte. Gedankenverloren griff ich in meine leeren Hosentaschen. Moment! Leer? Was war denn das? Ach, ja! Mein in Alufolie verpacktes, halb aufgegessenes Schinkensandwich! Erleichtert über den Fund und gleichzeitig enttäuscht, weil ich es für später aufheben wollte, knallte ich es ich ihm vor die Füsse. Es klappte: Der Saurier bewegte den Kopf in dessen Richtung! Ich beobachtete, wie sich der Professor zur Vitrine schlich, den Stein entnahm und sich langsam dem Sandwich kauenden Allosaurus näherte. Kaum berührte er den Schwanz, erstarrte der Allosaurus wieder als wäre nichts gewesen. «Juhu! Wir haben es geschafft!», jubelte der Museumsführer.

Zur Feier des Tages lud er uns alle in die Museumscafeteria ein. Ich bestellte, natürlich, ein Schinkensandwich!

Abends lag ich noch lange wach im Bett und dachte über den Tag nach. Ich beschloss nie wieder mit meiner Klasse ins Museum zu gehen. Ab besten, ich meldete mich das nächste Mal einfach krank.