«Klub der jungen Dichter»: Gefährliche Chemie

Noé Züger erzählt im «Klub der jungen Dichter», wie ein Chemiker in eine wirklich heisse Story gerät und dann doch ganz cool bleibt.

Noé Züger, Horw, 6. Primar
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Noé Züger.

Noé Züger.

Leise kam ein wenig morgendliche Klaviermusik aus den Musikboxen, und Lewis Hunt schlürfte genussvoll an seinem Cappuccino. Dieses Szenario ist das typische Morgenritual des zwei Meter grossen, blonden, schmächtigen Chemikers Lewis Hunt. Als der Chemiker gerade einen Text über die Aktienzinsen in der «New York Times» las, kam auf einmal eine junge Blondine in Hunts Lieblingskaffee, dem «Coffee». Der blonde Chemiker richtete sein Augenmerk urplötzlich ganz auf die Schritte und Tritte der Blondine.

Als sie an ihm vorbeihuschte, fragte er sie, vor Adrenalin platzend: «Hier hätte es noch Platz, wollen Sie sich hinsetzen?» Die Blondine nickte und gab zurück: «Ja, sicher.» Nach einem kurzen Dialog stellte sich heraus, dass die junge Frau Ann Cross hiess und an einer gut angesehenen Universität in New York Medizin studierte. Inmitten des Gesprächs schaute Ann Cross hastig auf ihre silberne Armbanduhr und sagte gestresst: «Sorry, ich muss jetzt gehen, die Arbeit ruft. Wie wäre es mit einem Dinner heute Abend?» Beim Herausgehen murmelte sie noch: «Um 19 Uhr an der Marvelstreet neun.» Die dicke Türfalle fiel ins Schloss und Hunt gaffte wie ein Blöder in Richtung alte Holztür.

Ein warmes Sommerwindchen blies um die Ohren des adrett in einem schwarzen Anzug gekleideten Lewis Hunt. Wie ihm befohlen, machte der Chemiker sich auf den Weg in die Marvelstreet. Wie sich herausstellte, lag die Marvelstreet in einem elitären Viertel der Weltmetropole New York. Kaum hatte sich Hunt gefragt, wo die hübsche, geheimnisvolle Ann denn wohnte, da spürte er einen harten, metalligen Gegenstand an seinem Hinterkopf. Prompt zischte eine Stimme: «Hände hoch und umdrehen!»

Was er dann sah, konnte er nicht in Worten schildern. Vor ihm stand Ann Cross! Scharf kam es aus ihr heraus: «Folgen Sie mir und Flüchten ist sinnlos!» Die Kriminelle verfrachtete Hunt in ein verlassenes, trübes Fabrikgebäude. Die Kriminelle brachte den entführten Chemiker in einen alten, seit Jahren nicht mehr betretenen Laborraum. Im Labor standen Geräte, die der Chemiker aus seiner Arbeit im Labor kannte. Machthaberisch brachte Cross hervor: «Mixen Sie mir DropX!» Widerwillig machte sich Hunt an die Arbeit. Er konnte erahnen, dass DropX für die Drogenindustrie verwendet wird. Als Lewis die für einen Chemiker einfache Aufgabe schon fast beendet hatte, beging die Entführerin eine kleine Unachtsamkeit und schaute aus dem Fenster. Der Chemiker nutzte die Chance eiskalt aus und stürzte sich mich voller Wucht auf die kleine Blondine. «Aua, du Feigling!», schrie die überwältigte Entführerin. «Feig ist jemand, der auf die Hilfe einer Waffe zurückgreift, um einen Menschen zu bedrohen», gab Hunt kühl zurück.

Nach der Überwältigung fesselte Hunt Cross mit einem alten herumliegenden Seil. Bei einer gründlichen Durchsuchung von Cross’ Kleidung fand Hunt ein brandneues Handy. Mit dem Handy rief der Chemiker die örtliche Polizei an. Am anderen Ende der Leitung erklärte sich ein gewisser Kommissar Chuck bereit, zeitnah am Tatort einzurücken. Nachdem die Entführerin in Handschellen abgeführt wurde, fragte Chuck: «Was haben Sie heute gelernt?» «Keine Ahnung», gab Hunt ahnungslos zurück. Chuck löste seine Frage auf und sagte: «Liebe macht blind!» Ein lautes Gelächter brach aus und Hunt war gottfroh, dass diese Geschichte noch heil herausgekommen war.

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Nicht weniger als 4926 Geschichten sind für den «Klub der jungen Dichter» 2019 eingegangen. Zur Auswahl standen das Thema «Liebe macht blind» sowie ein Textanfang. Wir publizieren täglich zwei der besten 40 Geschichten. Sobald sie in der Printausgabe unserer Zeitung erschienen sind, finden Sie die Texte auch unter www.luzernerzeitung.ch/dichter. Sie, liebe Leserinnen und Leser, können mitvoten: Wir vergeben einen Publikumspreis für den Text, der auf unserer Homepage am meisten angeklickt worden ist. Hat Ihnen also ein Text gefallen, wählen Sie diesen online an. Sie können ihn auch etwa via Facebook weiterempfehlen und so die Klickzahlen noch erhöhen. Die Preisträgerinnen und Preisträger geben wir Mitte Dezember bekannt. Wir danken allen Autoren, ihren Angehörigen und Lehrpersonen.