«Klub der jungen Dichter»: Die Liebe steht in den Sternen

Matthias Häcki erzählt im «Klub der jungen Dichter», wie eine ganz besondere Liebe buchstäblich ins Auge geht.

Matthias Häcki, Ennetbürgen, 3. Sek
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Matthias Häcki.

Matthias Häcki.

Mein Name ist Felix, aufgewachsen bin ich in der Zentralschweiz. Früher hat mein Vater mir immer vor dem Schlafen Geschichten über das Universum erzählt, über ihre Planeten und Sterne, über ihre Unendlichkeit. Mein Zimmer war vollgestopft mit Büchern und Bildern übers Universum. Man könnte sagen, ich war ein Nerd. Ich war regelrecht fasziniert von Planeten und Sternen, vor allem von der Sonne.

In der dritten Klasse hatten wir das Thema Universum in der Schule durchgenommen, und als meine Lehrerin verkündete, dass wir eine Sternwarte besuchen werden, war ich von Freude übergossen. Die meisten Kinder waren sehr gelangweilt, und es hat sie gar nicht interessiert, aber ich, ich war so fasziniert von diesem riesigen Fernrohr. Meine Faszination wurde immer stärker und stärker. Mit dreizehn Jahren ging ich an das Gymnasium, weil mein Ziel war es, Astrologie zu studieren. Zu meinem 16. Geburtstag bekam ich ein Fernrohr geschenkt und habe mich stundenlang mit diesem verweilt. Mittlerweile wusste ich alle Sternenkonstellationen des Universums auswendig. Und konnte über alle Planeten in unserem Sonnensystem Auskunft geben.

Als ich mit zwanzig das Gymnasium abschloss, war meine Liebe zu den Sternen immer noch so stark. Ich hatte schon zahlreiche Ereignisse miterlebt, wie zum Beispiel Asteroidenschauer, Sonnenfinsternisse, Mondfinsternisse... Aber ich habe noch nie eine totale Sonnenfinsternis miterlebt und die nächste stand kurz bevor. Ich habe mich dementsprechend gut auf diesen Moment vorbereitet, mit Filtern für mein Fernrohr und speziellen Brillen, sonst wäre das Licht unerträglich.

Es war so weit, ich ging zu einem berühmten Spot, wo sich viele Amateure treffen und die Sonnenfinsternis bestaunen werden. Voller Freude habe ich mein Fernrohr aufgestellt und alle Filter und Sachen montiert. Es war bald so weit, alle hatten ihre Brillen aufgesetzt, und jeder war gespannt auf diesen Moment. Der Mond hatte sich vor die Sonne geschoben, und ein dünner, sehr heller Strahl umrandete den Mond. Es war so ein schöner Anblick durch das Fernrohr, doch plötzlich durchzog mich ein Schmerz, wie ich ihn noch nie erlebt habe durch den ganzen Körper, und ich sah nur noch weiss. Alles um mich herum wurde dumpf und still, und auf einmal wurde es schwarz um mich herum, und der Höllenschmerz war verschwunden.

Stunden vergehen... Als ich langsam und vorsichtig meine Augen öffnete, lag ich auf einem Bett im Spital. Als ich meine Augen reiben wollte, fühlte ich an meinem linken Auge etwas, dass mein Auge überdeckte. Wenige Momente später kam ein Arzt zu mir und erklärte mir, dass ich bewusstlos hier im Spital ankam. Und dass sie eine schwere Verbrennung meines linken Auges festgestellt hatten, er nahm tief Luft und sagte: «Wir konnten nichts mehr tun, das komplette Auge wurde regelrecht von den Sonnenstrahlen verbrannt.» Ich fragte ihn völlig verblüfft, was passiert sei, und er teilte mir mit, dass sich der Filter komplett verschoben habe und so direktes Sonnenlicht stark auf mein Auge strahlte. So stark, dass ich umgefallen bin und mit meinem Kopf hart aufgeschlagen habe.

Ich konnte es nicht fassen, dass ich jetzt auf einem Auge blind war. Ich hatte enormes Glück im Unglück, weil ich jetzt den Himmel noch immer bestaunen kann. Die Liebe zu den Sternen hat mich ein Auge gekostet.

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Nicht weniger als 4926 Geschichten sind für den «Klub der jungen Dichter» 2019 eingegangen. Zur Auswahl standen das Thema «Liebe macht blind» sowie ein Textanfang. Wir publizieren täglich zwei der besten 40 Geschichten. Sobald sie in der Printausgabe unserer Zeitung erschienen sind, finden Sie die Texte auch unter www.luzernerzeitung.ch/dichter. Sie, liebe Leserinnen und Leser, können mitvoten: Wir vergeben einen Publikumspreis für den Text, der auf unserer Homepage am meisten angeklickt worden ist. Hat Ihnen also ein Text gefallen, wählen Sie diesen online an. Sie können ihn auch etwa via Facebook weiterempfehlen und so die Klickzahlen noch erhöhen. Die Preisträgerinnen und Preisträger geben wir Mitte Dezember bekannt. Wir danken allen Autoren, ihren Angehörigen und Lehrpersonen.