Klub der jungen Dichter

Onkels geheimnisvoller Dachboden

Lena Stöckli, Menznau, erzählt im «Klub der jungen Dichter» wie ein Knabe auf den Estrich seines Onkels steigt und schliesslich ein wildes Piraten-Abenteuer erlebt.

Lena Stöckli, Menznau, 5. Primar
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Lena Stöckli, Menznau, 5. Primar

Lena Stöckli, Menznau, 5. Primar

Die Nacht war kalt und stürmisch als das Abenteuer begann. Ich, Daniel, musste auf das Haus meines Onkels aufpassen, der für fünf Tage in ein Luxushotel nach Österreich verreist war. Der Sturm war so laut, dass ich unmöglich einschlafen konnte. Ich stand auf und trottete müde die Treppe hinunter ins Wohnzimmer. Es war langweilig, denn mein Onkel hatte keinen Fernseher. Die ganze Zeit herumzusitzen war echt öde.

Deswegen beschloss ich, auf den Dachboden zu gehen und ein bisschen herumzustöbern. Doch ich war schon sehr lange nicht mehr dort oben und wusste nicht mehr, wo der Eingang war. Ich suchte lange, bis ich im 1. Stock einen grossen Hebel an der Decke fand. Das Haus meines Onkels war schon ziemlich alt.

Daran wurde ich auch sofort erinnert, als ich den Hebel herunterzog. Es knarrte fürchterlich und viel Staub fiel auf mich herunter. «Ich glaube, mein Onkel war schon lange nicht mehr hier», dachte ich. Eine Ziehtreppe wurde ausgefahren, und ich lief gemächlich die Stufen empor. «Wow hier sieht es ja toll aus!», sagt ich. Der Dachboden war gross. Uralte Möbel standen überall herum und an den Holzwänden hingen unzählige Postkarten über Postkarten, alle von verschiedenen Ländern. In den Ecken hingen viele Spinnenweben und auf den Kisten, die überall im Raum verteilt waren, lag eine zentimeterdicke Staubschicht.

«Ah…, was ist das denn» rief ich erschrocken. Dort hinten im Ecken stand jemand. «Zisch» …ein heftiger Blitz erhellte den Raum. Ich erschrak, ich hasse Gewitter. Ich nahm all meinen Mut zusammen und ging langsam auf die Person zu. «Was suchen sie hier und… Ach so, das ist ja nur eine alte Schaufensterpuppe.» Ooh…, da hinten stand eine wunderschöne hölzerne Truhe mit goldenen Schnörkeln und Verzierungen. Vorsichtig öffnete ich die Truhe. «Wow, ist das cool.» Darin lag ein echtes Piratenfernrohr. Dazu ein typischer Piratenhut und ein langer Säbel.

Plötzlich gab es einen ohrenbetäubenden Knall und dazu blitzte und donnerte es kräftig. Mir wurde schwindelig und ich spürte noch etwas schmerzlich Stechendes an meinem Kopf, als ich plötzlich an Bord eines echten Piratenschiffs stand. Haufenweise Matrosen standen um mich herum und alle sagten Kapitän zu mir. Irgendwie raffte ich gar nichts mehr. Ich stand doch eben noch auf Onkels Dachboden. Aber es reizte mich, dieses verrückte Spiel mitzuspielen. Ich konnte mich nicht lange entscheiden, denn ein kahlköpfiger Matrose stand vor mir und schupste mich ans Steuerrad. Aber eigentlich wusste ich doch gar nicht, wie das funktionierte. Ach egal irgendwie wird es schon klappen. Das Schiff, auf dem ich mich befand und komischerweise Kapitän war, war riesig. Ein grosses Segel mit einem Piratentotenkopf darauf stand prall im Wind. Um mich herum war das türkisblaue Meer. Leichte Wellen schwappten an die Schiffswände. Ich glaube, das mit dem Steuerrad lenken klappte doch nicht so gut. Das Schiff schaukelte immer fester hin und her. Mir wurde ein bisschen übel. «Ich glaube, ich bin seekrank!» Einer der Matrosen schien es bemerkt zu haben und kam mit einem Eimer auf mich zu. Mittlerweile schaukelte das Schiff so fest, dass die Matrosen und ich fast umfielen...

Auf einmal sah ich meinen Onkel vor mir, der einen kühlen Lappen an meine Stirn hielt. Plötzlich waren das Schiff, das Meer und die Matrosen weg, und ich war wieder auf dem Dachboden. Neben mir stand die Kiste mit den Piratensachen. Mein Schädel brummte und mein Onkel sagte: «Ruh dich bitte aus, du hast eine grosse Beule am Kopf. Du musst dich an der ollen Kiste gestossen haben. Der Flug ist wegen des Sturms abgesagt worden, darum bin ich wieder hier.»