Klub der jungen Dichter
Die sieben Mädchen und die Entführung im alten Haus

Novelie Fux aus Buochs schreibt im Klub der jungen Dichter über ein gruseliges Abenteuer in einer Villa. Eine dunkle Gestalt verbreitet Schrecken.

Novelie Fux, Buochs, 6. Primar
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Novelie Fux, Buochs.

Novelie Fux, Buochs.

Das Haus sah verlottert aus, die Namen an den Klingelschildern waren unlesbar. Ich drückte gegen die Haustür, sie war unverschlossen.

Es war 6.35 Uhr, als mich mein Wecker unsanft aus dem Schlaf zog. Es war Freitag und ich hatte Schule. Meine Mutter rief. «Es gibt Frühstück!» Als ich mich fertig gemacht hatte, ging ich in die Schule. Wir hatten Deutsch, Französisch und Mathe. Als die Schule endlich fertig war, traf ich mich wie immer mit meinen Freunden Lisa, Loren, Angelina, Jane, Cathe und Paula. Wir kannten uns schon sehr lange und hatten bis jetzt alles zusammen gemacht. Paula war die jüngste und ich, Lou, war die älteste. Heute gingen wir zu dem alten Haus. Es war schon lange verlassen und keiner wollte es haben. Ich sagte: «Angeblich soll es darin spucken.» Paula zuckte zusammen und Cathe umarmte sie sofort. «Hab keine Angst, das sind nur alte Schauergeschichten, die sind überhaupt nicht wahr», sagte Cathe.

Wir waren eine sehr wilde Truppe, die auf Abenteuer stand. Also vereinbarten wir eine Übernachtung bei Loren, weil ihre Eltern übers Wochenende wegfuhren. Wir gingen alle zu uns nach Hause und holten unsere Sachen. Als wir bei Loren ankamen, waren ihre Eltern bereits weg. Wir gingen danach sofort zum alten Haus. Es war eine sternklare Sommernacht. Als wir ankamen, war das Haus noch gruseliger als am Tag zuvor. Das Haus wirkte noch kaputter und im Garten waren überall Spinnweben. Wir liefen auf das alte Eingangsportal zu und Jane drückte die Klinke herunter, die Tür ging mit einem Knarren und Quietschen auf. Drinnen war es stockfinster, aber wir hatten ja alle unsere Taschenlampen dabei. Wir erkundeten das Haus. Angelina erschrak richtig fest, als sich ihr Taschenlampenschein in einem alten Spiegel spiegelte und sie ein glimmendes Licht sah. Lisa musste sie sicher fünf Minuten davon überzeugen, dass das nur ein Spiegel war.

Plötzlich hörten wir einen entsetzten Schrei aus dem Keller! Wir standen alle wie versteinert da und hatten fürchterliche Angst. Da kam Jane auf die Idee, dass das nur ein Bewegungsmelder ist, der Eindringlinge abhalten soll. Also gingen wir in den Keller, um das Ding auszuschalten. Da rannte uns plötzlich eine dunkle Gestalt um. Sie schien genauso erschrocken wie wir zu sein, sah deshalb den Pfosten am Ende der Treppe nicht und krachte mit voller Wucht hinein. Da sahen wir eine junge Frau auf uns zu rennen. Während die Gestalt noch bewusstlos auf dem Boden lag, half uns die Frau auf und rief: «Schnell, wir müssen hier weg, ich erkläre euch alles später!»

Als wir aus dem Haus raus waren und in den Wald rannten, erklärte sie uns: «Ich heisse Marianne und werde seit einem Jahr hier festgehalten. Vielleicht habt ihr vor einem Jahr eine Vermisstenanzeige in der Zeitung gesehen.» «Ja, das haben wir», sagte ich. «Dieser Mann ist sehr gefährlich, wir müssen so schnell von hier weg. Ich kenne eine kleine Blockhütte am Waldrand, sie ist mein kleiner Rückzugsort, den ich mit Essen und Getränken für eine ganze Woche ausgestattet habe.» Das trockene Laub und die Äste, die unter unseren Füssen zerbrachen, knackten und knirschten, während ein kühler Spätsommerwindhauch durch unsere Haare fegte. Wir kämpften uns durch den Wald, rannten durch Schlamm und sprangen über kleine Bäche. Obwohl wir alle müde waren und Seitenstechen hatten, trieb uns die Angst vor der Gestalt immer weiter voran. Endlich kam der Waldrand, aber wir sahen keine Blockhütte! Cathe fragte: «Wo ist die Blockhütte?» Marianne antwortete: «Gleich da vorne, sie ist sehr gut getarnt.» Marianne führte uns ins Unterholz. Plötzlich zog sie uns in eine geschlossene Baumkette und darin war unter vielen Blättern, Ästen und sonstigem eine Blockhütte. Schnell gingen wir in die Hütte. Nur wenige Minuten später sahen wir, wie die Gestalt an uns vorbeirannte.

Illustration:
Tiemo Wydler

Marianne gab uns eine Tasse mit Kräutertee und erzählte uns, wie sie eines Tages gerade von der Arbeit zurücklief und dann plötzlich in einen schwarzen Van gezogen wurde. Sie hatte so grosse Angst, dass sie sich nicht mehr bewegen konnte. «Das ist ja furchtbar», sagte Jane. Als die Morgendämmerung kam, schlichen wir uns aus der Blockhütte. Wir mussten sehr langsam und vorsichtig gehen, denn wir wussten, dass die Gestalt, die eigentlich ein Mann namens Markus war, noch irgendwo da draussen war.

Wir irrten zwei Stunden durch den Wald, dann kamen wir erschöpft in unserem Dorf an. Wir liefen schnell zu der Polizeiwache, wo wir auf unsere Eltern stiessen, die gerade eine Vermisstenanzeige aufgaben. Wie es schien, hatten sie uns angerufen, aber wir gingen nicht ran und als wir nicht nach Hause kamen, bekamen sie grosse Angst. Als sie uns sahen, brachen sie in Tränen aus. Die Eltern von Marianne waren ausser sich vor Freude. Endlich hatten sie ihre Tochter wieder. Wollt ihr wissen, was aus Markus geworden ist? Der wurde gefunden und zu 20 Jahren Haft verurteilt.