«Klub der jungen Dichter»: Mein Freund, der Drache

Seraphine Fähndrich erzählt im «Klub der jungen Dichter», wie ein Drachen nicht nur auf eine kurzfristige Beziehung aus ist.

Seraphine Fähndrich, Rothenburg, 5. Primar 
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Seraphine Fähndrich.

Seraphine Fähndrich.

Ich öffnete die Zimmertür und traute meinen Augen nicht. Ein kleiner grüner Drache schaute mir in die Augen. Ist er gefährlich? Ich nahm meinen Hausschuh in die Hand. Um mich zu wehren. Der Drache nahm schützend seine Flügel um sich. Ich stellte den Hausschuh auf mein Pult und ging vorsichtig zu dem Drachen. Ich ging immer näher.

Ich war schon ganz nah bei ihm, da flog mir der Drachen auf die Schulter. Ich schrie auf, doch der Drache sah mich so süss an, da hörte ich auf zu schreien. Der Drache flog zu meinem Pult und schrieb etwas auf ein Blatt. Ich schaute, was er schrieb. «WIE HEISST DU?», stand auf dem Blatt. «Ich heisse Atnea und du?» Der Drache zuckte mit den Schultern. «Ich nenne dich Loop», sagte Atnea. Loop rieb sich den Bauch. «Hast du Hunger?», fragte ich ihn. Loop nickte. Ich ging runter und schaute in den Kühlschrank. Ich nahm Milch, einen Apfel und ein Brot und ging rauf. Als ich oben angekommen war, zeigte ich Loop die Sachen. Er streckte angeekelt die Zunge raus. Ich fragte mich, ob er wohl andere Sachen gewohnt war. Ich musste ihn zu seiner Familie bringen. Ich sagte zu Loop: «Morgen suchen wir deine Familie.» Der Drache flog glücklich im Zimmer herum. Dann wurde es auch schon spät und meine Mutter kam rein. Sie sagte, ich solle schlafen gehen. Zum Glück hatte sie Loop nicht gesehen.

Um 6.00 Uhr am Morgen packte ich meinen Rucksack. Ich überlegte, wo seine Familie sein könnte. Ich dachte an einen Berg. Vielleicht der Berg Lodo? Es gibt ja die Legende, dass dort Drachen leben. Ja, wir gehen auf den Lodo. Ich sagte meiner Mama, die auch wach war, dass ich Wandern gehe. Es stimmte ja auch. Loop packte ich auch in den Rucksack. Wir warteten auf den Bus zum Tannenweg. Dann kam er und wir stiegen ein. Als wir ankamen, stand der Lodo vor uns. Auf dem Wegweiser stand 4 Stunden bis ganz oben zum Lodo. Keine einzige Person war am Wandern, denn es war kalt. Also holte ich Loop hervor. Wir gingen einem Bach entlang, dann mussten wir den steilen Hang hinaufklettern. Endlich waren wir oben. Es war kalt und ich zog mir noch eine Jacke an. Ich rief «Hallo, ist da jemand?» Stille. Da hörten wir ein Krächzen und riesige Drachen in Rot, Blau und Grün kamen angeflogen. Die Legende ist wahr! Sie sahen nicht so glücklich aus. Sie flogen genau auf uns zu. Als sie nur noch fünf Meter von uns entfernt waren, flog Loop vor mich. Er wollte mich beschützen. Er fiepte leise und ängstlich. Aber die Drachen verstanden ihn. Ich glaube, das ist die Drachensprache. Die Drachen sahen mich an und dann sahen sie dankbar aus.

Loop schrieb dann auf einen Block: «Ich heisse Lu und das ist meine Mama.» Loop oder eher Lu zeigte auf einen grünen Drachen. Lu schrieb noch einmal auf den Block: «Sie heisst Lira und sagt Danke.» «Bitte», sagte ich. Lu schmiegte sich an mich. So wusste ich, dass dies eine Verabschiedung war. Die Drachen flogen um mich und gingen dann in ihre Höhle auf den Berg. Ich lief glücklich wieder zur Bushaltestelle. Aber im Bus merkte ich, dass ich Lu wahrscheinlich das letzte Mal gesehen hatte, da wurde ich traurig, denn Lu ist mein bester Freund geworden. Als ich Zu Hause ankam, ging ich erschöpft ins Bett.

Am nächsten Morgen, als ich die Augen aufmachte, sahen mich zwei grüne Augen an. Ich bekam zuerst einen Schreck, doch dann merkte ich, wer es ist: Lu!

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Nicht weniger als 4926 Geschichten sind für den «Klub der jungen Dichter» 2019 eingegangen. Zur Auswahl standen das Thema «Liebe macht blind» sowie ein Textanfang. Wir publizieren täglich zwei der besten 40 Geschichten. Sobald sie in der Printausgabe unserer Zeitung erschienen sind, finden Sie die Texte auch unter www.luzernerzeitung.ch/dichter. Sie, liebe Leserinnen und Leser, können mitvoten: Wir vergeben einen Publikumspreis für den Text, der auf unserer Homepage am meisten angeklickt worden ist. Hat Ihnen also ein Text gefallen, wählen Sie diesen online an. Sie können ihn auch etwa via Facebook weiterempfehlen und so die Klickzahlen noch erhöhen. Die Preisträgerinnen und Preisträger geben wir Mitte Dezember bekannt. Wir danken allen Autoren, ihren Angehörigen und Lehrpersonen.