Klub der jungen Dichter
Die Taschenlampe

Elisabeth Fischer aus Ebikon schreibt im Klub der jungen Dichter über eine wundersame Begegnung mit einem gutmütigen Wesen. Ist alles bloss ein Traum?

Elisabeth Fischer, Ebikon, 5. Primar
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Elisabeth Fischer., Ebikon.

Elisabeth Fischer., Ebikon.

Das Haus sah verlottert aus, die Namen an den Klingelschildern waren unlesbar. Ich drückte gegen die Haustür, sie war unverschlossen. Als ich hinein ging breitete sich ein mulmiges Gefühl in mir aus. Als ich die Treppen hoch ging wurde das Gefühl stärker. Das Gefühl wurde noch viel stärker als ich in dem verlassenen Haus die Tür ganz oben links aufdrückte (sie war unverschlossen) und hinein ging. Gleich darauf stiess mein Fuss gegen etwas, das daraufhin weg rollte, es war eine Taschenlampe mit seltsam verschnörkelten Zeichen darauf. Ich knipste die Taschenlampe an. Ich hatte sie zufälligerweise auf eine Wand gerichtet und dort, wo das Licht der Taschenlampe auf die Wand traf, wurde sie ganz durchsichtig. Meine Gedanken wirbelten durcheinander: «Ist das Magie? Nein, Magie gibt es nicht! Oder vielleicht doch? Nein das ist wahrscheinlich eine hoch moderne Erfindung.»

Während ich so dachte achtete ich gar nicht darauf was hinter der Wand geschah. Ein grosses seltsames Wesen kam auf den durchsichtigen Teil der Wand zu, und ging hindurch. Das Wesen war gross, nein es war sehr gross. Es hatte grosse Flügel aber das seltsamste an dem Tier war seine Farbe. Die Farbe gab es nicht, es sah aus als ob es alle Farben wären. Allerdings war es nicht braun, denn normalerweise gibt es braun, wenn man alle Farben mischt. Es hatte schwarze Streifen und hatte Ähnlichkeiten mit einem Tiger. Als ich das Wesen schliesslich doch entdeckte war es kaum einen Meter entfernt. Es sah nicht bösartig aus aber ich hatte trotzdem eine riesen Angst. Erst als sich das Wesen auf dem Rücken legte wie ein Hund, begriff ich das es gar nicht böse war. An seinem Hals sah ich ein Halsband auf dem geschrieben stand: «Ich heisse Ski.» Gleich nach dem ich es gelesen hatte verblassten die Worte und andere tauchten auf: «Wie heisst du?» So konnte ich mich also mit dem Tier unterhalten! Ich antwortete dem seltsamen Tier also: «Ich heisse Mo.» Plötzlich spürte ich eine Hand an meiner Schulter! «Aufwachen! Du musst in die Schule», hörte ich die sanfte Stimme meiner Mutter. Es war also nur ein Traum. Erst dann dachte ich daran, dass ich an dem Tag Geburtstag hatte. Ich war ziemlich spät dran, also zog ich mich in aller Eile an, frühstückte und ging aus dem Haus.

Die Schule war wie immer total langweilig. Auf dem Heimweg nahm ich die Abkürzung durch den Park. Doch im Park sah ich eine Statue, die mir noch nie aufgefallen war. Sie sah genauso aus wie Ski und war auch genauso gross. Wie in meinem Traum! Ich berührte die Statue und schloss die Augen. Ich stellte mir Ski ganz genau vor und murmelte:

In sich erstarrt und ganz allein

ist nun nicht mehr nur aus Stein.

Ich wusste nicht woher ich die Worte kannte aber ich spürte, dass sie ganz tief aus meinem Inneren kamen. Als ich die Augen öffnete stand Ski dort genauso lebendig wie in meinem Traum.

Ich fragte Ski: «Was ist passiert?!?»

Auf dem Halsband stand: «Ich brauche deine Hilfe! Ich wurde verzaubert. Eigentlich bin ich nämlich ein Mensch. Nur du kannst mich retten. Du brauchst die Taschenlampe aus dem Traum.»

«Aber wie soll ich die Taschenlampe kriegen?», fragte ich Ski.

Ski antwortete sofort: «Du kannst die Taschenlampe aus dem Traum holen. Du musst nur noch mal von der Taschenlampe träumen.»

«Und wie bekomme ich die Taschenlampe, wenn ich von ihr träume?», fragte ich aufgeregt.

«Du brauchst eine meiner Flügelfedern! Im Traum musst du mit der Feder über die Taschenlampe streichen und sie taucht in der normalen Welt auf. Sobald ich die Taschenlampe sehe, wecke ich dich.» Ski erzählte das alles so schnell, dass ich sie fast nicht verstand.

«Aber ich kann nicht träumen was ich will!», zweifelte ich an ihrem Plan.

Ski lachte darüber nur und erklärte mir: «Ich habe Traumstaub! Du musst bloss in den Staub hinein schreiben was du träumen willst.»

«O.K. aber bitte erst am Nachmittag», sagte ich. Denn ich wollte nicht zu spät zum Mittagessen kommen, weil an dem Tag mein Geburtstag war und es Pfannkuchen zum Mittagessen gab.

Illustration:
Tiemo Wydler

Am Nachmittag ging ich so schnell wie möglich in den Park. Ski wartete dort schon auf mich. Sie liess den Traumstaub auf dem Boden rieseln und diktierte mir was ich hineinschreiben sollte. Als ich fertig geschrieben hatte und wir den Staub wieder eingesammelt hatten erklärte mir Ski, dass ich einen Teelöffel von dem Staub essen sollte. Ich ging nach Hause um einen Teelöffel zu holen. Als ich zurück kam stand Ski mit einer merkwürdigen Pose in der Mitte des Platzes. Erst dann entdeckte ich die Oma die vorbei humpelte. Es dauerte eine halbe Ewigkeit bis die Oma verschwunden war. Wir beschlossen, uns hinter einem Baum zu verstecken damit wir ungestört waren. Ich nahm einen Löffel Staub zu mir und fiel in einen tiefen Schlaf. Ski drückte mir die Feder noch gerade rechtzeitig in die Hand bevor ich einschlief.

Beim Aufwachen lag die Taschenlampe neben mir auf dem Boden. Ich konnte mich nicht erinnern was ich geträumt hatte aber offenbar hatte es geklappt!!! Juhu!!! Ski strahlte mich an und lachte! Ich fragte sie, was ich tun müsste, damit sie wieder ein Mensch werden kann. «Du musst zweimal auf den Druckknopf drücken und mich anleuchten, aber jedes Fleckchen von mir muss einmal angeleuchtet gewesen sein. Dann werde ich wieder ein Mensch!», erzählte sie mir aufgeregt. Ich leuchtete sie von oben bis unten ab, aber nichts änderte sich, also leuchtete ich sie von links nach rechts ab und dieses Mal verschwammen ihre Umrisse und plötzlich stand ein ganz normales Mädchen vor mir und rief überglücklich: «Ich bin frei!!!» Etwas leiser fügte sie hinzu: «Mein wirklicher Name ist: Amelie! Oh danke danke danke danke danke!!!!!!!!!!!»