Klub der jungen Dichter
Rettung in der Zukunft

Laura Kugele aus Stans schreibt im Klub der jungen Dichter über eine fantastische Zeitreise. Wie geht sie aus?

Laura Kugele, Stans, 6. Primar
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Laura Kugele, Stans.

Laura Kugele, Stans.

Auf der Waldlichtung entdeckte ich ein Eichhörnchen, das ein T-Shirt anhatte. «Siehst du das?!?», fragte ich meinen Bruder. Aber der war plötzlich weg. Es war circa 15:24 Uhr, und in einer Stunde mussten wir nach Hause. Ich geriet in Panik. «Mama wird so wütend sein, wenn ich ohne meinen Bruder nach Hause komme», sagte ich voller Sorge um meinen Bruder. Ich schrie, so laut ich konnte: «Jonas, wo bist du?!» Jessica wartete, als plötzlich das Eichhörnchen wieder vor ihr stand. «Hallo, du Kleiner! Hast du meinen Bruder gesehen?», fragte ich. Es gab keine Antwort, war ja auch klar. Ich sah schon den Zeitungsartikel für morgen vor meinen Augen: «12-jähriger Junge im Wald verschwunden, Schwester, elf Jahre, hat keine Ahnung. wo er ist.»

Nach einigen Minuten Stille sah ich, dass das Eichhörnchen, das die ganze Zeit mich anglotzte, etwas zwischen den kleinen Pfötchen hielt. Es sah aus wie ein Armband mit einem blauen Stein. Dieses Armband zog mich so fest an, dass ich sogar aufgestanden bin. Ich lief zum Eichhörnchen und wollte nach ihm greifen. Aber da rannte das Eichhörnchen weg, aber zum Glück lies es das Armband fallen. «Danke», rief ich dem Eichhörnchen nach. Ich betrachtete das Armband genau. Als ich ganz genau in den Stein schaute, wurde ich wieder angezogen. Also zog ich das Armband einfach an. Was danach passierte, war unbeschreiblich.

Es kribbelte magisch, für etwa zehn Sekunden. Ich flog über den Boden. Nach einem kurzen Augenblick hatte ich wieder festen Boden unter mir. Dann drehte ich mich einmal um meine eigene Achse. Alles sah so ungewöhnlich aus. Dort gab es keine Waldlichtung, wo ich vor kurzem war, dort gab es so viele Hochhäuser, alles war weiss, und vieles war aus Glas. Menschen mit aussergewöhnlicher Kleidung liefen herum, die Kleidung war ebenfalls weiss. Autos und andere Fahrzeuge fuhren in der Luft herum, auf Glasstrassen. Ich dachte mir: «Ich war nicht mehr in meiner Welt!» Ich überlegte fieberhaft, wie ich wieder nach Hause kommen sollte. Plötzlich fiel es mir ein: «Ich bin ja mit diesem merkwürdigen Armband hierher gelangt.» Ich fasste mir ans Handgelenk, aber das Armband war nicht mehr da. Ich dachte mir, ich hätte es auf dem Weg hierher verloren. Ich geriet wieder in Panik. Also rannte ich einfach los.

Menschen sahen mich komisch an, wegen der Kleidung. Irgendwann blieb ich stehen. Ich atmete tief durch. Plötzlich war ein Schatten hinter mir. Dieser zog mich einfach in eine dunkle Gasse. Ich schrie los: «Wer sind Sie! Lassen Sie mich los!», schrie ich. «Beruhige dich. Ich bin Agent 703 und habe eine Mission für dich. Hör gut zu: Du bist im Jahr 2087 und kommst aus der Vergangenheit, oder?», fragte er mich. Ich antwortete nur mit einem Nicken. «Gut, dein Bruder wurde entführt, von Dr. Dunkelrotz. Für ihn sind die Kinder aus der Vergangenheit sehr besonders, denn er braucht sie für eine Erfindung. Ich kann das nicht machen, denn ich habe eine andere Mission. Das schaffst du schon. Also, du bekommst drei Sachen als Hilfe von mir: ein Schlafspray, ein Stärkebonbon und ein Hoverboard zum Fliegen. Wenn es dir gelingt, deinen Bruder zu retten, musst du diesen Knopf drücken, mit dem du wieder in die Vergangenheit gelangst. Wenn es dir nicht gelingt, rufst du diese Nummer an. Das ist die Nummer von mir. Verstanden!?», erklärte mir der Agent, dem ich fassungslos zugehört hatte. «Ja!», antwortete ich immer noch staunend. «Gut, hier ist der Rucksack. Ich teleportiere dich jetzt in sein Büro. Sei mutig und leise, zudem auch weise. Viel Glück!», sagte der Agent zum Abschied.

Es kribbelte wieder, und plötzlich war ich wieder ganz woanders. Also, das hat nach der Zeit wirklich genervt. Der Rucksack war noch da, gut. Dachte ich mir. Plötzlich standen etwa 14 Wächter vor mir, die haben natürlich angeberisch die Muckis gezeigt. Zuvorderst, glaubte ich, war der Chef. Der Mann trat einen Schritt vor zu mir. «Du bischt woll die Schwester von dieschem Jüngen. Der ischt aber in scheine Zelle, wo du auch gleisch bist», redete der Mann bestimmt mit seinem französischen Akzent. «Isch bin Dr. Dunkelrotz, und isch brausche die Aare von den Vergangenheitkindörn», er lachte gruselig, sodass ich zusammenzuckte. Plötzlich kamen die Männer auf mich zu. Schnell steckte ich mir das Stärkebonbon in den Mund. Es kribbelte wieder leicht, aber angenehm. Als ein Wächter zuschlagen wollte, wich ich schnell aus und kickte zurück. Das ging eine Weile hin und her. Ich habe zum Glück nur ein paar Kratzer abbekommen. Es dauerte ein wenig, bis alle am Boden lagen.

Illustration:
Tiemo Wydler

Als ich es dann endlich geschafft hatte, holte ich das Spray aus dem Rucksack und sprühte jedem etwas ins Gesicht. Aus der Tür, wo die Wächter herkamen, bin ich geflüchtet. Ich rannte den Gang entlang, bis ich zur Tür mit der Aufschrift «Gefängnis» kam. Ich öffnete vorsichtig die Tür. Alles war ruhig, zum Glück. Ich lief den Gang herunter. Alle Zellen waren leer. Als ich schon fast am Ende von diesem Gang war, verlor ich schon die Hoffnung. Ich dachte mir: «Warum musste dieser Kerl auch genau meinen Bruder entführen!» Als ich an der letzten Zelle ankam, schaute ich genau hin. Irgendwann regte sich was, und ich rief etwas zu laut: «Jonas! Ich bin’s, Jessica. Wo ist der Schlüssel? Ich hole dich da raus!» – «Jessica! Aber… aber… wie?», fragte Jonas stotternd. «Das erkläre ich dir später», sagte ich jetzt etwas strenger. «Der Schlüssel ist in einer Bodenluke. Hebe sie einfach hoch!», antwortete mein Bruder schnell. Das machte ich dann auch. Ich suchte jede Luke ab. Schlussendlich fand ich den Schlüssel auch. Schnell hatte ich meinen Bruder aus der Zelle geholt. «Danke, Schwesterherz», sagte mein Bruder dankend und umarmte mich.

Nach einiger Zeit trennten wir uns wieder und suchten den Ausgang zur frischen Luft. Zum Glück begegneten wir keinem Wächter mehr. Nach gefühlten zehn Minuten fanden wir den Ausgang. Ich holte das Hoverboard und den Knopf aus dem Rucksack. «Steig auf», rief ich meinem Bruder zu. Schnell sprang er hinten drauf. Kurz darauf öffnete sich die Tür, von wo wir gekommen waren. Dr. Dunkelrotz rannte auf uns zu. «Bleibt stehen! Isch brauche eusch noch!», rief er. Ich wusste nicht, wie ich dieses Ding fliegen kann. Also machte ich alles genau wie bei einem Skateboard, und es klappte. Weit oben in der Luft, Dr. Dunkelrotz war nicht mehr in Sicht, drückte ich auf den Knopf. Wieder kribbelte es leicht. Es war aber ein tolles Gefühl.

Wir waren wieder auf der Waldlichtung. Um genau die gleiche Zeit, wie wir gegangen sind: 15:34 Uhr. Alle Sachen waren noch da. «Was ist passiert?», fragte mein Bruder. «Das erzähle ich dir alles auf dem Heimweg, Bruderherz», sagte ich und grinste in mich hinein.