Klub der jungen Dichter
Generation X vermasselte, Generation Y gewinnt

Mara Murer aus Beckenried schreibt im Klub der jungen Dichter über den mysteriösen Diebstahl eines Gemäldes. Doch es läuft nicht alles nach Plan.

Mara Murer, Beckenried, 7. Klasse
Drucken
Mara Murer, Beckenried.

Mara Murer, Beckenried.

Es war schon mutig, ausgerechnet mit unserer Klasse die Museumsführung zu buchen. Aber was dann geschah, hätte wohl niemand gedacht. «Darf ich auf die Toilette?», alles läuft nach Plan. Eine Zustimmung und sie düste Richtung Toilette. Doch die Wahrheit ist, dass es nicht stimmte.
Angekommen schlugen wir die Zelte auf. Jetzt schon wehte der Wind. Aufgeschlagen suchten die einen Brennholz und die anderen Studenten kauften im nahen Kiosk ein. Die Lehrer gingen mit diesen zwei Gruppen mit. Die restlichen hielten die Stellung. Zusammengekauert auf den Holzstämmen planten wir für die morgige Führung. «Ihr sagt dann, ihr müsstet aufs Klo!», rief jemand in die Gruppe. Ich notierte es mir. Jeder nickte und die Unterhaltung, besser gesagt die Planung, war beendet. Unsere Mitschüler kamen zu uns.

Insgeheim bog sie in einem toten Winkel ab und verschmolz mit dem Schatten aller Ausstellungsstücke. Alles war bereit für die Offensive. Jeder stand bei einem Lehrer oder Mitarbeiter von hier. Ich wartete, ich lauerte auf die Beute. Gleich, nur noch ein bisschen. Kurzer Daumen hoch in Richtung Lichtschalter und die Dunkelheit kam. Das Einzige was man sah, waren Einzelteile. Hände, Köpfe und paar schreiende Erwachsene, die sich jetzt verängstigt auf dem Boden knieten. Da hatte ich schon das Bild «Le Pigeon aux petis pois» in der Hand.

«Sind alle erledigt?», murmelte ich leise meinem Nachbarn zu. Er nickte und half mir das Bild zu tragen. Es war perfekt, alles kam genau richtig. Ich fühlte mich so glücklich, unglaublich gut. «Lieber Picasso, dein Bild gehört jetzt nur uns», verinnerlichte ich mir und lächelte in mich hinein. Ein Kreis von Studenten bildete sich um mich und das Bild. Die Ehre, dieses Bild zu tragen und dass es in meinen Händen war, machte mich stolz. Alle bestaunten es und bewunderten mich. Wir schlichen uns, samt Bild, aus dem Museum, zu unseren Zelten. In der Dunkelheit sahen die Zelte noch geheimnisvoller aus. Das Mondlicht schimmerte durch die Bäume, genau auf meinen Bratspiess. Das neben mir liegende Gemälde war in eine Plastiktasche gehüllt. Morgen werden wir auf dem Wasser sein, und es anschliessend für Millionen versteigern. Ich lächelte nochmals.

Alle Zelte wurden eingepackt und verstaut. Das Gemälde in meiner Hand schritten wir los. Der Hafen war schon von weitem in Sicht. Das Schiff für uns auch. Das Gefühl von Erleichterung liess mich laut ausatmen. Das Gefühl von Sieg und Ruhm war atemberaubend. Meine schwarzen Haare wehten vor meine Augen. Ich sah einen Bruchteil nichts, doch das genügte. Als ich wieder etwas sah, waren meine Freunde auf dem Boden. Im nächsten Moment auch ich, jedoch ohne Bild. Dieses war in den Händen der Polizisten. Wer zur Hölle hatte uns verraten! Ich werde den zur Hölle schicken! Stille. Ich hatte das Gefühl die kühle Luft tanzte. Die Stille, die vom Wald aus ging, mit dieser könnte ich mich irgendwie anfreunden. Ich schloss meine Augen. Wir waren an unserer Mission gescheitert und das Gemälde, dieses Gemälde, das uns reich gemacht hätte, das uns für das ganze Leben ausgesorgt hätte, kam jetzt wieder an seinen rechtmässigen Platz. Leider…

Illustration:
Tiemo Wydler

«Dies war die berühmte Geschichte, die vor 40 Jahren stattfand. Dieses berühmte Gemälde wäre fast gestohlen worden. Zum Glück nur fast. Heute im Jahre 2010, gab es bis jetzt, zum Glück, keine weiteren Anschläge», der Museumsführer redete weiter, doch dies interessierte mich nicht. Ich atmete nochmals ein und aus. Ich fuhr durch meine hüftlangen, kastanienbraunen Haare. Ich blinzelte kurz zu den anderen rüber. Als ob der dachte, es gäbe keinen Anschlag mehr. Wir werden es besser machen als unsere Eltern. Ich lächelte in mich hinein, als das Licht ausging.