Klub der jungen Dichter

Missverständnis

Sarah Meier, Nottwil, erzählt im «Klub der jungen Dichter», wie ein Mädchen sich durch Wind und Nebel kämpft und dabei gruselige Gedanken hat.

Sarah Meier, Nottwil, 3. Sek
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Sarah Meier, Nottwil, 3. Sek

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«Als ich nach Hause kam, merkte ich sofort, dass etwas nicht stimmte…» Genau so fing die Geschichte an. Mona hatte einen tollen Abend mit Freunden hinter sich. Sie verabschiedete sich von ihnen und lief aus der Haustür, das Treppenhaus hinunter. Als sie die Eingangstür öffnete, fiel ihr erst auf, dass es Nebel hatte. Nebel alleine war nicht ein grosses Problem, aber wenn es noch angefangen hätte zu winden, dann wäre es ein ziemlich grosses Problem.

Sie packte all ihren Mut zusammen und lief möglichst zügig los. Es schien, als sei die ganze Stadt ausgestorben, und Mona machte sich immer wieder Gedanken darüber, was sie machen sollte, wenn ihr eine unbekannte Gestalt begegnen würde. Es wurde ihr ein bisschen zu gruselig, und sie versuchte, ihre Freundin zu erreichen. Doch leider vergebens, da es an ihrem Standort keinen Empfang gab. In diesem Moment fing es auch noch an zu winden. Durch die Windböen, die durch die Strassen fegten, fiel ein Mülleimerdeckel scheppernd auf den Boden, und sie hörte eine Katze fauchen. Mona erschrak so fest, dass sie ein Schrei von sich gab und auf die Seite hüpfte. Sie bemerkte erst jetzt, dass der Wind ihren Hut weggeblasen hatte.

Ohne zu überlegen, rannte Mona los, versuchte ihren Hut zu fangen und ihre gruseligen Gedanken zu ignorieren. Sie hatte ihren Hut fast eingeholt, da kam ein Windstoss, und der Hut verschwand nach links in die Dunkelheit. Normalerweise hätte sie alles für diesen Hut getan, doch in einer nebligen und windigen Nacht im Dunkeln nach ihm zu suchen, das war zu viel verlangt. Sie hatte jetzt im Moment genug andere Probleme. Sie war unglaublich froh, als sie ihre Quartierstrasse sehen konnte. Aber warum musste genau sie im hintersten Haus des Quartiers wohnen, wo es noch dazu kaum beleuchtet ist?

Mona hoffte, dass es jetzt keine Zwischenfälle mehr gab. Zu ihrem Glück legte sich der Wind ein wenig, doch der Nebel war immer noch ziemlich stark. Sie hatte es endlich geschafft und öffnete erleichtert das Gartentor ihres Elternhauses. Doch was war das? Mona erschrak und schaute diesmal noch etwas genauer hin. In ihrem Haus bewegte sich eine ziemlich grosse Gestalt. Panische Angst stieg in ihr auf. Blitzschnell nahm sie ihr Handy aus der Hosentasche und wollte ihren Vater anrufen, doch als sie genervt auf dem Display herumdrückte, musste sie einsehen, dass es wahrscheinlich an ihrem Akku lag.

Sie versteckte sich kauernd hinter ihrem Magnolienbaum und starrte zum Fenster. Ihre Gedanken kreisten wie wild umher und ihr Puls beschleunigte sich. Erst jetzt nach dem etlichen Versuch, einen klaren Gedanken zu fassen, kam sie wieder ein wenig zur Besinnung und sprach immer wieder mutmachende Sätze vor sich hin.

Nachdem sich ihr Puls ein wenig verlangsamt hatte, nahm sie ihren Mut zusammen und schlich geduckt neben eines der Fenster. Dort presste sie sich an die Wand und versuchte irgendwie zu lauschen. Als sie sehen konnte, dass die Gestalt jetzt in Richtung Küche lief, ergriff sie ihre Chance. Mona bewaffnete sich mit einem herumliegenden Stock und hastete zur Haustür. Vorsichtshalber öffnete sie die Tür nur möglichst wenig. Ihre Hand passte genau durch den Spalt. Ihre Hand schob sich hindurch und tastete nach dem Lichtschalter, um ihren geplanten Überraschungsangriff zu starten. Als sie sich ins Haus stürzte, wurde sie von einem starken Handgriff gepackt… Nowlen? Jetzt standen sich beide mit weit aufgerissenen Augen gegenüber. Nachdem sich Mona wieder gefasst hatte, fing sie vor Erleichterung an zu weinen und umarmte ihren grossen Bruder.